• Ein altes Wohnhaus, das beinahe ausschliesslich solarbeheizt ist

Ein altes Wohnhaus, das beinahe ausschliesslich solarbeheizt ist

12.11.2021 THOMAS AMMANN, dipl. Architekt FH

Solarpreis 2021 – Ein über 200-jähriges Haus in Windisch versorgt sich nahezu selbst mit erneuerbarer Wärme und gewinnt den HEV-Sondersolarpreis 2021.

Im alten Dorfkern von Windisch AG steht eine Zeile mit Einfamilienhäusern aus dem Jahr 1800. Das Eckhaus zur Strassenkreuzung hin konnte durch das Ehepaar Stähliübernommen und in der Folge umfassend saniert werden. Ziel der Erneuerung war es, das Haus über weite Teile des Jahres mit Wärme aus erneuerbarer Energie zu versorgen.
Zur Minimierung der Energieverluste wurden zwischen 2018 und 2020 die Aussenhülle mit einer Wärmedämmung von 20 bis 22 cm versehen und das Dach neu aufgebaut. Mit U-Werten von 0,17 bis 0,2 W / m2K weist das Haus heute einen Dämmstandard analog zu einem Neubau aus. Ebenfalls wurden die Fenster ersetzt und mit einer Dreifach-Isolierverglasung versehen.
Diese Massnahmen führten dazu, dass der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser von rund 4000 Litern Heizöl beinahe um den Faktor vier reduziert werden konnte. Diese Energiebedarfsreduktion bildet die optimale Ausgangslage, um die noch benötigte Heizenergie möglichst erneuerbar zu erzeugen.

Autarkiegrad von über 90 %
Als Massnahme wurde das Süddach mit einer kombinierten thermischen Solaranlage und einer Photovoltaikanlage eingedeckt. Die 55 m2 grosse Kollektoranlage produziert im Jahr rund 19 250 kWh thermische Energie. Damit diese hauptsächlich in den Sommermonaten erzeugte Wärme auch im Winter genutzt werden kann, wird die Wärmeenergie in einem 36,6 m3 grossen Speicher gelagert. Der Speicher mit 2,5 m Durchmesser und einer Höhe von 7,9 m konnte in einem neu erstellten Anbau untergebracht werden. Auf drei Ebenen kann die Wärme in den Speicher eingebracht und wieder daraus entzogen werden. Hieraus ergibt sich eine gute Schichtung des Speichers und dadurch eine höhere Ausnutzung der Solarenergie. Über das gesamte Jahr verteilt erreicht das 200-jährige Haus einen Autarkiegrad für Heizung und Warmwasser von über 90 %! Das heisst, zu 90 % kann die erzeugte Wärme auch selbst genutzt werden und muss nicht an ein externes Netz zur Speicherung abgegeben und wieder bezogen werden. Ein einfacher Beitrag zur Minderung der Stromknappheit in den Wintermonaten.
Die restliche benötigte Wärme wird über eine 14 kW-Luft-Wasser- Wärmepumpe erzeugt. Der Strom hierzu stammt aus der 25 m2 grossen Photovoltaikanlage auf dem Süddach sowie der kleineren Anlage über dem Sitzplatz auf der Dachterrasse. Zusammen produzieren die beiden Anlagen etwa 7500 kWh Strom pro Jahr. In der Kombination von thermischen Kollektoren und Photovoltaikanlage produziert das Einfamilienhaus über das Jahr gerechnet 94 % der selbst benötigten Energie.

Charakter des Gebäudes erhalten
Dem Einfamilienhaus sieht man von aussen seine hervorragende Energiebilanz nicht an. Trotz dicker Dämmung und Solaranlage hat das Gebäude seinen Charakter behalten und fügt sich weiterhin gut in den Dorfkern ein. Die thermische Solaranlage und Photovoltaikanlage nehmen die Gesamtfläche des Daches der Südfassade ein. Auch dank der vorbildlich ausgeführten Abschlüsse zeigt sich das Haus als harmonisches Ganzes.
Entsprechend ist das Einfamilienhaus Stähli ein vorbildliches Beispiel, wie die alte Bausubstanz und damit die Baukultur erhalten werden können und trotzdem eine zeitgerechte und ökologische Energieversorgung möglich ist. Da das Haus im Moment von einer Wohngemeinschaft mit sechs Personen genutzt wird, stimmt die Bilanz auch aus gesamtökologischer Sicht. Am 2. November wurde das Gebäude für die gut gelungene Erneuerung mit dem HEV Sondersolarpreis 2021 ausgezeichnet.