• Wie die Schweiz in einer Krise ernährt werden soll

Wie die Schweiz in einer Krise ernährt werden soll

03.05.2019 NR HANS EGLOFF Präsident HEV Schweiz

Falls die Schweiz einmal in eine Krisensituation gelangen sollte, muss sie in der Lage sein, ihre Bevölkerung – unabhängig von Importen – zu ernähren. Zu diesem Zweck hat der Bund 1992 den Sachplan Fruchtfolgeflächen erlassen. Darin wird für jeden Kanton festgelegt, welche Fläche an gutem Ackerland vorhanden sein muss. Damit soll verhindert werden, dass die besten Landwirtschaftsböden – also die Böden, auf denen die höchsten Erträge erzielt werden können – überbaut werden. Auf den ausgeschiedenen Böden sollen im Fall einer «schwerwiegenden Mangellage» Lebensmittel zur Versorgung der Schweizer Bevölkerung angebaut werden. In einer solchen Situation stünden jeder Person pro Tag noch 2300 kcal zu. Zwischen 2013 und 2015 lag der Selbstversorgungsgrad der Schweiz ohne die Einfuhr von Düngemitteln im Durchschnitt bei etwa 50 Prozent. Für die ganze Schweiz gilt ein Mindestumfang an Fruchtfolgeflächen von 438 460 Hektaren. Jeder Kanton hat ein bestimmtes Kontingent an solchen Flächen zu erhalten.

Überarbeitung des Sachplans Fruchtfolgeflächen

Im Zuge der beiden Revisionsetappen des Raumplanungsgesetzes wurde auch die Überarbeitung des Sachplans Fruchtfolgeflächen angegangen. Eine Expertengruppe hat den bestehenden Sachplan von 1992 einer kritischen Analyse unterzogen, und die Bundesverwaltung hat in Anlehnung an die Empfehlungen der Experten eine Vorlage ausgearbeitet, die interessierten Kreisen diesen Frühling zur Vernehmlassung vorgelegt wurde. Der vorliegende Vorschlag sieht vor, die Gesamtfläche konstant zu halten. Es soll den Kantonen jedoch ermöglicht werden, in Zukunft Fruchtfolgeflächen zu handeln bzw. zu tauschen.

Handel, Kompensation und neue Technologien

Meiner Meinung nach ist diese Flexibilisierung sinnvoll und begrüssenswert. Dadurch können sich die Kantone in ihrer Entwicklung ergänzen, und das Bevölkerungswachstum kann dort stattfinden, wo es am sinnvollsten ist. Gleichzeitig bleiben die Fruchtfolgeflächen als Ganzes gesichert. Allerdings soll dieser Handel erst dann erlaubt sein, wenn ein Kanton die Qualität seiner Böden nach einer bestimmten Methode kartiert hat. Bis jedoch in allen Kantonen Bodendaten in der geforderten Qualität vorliegen, kann es noch lange dauern. Zu fordern ist deshalb, dass der Handel sofort ermöglicht wird und die Bodendaten jeweils situativ auf jenen Gebieten erhoben werden, die für einen Tausch in Betracht gezogen werden.

Auch der Grundsatz, dass der Verbrauch aller Fruchtfolgeflächen kompensiert werden muss, selbst dann, wenn noch genügend Fläche zur Erfüllung des Kontingents vorhanden ist, geht zu weit. Schliesslich bezieht die Vorlage neue Technologien, wie beispielsweise die Möglichkeit, auf Flachdächern Gemüse anzubauen, zu wenig ein. Für die Versorgung der Bevölkerung in einer Krise müssen auch solche Optionen untersucht werden. Der HEV Schweiz hat die Vorlage im Detail geprüft und eine entsprechende Stellungnahme eingereicht.