• Was eine Frühpensionierung kostet

Was eine Frühpensionierung kostet

14.02.2020 KARL FLUBACHER, Geschäftsleiter Region Nordwest- und Westschweiz beim VZ Vermögens-Zentrum

Vorsorge – Sich frühzeitig pensionieren zu lassen, liegt im Trend. Jedoch wissen nur die wenigsten, mit welch hohen Kosten eine Frühpensionierung verbunden ist.

 

Bei einer Frühpensionierung fällt einerseits das Erwerbseinkommen frühzeitig weg, und es entsteht eine Einkommenslücke. Anderseits wird der Sparprozess in der zweiten und dritten Säule vorzeitig beendet. Und nicht zuletzt wird das Guthaben in der Pensionskasse fast immer mit einem tieferen Umwandlungssatz in eine Rente umgewandelt. Kurz: Bei einer Frühpensionierung erhalten Versicherte weniger lang einen Lohn, sparen weniger an und ihre Renten fallen ein Leben lang kleiner aus. 

Tiefere Pensionskassenleistung

Pro Vorbezugsjahr schrumpft die Pensionskassenrente von Frühpensionierten in der Regel um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr. Das heisst: Eine Versicherte, die sich mit 62 statt mit 64 Jahren pensionieren lässt, erhält 10 bis 14 Prozent weniger Rente.

Auch bei der AHV gibt es Einbussen: Wer die AHV zwei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung bezieht, dem wird die Rente um 13,6 Prozent gekürzt. Bei einem Vorbezug von einem Jahr fällt die lebenslängliche Rente um 6,8 Prozent tiefer aus (siehe Tabelle).

AHV-Pflicht bleibt bestehen

Was vielen Frühpensionierten auch nicht bewusst ist: Trotz vorzeitiger Pensionierung müssen sie weiterhin Beiträge an die AHV leisten (Beiträge für Nichterwerbstätige) – und zwar bis sie ihr ordentliches Rentenalter erreicht haben. Die Höhe der Beiträge hängt von Vermögen und Renteneinkommen ab. Die Beiträge liegen bei mindestens 496 Franken und höchstens 24 800 Franken pro Jahr und Person.

Bei Ehepaaren entfällt die Beitragspflicht des nichterwerbstätigen Partners, wenn der andere Partner erwerbstätig ist und mindestens 956 Franken AHV-Beiträge im Jahr leistet. Das gilt auch dann, wenn der erwerbstätige Partner das ordentliche Rentenalter schon erreicht hat.

Die Vorteile der Teilpensionierung

Um mögliche Einkommenslücken zu überbrücken, eignen sich häufig private Ersparnisse wie beispielsweise die dritte Säule, Guthaben auf Sparkonten oder liquide Wertschriftenvermögen. Es kann sich auch lohnen, freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse zu prüfen. Der Vorteil: Die Einzahlungen können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

Wer sich eine Frühpensionierung aber trotzdem nicht leisten kann, sollte eine Teilpensionierung prüfen. Dabei wird das Arbeitspensum schrittweise reduziert. Der Vorteil: Im Rahmen des reduzierten Erwerbseinkommens zahlt man weiterhin in die Pensionskasse ein und bleibt bis zur definitiven Pensionierung gegen die Risiken Tod und Invalidität abgesichert. Gleichzeitig fallen dank des Teilzeiteinkommens in der Regel keine AHVBeiträge für Nichterwerbstätige an, wie dies bei einer vollständigen Pensionierung der Fall ist.

Eine gleitende Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen. So können Versicherte weiterhin in die steuerbegünstigte Säule 3a einzahlen. Wird das angesparte Altersguthaben in der 2. Säule zudem in mehreren Schritten bezogen, fallen wegen der Progression in der Regel weniger Auszahlungssteuern an.

In der Schweiz bieten immer mehr Unternehmen ihren Angestellten Modelle für eine Pensionierung in Raten an. Der schrittweise Rückzug aus dem Arbeitsleben hat für alle Beteiligten Vorteile: Während sich die Angestellten nach und nach aus dem Erwerbsleben zurückziehen können, bleiben die Erfahrung und das Know-how dieser Mitarbeiter dem Unternehmen noch mehrere Jahre erhalten.