• Was den Garten verbindet

Was den Garten verbindet

10.10.2019 JUDITH SUPPER, Freie Journalistin

Garten – Gartenwege sind mehr als nur die kürzeste Verbindung zwischen zwei Gartenbereichen. Sie erschliessen Gartenräume, eröffnen ungewohnte Perspektiven und geben dem Garten gestalterisch Struktur.

Im Jahr 2016 versetzte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude mit seiner temporären Installation «Floating Piers» die Welt in Erstaunen. Drei Kilometer lange Stege auf dem oberitalienischen Iseosee boten wortwörtlich die Gelegenheit, über Wasser zu laufen. 15 Millionen Dollar investierten die Künstler für die 16 Tage währende Aktion.

Wege im Garten führen nur selten über Wasser – und sind auch selten so teuer. Doch ähnlich wie die Floating Piers erlauben sie ungewohnte Perspektiven, öffnen den Blick auf Unbekanntes und verbinden einzelne Bereiche miteinander. Funktional gesehen teilen sie das Grundstück ein und beeinflussen die Raumordnung. Weder Form, Breite, Verlauf und Materialien sind dabei zufällig. «An erster Stelle steht das Gesamtkonzept», weiss Olivier Zuber, Landschaftsarchitekt FH und Geschäftsführer der Zuber Aussenwelten AG in Domat / Ems (GR). «Jedes Material hat seine eigene Wirkung und muss mit der Umgebung entweder harmonieren oder diese bewusst kontrastieren.»

Jedem Gartentyp seinen Belag?

Traditionelle Materialien für Gartenwege sind Naturstein und Beton. Auch organische Beläge wie Rinde, Häcksel und selbst Gras oder wassergebundene Wegdecken aus Brechsand, Kies oder Splitt sind möglich. Auf den ersten Blick scheinen viele dieser Materialien einem klassischen Gartentyp zuordenbar: der Beton dem modernen, der Rindenmulch dem Naturgarten. Doch wirklich ausschlaggebend sind Grösse und Zuschnitt der Materialien. «Modern-formale Gestaltungen setzen häufig auf grossformatige Beton- oder Natursteinplatten, oft im 1 x 1-Meter-Format oder grösser – Steine also, die grosszügig wirken und die Architektur unterstützen», so Olivier Zuber.

      

Eine Beeteinfassung (links) verhindert, dass loses Material aus dem Wegbett rutscht. Holzbohlen (rechts) benötigen einen Unterbau, der den Weg belüftet und vor Feuchtigkeit schützt – ansonsten werden sie rutschig.

Pflanzenwachstum erwünscht

Kleinere Pflastersteine oder Gartenkies finden sich oft bei geschwungenen Wegen. Auf wassergebundenen Decken aus Splitt oder Kies können sich Pflanzen ansiedeln – des einen Freud, des anderen Leid. «Viele unserer heimischen Pflanzen schätzen das geringe Nährstoffangebot im mineralischen Umfeld. Thymian zwischen Wegplatten oder Wegwarte im Schotterbelag sind schön anzuschauen und locken Insekten an. Es lohnt sich, auch zwischen Platten solche grünen Fugen gezielt anzupflanzen», rät der Landschaftsarchitekt. Bei losem Belag gilt es zu überlegen, ob es eine Randeinfassung braucht. Stahlblech oder eine Borte aus Pflastersteinen machen die Pflege des Weges einfacher und verhindern, dass das Material seitlich davonspritzt.

Materialien

Wer es natürlich mag, kann Trittsteine in Rasenwege einlassen – sie schützen die Fläche vor Abnutzung. Schick und modern wirken ins Kiesbett eingelassene Quader. Vorsicht ist bei Holzbohlen walten zu lassen. Sie neigen bei Feuchtigkeit dazu, rutschig zu werden. Auch dass sich ihre Farbe als Folge des Alterungsprozesses verändert, gefällt nicht jedem. Eine Alternative sind Produkte aus dem WPC-Bereich (WPC = Wood-Plastic- Composites, dt.: Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe). Diese werden aus einem gewissen Prozentsatz Holz in Form von Holzspänen und Sägemehl sowie Kunststoff und entsprechenden Additiven hergestellt. Auch spezielle Kunstharzmischungen mit Naturkieseln sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Sie sind wasserdurchlässig und fugenlos giessbar.

   

Naturstein hat eine individuelle Optik, ist farbstabil und höchst langlebig. Links polygonal verlegte Granitplatten, rechts Flusskiesel.

Bei der Planung zu beachten

Gartenwege gliedern den Garten in verschiedene Pflanz- und Nutzbereiche: von der Gartenpforte zum Hauseingang, zwischen Rabatten und Gehölzen, oder hin zum Komposthaufen. Abhängig von Nutzung und Gartenareal gelten im Privatgarten 1,20 Meter Breite als Faustmass für Hauptwege. So können zwei Personen problemlos nebeneinander hergehen. Auf weniger häufig benutzten Wegen reicht eine Breite bis 100 cm, für sehr schmale Pfade 40 bis 60 cm. Bei der Planung lohnt sich auch ein Blick in die Zukunft. Wo müssen später Steckdosen für die Gartenbeleuchtung vorhanden sein, wo soll die Bewässerung verlaufen?

   

Holz in Form von Rindenmulch (links) oder Häcksel (rechts) lässt viele Gestaltungsmöglichkeiten zu.

«Wer um sein Haus gerne Natursteinplatten verlegen möchte, sich das hochpreisige Material im Moment jedoch nicht leisten kann, der kann den Unterbau vorbereiten und dabei auch die Leerrohre für die spätere Technik einfügen», schlägt der Landschaftsarchitekt vor. In der Bauphase wird dabei der notwendige Unterbau für begehbare Beläge auf 30 cm Tiefe vorbereitet, inklusive Tragschicht aus Grobschotter sowie Ausgleichsschicht. Sinn dieser Kofferung ist, durchsickerndes Regenwasser abfliessen zu lassen. «Bleibt es über dem verdichteten Untergrund stehen, kann es gefrieren », erklärt Olivier Zuber. «Als Folge kommt es zu Schäden im Pflaster, die Stabilität geht verloren.» Vorübergehend lässt sich der Unterbau mit einer preisgünstigen Kiesschicht bedecken. Später kann man sie entfernen und den endgültigen Natursteinbelag einlegen. Für einen Gartenweg, der Generationen überdauern kann.

Hände weg vom Hochdruckreiniger!

Um Wegoberflächen aus Beton- oder Naturstein zu reinigen, ist der Hochdruckreiniger die falsche Lösung. Der hohe Wasserdruck führt dazu, dass Fugenmaterial ausgespritzt wird und die Platten locker werden. Zudem öffnen sich während der Behandlung die Steinporen, und die oberste Steinschicht wird verletzt. Das mündet in einer grösseren Angriffsfläche für Algen und Moose – und somit einem auf Dauer höheren Pflegeaufwand.