• Warmwasser – der heimliche Energiefresser

Warmwasser – der heimliche Energiefresser

15.11.2019 MARTIN KILGA, Dipl. Ing. ETH / Umweltingenieur Sinum AG, St. Gallen

Sanitär – Warmwasser fliesst in Haushalten schier unbegrenzt aus allen Wasserhähnen. Dass dafür ein enormer Energieaufwand notwendig ist, der zu erheblichen Kosten und CO2-Emissionen führt, ist den Hausbewohnern häufig nicht bewusst.

Der Energieverbrauch für Raumwärme hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Beim Warmwasser ist das noch nicht so. Moderne Wohngebäude benötigen für die Warmwasseraufbereitung nahezu gleich viel Energie wie für das Heizen der Räume. Der Löwenanteil beim Warmwasser fällt auf das Baden und Duschen. Zwei kleine Massnahmen führen bereits zu substanziellen Einsparungen: häufiger duschen statt baden und der Einsatz moderner Energiespartechnik beim Duschen. Mit technisch raffinierter Spartechnik ist heute das Sparen ohne Komfortverlust möglich.

Fürs Klima, die Energieeffizienz und das Portemonnaie

Ersetzt man eine herkömmliche Duschbrause durch eine moderne Sparbrause, werden Energie, Wasserverbrauch, Kosten und CO2 nachhaltig reduziert. Ohne Sparbrause werden pro Duschgang schnell bis zu 100 Liter Warmwasser verbraucht. Dieser Verbrauch kann mit Sparbrausen ohne Komfortverlust um bis zu 50 Prozent reduziert werden. In einem durchschnittlichen Haushalt mit Sparbrausen können jährlich rund 800 kWh Energie gespart werden. Wird das Warmwasser mit Strom erzeugt, entspricht die Reduktion rund dem fünffachen Stromverbrauch eines modernen Kühlschranks der Effizienzklasse A+++. Erfolgt die Aufbereitung mit Gas oder Heizöl, werden im Jahr rund 200 kg CO2- Emissionen vermieden. Dies entspricht dem CO2-Ausstoss einer durchschnittlichen Autofahrt von ungefähr 1200 km. Ein angenehmer Nebeneffekt für alle Haushalte: Ende Jahr bleiben aufgrund des geringeren Energie- und Wasserverbrauches zwischen 50 und 300 Franken mehr in der Haushaltskasse. 

WÄRMEBEDARF HEIZUNG UND WARMWASSER

QUELLE JÜRG NIPKOW, GRAFIK SINUM AG

Low hanging fruits

Beim Energiesparen wird immer noch zuerst an kostspielige Investitionen wie Dämmung, Heizungsersatz und Solarenergie gedacht. Dabei gehen häufig die «tief hängenden Früchte» vergessen – gemeint sind damit diejenigen Massnahmen, die kostengünstig und schnell Ergebnisse zeigen. In einem Haushalt liegen diese zweifelsohne beim Warmwasser. Insbesondere mit der richtigen Spartechnik und kleinen Verhaltensänderungen – z. B. durch weniger häufiges Baden – können sehr gute Ergebnisse erreicht werden.

Schweizer Haushalte rüsten auf Spartechnik um

Das Sparpotenzial beim Warmwasser lädt zum Handeln ein. Im Rahmen des von der Stiftung KliK finanzierten Förderprogramms «Ihr Handgriff spart ...» können Schweizer Haushalte einen Beitrag zur Energiewende sowie zu den Klimazielen leisten, indem sie die Duschbrause auswechseln. Dabei entlasten sie erst noch das eigene Portemonnaie. Obwohl Klimaschutz und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen oft mit Einschränkungen und Mühe gleichgesetzt werden, zeigt die Aktion einen Weg ohne substanzielle Mehrkosten, ohne Verzicht oder Verhaltensänderungen auf. Mit dem Ersatz der Duschbrause lässt sich einfach und clever sparen und gleichzeitig wird die Umwelt geschont. Ein angenehmer Nebeneffekt der wassersparenden Duschbrause: Der Boiler verfügt auch bei der letzten duschenden Person noch über ausreichend Warmwasser, was gerade für Familien mit Kindern ein wichtiges Argument ist.

Über die Stiftung KliK

Die Stiftung KliK (Klimaschutz und CO2-Kompensation) erfüllt im Auftrag von Mineralölgesellschaften, die fossile Treibstoffe in den Verkehr bringen, deren gesetzliche Pflicht, einen Teil der bei der Nutzung der Treibstoffe entstehenden CO2-Emissionen zu kompensieren. Dazu fördert die Stiftung in der Schweiz wie auch im Ausland Projekte mit finanziellen Abgeltungen, die den Ausstoss von Treibhausgasen nachweislich reduzieren und so aktiv zu einem nachhaltigen Klimaschutz beitragen. Weitere Informationen finden Sie online unter: www.klik.ch 


Erfahrungsbericht, Thomas Ammann, Architekt und Energiefachmann beim HEV Schweiz, Februar 2020

Seit rund zwei Jahren ist die Sparbrause «Prosecco» in unserem Haus installiert. Ich geniesse den Komfort der Sparbrause, besonders das Regenwasser-Feeling und den angenehmen Wasserstrahl. Bereits beim Einstellen des Mischers spürt man die Sparfunktion. Der Mischer muss nicht ganz geöffnet werden, und trotzdem fu¨hlt sich der Wasserstrahl voll an. Positiv gestimmt hat mich auch die Warmwasserabrechnung. Wir sind eine dreiköpfige Familie, und unser Warmwasserkonsum ist im letzten Jahr durch unseren Sohn, der das Teenageralter erreicht hat, gestiegen. Trotz häufigeren Duschens pendelte sich der Verbrauch mit der Sparbrause beinahe auf dem Niveau von früher ein. Laut Abrechnung konnten wir 10 bis 12 Prozent des gesamten Warmwasserverbrauchs einsparen. Einziger Wermutstropfen: Die Sparbrause ist etwas lauter als die alte. Unser Sohn muss die Musik beim Duschen lauter aufdrehen als früher. Dennoch geben wir die neue Brause nicht mehr her.

Sparbrause zum Aktionspreis

Das Förderprogramm «Ihr Handgriff spart ...» wird von Sinum AG, Nachhaltigkeit, Umweltleistung, Management und Kommunikation, St. Gallen, zusammen mit interessierten Gemeinden, Energieversorgern, Vereinen und Firmen durchgeführt. Im Rahmen des Förderprogramms kann pro Haushalt in der Schweiz maximal 1 Sparbrause zum Aktionspreis bezogen werden. Die Stiftung KliK unterstützt den Bezug sparsamer Brausen in Haushalten mit fossiler Warmwasseraufbereitung (Öl oder Gas) finanziell. Deshalb können Haushalte mit fossiler Warmwasseraufbereitung (Öl oder Gas) die Sparbrause im Wert von 37 Franken zum Aktionspreis von nur 10 Franken erwerben. Aber auch Haushalte ohne fossile Warmwasseraufbereitung profitieren: Diese bezahlen 24 Franken statt 37 Franken. Vermieter von Wohnungen können ebenfalls profitieren, indem sie die Aktion bei ihren Mietern bekannt machen. Die Umrüstung von Mietwohnungen beeinflusst die Nebenkosten positiv.

Bestellung unter: www.sinum.ch/duschbrause/hev 

Je nach Bedürfnis dauert ein Duschvorgang unterschiedlich lang. Der kleinere Verbrauch nach der Umrüstung auf eine Sparbrause ist jedoch bei jeder Duschdauer beeindruckend.

Fragen und Antworten zur Sparbrause

Wie bei jeder neuen Technik – und ganz besonders bei Spartechnik – ist die Skepsis anfänglich gross, und es gibt viele Fragen. Die am häufigsten gestellten Fragen seit November 2019 waren:

Kommt aus der Sparbrause noch genügend Wasser für einen normalen Duschvorgang?

Ja, bei Blindtests – auch in Hotels – merkten die Duschenden nichts vom Wassersparen. Das liegt an der raffinierten technischen Sparfunktion. Diese saugt Luft an und bereichert den Wasserstrahl damit. Dies führt zu einem vollen, weichen und komfortablen Strahl.

Lässt sich das Shampoo bei langen Haaren gut und schnell auswaschen?

Ja, man merkt keinen Unterschied. Wichtig ist es, beim Haarewaschen das Shampoo nicht zu hoch zu dosieren. Bei richtiger Dosierung lässt sich der Schaum mit weniger Wasser schnell ausspülen. Sobald viel Schaum entsteht, hat man bereits überdosiert.

Warum soll man in der Schweiz Wasser sparen? Es gibt doch genug Wasser bei uns.

Für die Aufbereitung von Warmwasser braucht es sehr viel Energie. Beim Förderprojekt geht es um die Einsparung dieser Energie. Dass dabei auch noch Wasser und Abwasser gespart werden, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Weshalb ist der Preis für die Sparbrause höher, wenn sie in einem Haushalt ohne fossile Warmwasseraufbereitung eingesetzt wird? Im Gegensatz zum tieferen Preis für Haushalte mit Öl- oder Gas-Warmwasseraufbereitung?

Die Geldgeberin der Aktion ist die Stiftung Klik – Klimaschutz und CO2-Kompensation. Sie bestimmt, was gefördert wird. KliK erfüllt im Auftrag von Mineralölgesellschaften, die fossile Treibstoffe in den Verkehr bringen, deren gesetzliche Pflicht, einen Teil der CO2-Emissionen zu kompensieren, die bei der Nutzung der Treibstoffe entstehen. Dazu fördert Klik Projekte mit finanziellen Abgeltungen, die den Ausstoss von Treibhausgasen nachweislich reduzieren und so aktiv zu einem nachhaltigen Klimaschutz beitragen.

Aus welchem Grund wird pro Haushalt in der Schweiz nur eine Brause gefördert?

Auch das wird von Klik, der Geldgeberin, entschieden. Sie definiert pro Haushalt einen fixen Förderbeitrag in Franken. Würden mehrere Brausen pro Haushalt gefördert, reduzierte sich dadurch der Betrag pro Brause.

Weshalb erhält man die Brause nach der Bestellung nicht umgehend zugestellt?

Die vorhandenen Fördermittel sind möglichst effizient einzusetzen. So kann ein Maximum von Haushalten umgerüstet werden. Dies wird durch eine rationelle Distribution erreicht, unter anderem durch gebündelte Versände und B-Post.