• Vom Traktor zum E-Auto

Vom Traktor zum E-Auto

08.08.2019 YVONNE LEMMER, Redaktorin, HEV Schweiz

Solarstrom & Elektromobilität – In Maschwanden ZH geht ein fast 200-jähriges Bauernhaus mit der Zeit. 2009 wurden Haus und Scheune energetisch saniert, 2018 kam eine Photovoltaikanlage hinzu. Und seit wenigen Wochen versorgt der selbsterzeugte Solarstrom nicht mehr nur den Haushalt, sondern auch das neue Elektroauto der Eigentümerfamilie.

Es ist ein sonniger Sommertag im 641-Seelen-Dorf Maschwanden, das unweit von Mettmenstetten an ländlicher, idyllischer Lage liegt. Und das freut Architektin Judith Kneubühl. Die Photovoltaikanlage auf dem Holzschopf neben ihrem Bauernhaus produziert gerade richtig viel Strom für ihren Haushalt. Und neu auch für das Elektroauto der Familie.

Bauernhaus energetisch saniert

Neben zahlreichen Bauernhäusern besteht Maschwanden mehrheitlich aus Einfamilienhäusern und wenigen Gewerbebauten. Landwirtschaft prägt die 467 Hektar kleine Gemeindefläche. Dass man sich auch in einem kleinen Bauerndorf wie Maschwanden für moderne Technologien und Energieeffizenz interessiert, davon ist Judith Kneubühl überzeugt. Gerade bei älteren, schlecht gedämmten Häusern ist viel Einsparpotenzial vorhanden. 2009 haben sie und ihr Mann das 1823 erbaute Bauernhaus von ihren Eltern übernommen und mit einer Totalsanierung auf den neuesten Stand gebracht. «Durch die energetische Sanierung 2009 konnten wir den Energieverbrauch von 120 kWh /m2 auf 25 kWh /m2 senken», sagt die Architektin. Erreicht haben sie die beachtliche Einsparung einerseits mit der neuen Heizart: Die alte Stückholzheizung wurde durch eine Pelletheizung ersetzt. Zudem sorgt seit 2009 eine thermische Solaranlage für Warmwasser und ist zugleich heizungsunterstützend. «Wir haben uns damals für eine Pelletheizung entschieden, weil in der angebauten Scheune noch eine Stöckli-Wohnung beheizt werden muss», erklärt die Architektin. Angedacht sei es aber, die Pelletheizung in Zukunft durch eine Wärmepumpe zu ersetzen.

Zu den weiteren Massnahmen der energetischen Sanierung gehörten eine Fassaden- und Dachdämmung mit 24 – 30 cm Zellulose sowie Dreifach- Isolierverglasung im ganzen Haus. Dazu installierten sie eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung. Mit dem Umbau strebten die Eigentümer einen Minergie-P-Standard an.

Energielieferant Holzschopf

Knapp 10 Jahre nach der Totalsanierung wollten Kneubühls einen Schritt weiter in Richtung Autarkie gehen. Dafür liessen sie 2018 auf dem Dach des Holzschopfes eine Photovoltaikanlage errichten. Auf Süd- und Norddach befinden sich heute je 15 Solarmodule, was einer Fläche von insgesamt 109 m2 bzw. 15,8 kWp entspricht. Der Jahresertrag der PV-Anlage liegt bei 16 000 kWh. Davon wurden letztes Jahr rund 13 600 kWh ins Stromnetz zurückgespiesen (vgl. Tabelle unten). «Im vergangenen Jahr haben wir zu 44 Prozent selbstproduzierten Strom genutzt », sagt die Architektin. «Das ist erfreulich und kommt unserem Ziel nahe, den Strom möglichst dort zu verbrauchen, wo er auch produziert wird.»

Eigenstrom verbrauchen, wenn die Sonne scheint

Die PV-Anlage auf dem Holzschopf generiert dann am meisten Strom, wenn die Sonne scheint, also tagsüber. Entsprechend muss die 4-köpfige Familie auch ihr Nutzerverhalten anpassen. Der Geschirrspüler läuft nicht mehr abends oder in der Nacht, wenn der externe Strom am billigsten ist. Heute schalten sie ihn am Tag ein, wenn die Sonnenkollektoren am meisten Energie gewinnen.

Das Nutzerverhalten ist auch beim Laden des Elektroautos, das die Eigentümer vor wenigen Wochen gekauft haben, entscheidend. «Unter der Woche schliessen wir das Auto über Mittag jeweils für eine Stunde an», so Judith Kneubühl. Während des einstündigen Zmittags laden sie das Fahrzeug in der Garage mit 10 kWh Solarstrom auf. Für die Architektin und Energieberaterin war klar: Wenn sie sich beim neuen Familienauto für ein Elektrofahrzeug entscheiden, muss dieses mit eigenem Solarstrom geladen werden. Damit versuchen Kneubühls, die Emissionen der Elektrobatterie-Herstellung zu kompensieren.

An den restlichen Wochentagen kann das Fahrzeug auch mal neun Stunden am Strom angeschlossen sein. So viel Zeit braucht es für eine Vollladung bei einer Ladeleistung von 10 kW. Lädt man lediglich mit 5 kW, erhöht sich die Dauer auf 17 Stunden. Die Batteriekapazität des neuen Elektroautos beträgt 95 kWh. Eine vollgeladene Batterie hat eine Reichweite von 413 km – immer abhängig vom Fahrverhalten und davon, ob Klimaanlage oder Heizung eingeschaltet sind.

Steuerung für den Solarstrom

«Momentan machen wir uns Gedanken, welche Steuerung wir für den Eigenverbrauch unseres Solarstroms einsetzen sollen», sagt die Architektin. Eine solche fehle ihnen noch. Haushalt und Auto sollen in Zukunft möglichst effizient mit selbstproduziertem Strom versorgt werden. Ein intelligentes System kann Verteilung und Ladeleistung kontrollieren. Bei den Steuerungen tue sich derzeit viel. Das Eigentümerpaar wird sich deshalb von einem Elektriker beraten lassen. Eine intelligente Steuerung zu finden, die zu ihrer Solaranlage und den Verbrauchern im Haushalt passt, ist das Ziel.

413 km Reichweite hat die Batterie, wenn sie «mit Sonne vollgetankt» wurde.

Wechselrichter PV-Anlage und der Haushaltsstrom-Kasten.

WEITERE INFOS UMBAU UND E-MOBILITY

Weitere Informationen zur energetischen Sanierung des Bauernhauses erhalten Sie bei kneubühl architektur gmbh: www.kneubuehl-architektur.ch 

Ratgebeber technische Installation Einen Ratgeber für die Installation von Ladesystemen für E-Fahrzeuge können Sie unter www.emobility-schweiz.ch herunterladen.

Wissenswertes über E-Mobilität, Reichweite und Nachhaltigkeit liefert auch die Plattform «e-hub»: www.e-hub.swiss