• Vom funktionalen Bad zur ästhetischen Erholungsoase

Vom funktionalen Bad zur ästhetischen Erholungsoase

12.11.2020 PHILIPP DREYER, Journalist, Zürich

Eine durchdachte Raumaufteilung ist das A und O und der erste Schritt bei der Planung des Badezimmers. Wesentlich bei einer modernen Badarchitektur ist zudem das Zusammenspiel aus Funktionalität und Ästhetik. Vieles ist machbar – unabhängig davon, ob das Badezimmer klein oder gross ist.

Normalerweise beginne und ende der Tag im Bad. Umso wichtiger sei es, dass es in diesem Lebensraum stimmig zu und her gehe, so Marc Schneuwly, Geschäftsführer der Firma Bad + Architektur GmbH mit Sitz in Bern.

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass das Badezimmer einer der anspruchsvollsten Räume bei der Planung des Eigenheims ist. Der erste Schritt der Planungsphase ist die richtige Aufteilung des Bades. Eine gut durchdachte Raumaufteilung bietet zahlreiche Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten – besonders auch bei kompakten Badgrundrissen. Grundsätzlich ist es ratsam, das WC vom Bad räumlich zu trennen. Das spart nicht nur eine zusätzliche Gästetoilette, sondern verhindert auch, dass sich Bad- und Toilettennutzer in die Quere kommen. Besonders in kleinen Bädern sorgt eine separate Toilette für mehr Flexibilität.

  

Bilder: Talsee

Funktionalität und Ästhetik

Das Zusammenspiel zwischen Funktion, Komfort und Design ist zentral in der modernen Badarchitektur. Und Licht ist ein wesentlicher Bestandteil des Raumkonzepts für ein stimmungsvolles Bad. Das Bad wird heute immer häufiger als Wohlfühloase angepriesen. «Dabei wird das wichtigste Element im Bad, das Licht, vielfach vergessen», sagt Marc Schneuwly. «Stimmt die Beleuchtung nicht, kommt ein schönes Bad schlecht zur Geltung. Gerade durch indirektes Licht beispielsweise lässt sich viel Stimmung schaffen.»

  

Bilder: Viterma

Auch der Anordnung der Sanitärobjekte kommt eine wichtige Bedeutung zu. Vor allem in kleinen Bädern ist es wichtig, die einzelnen Bereiche und Sanitärobjekte so anzuordnen, dass einerseits die wenigen Quadratmeter optimal ausgenutzt werden können, andererseits das Bad auch auf kleinem Raum genügend Komfort bietet. Die Sanitärobjekte wie Badewanne, Dusche, WC und Waschbecken sollten möglichst einheitlich gestaltet werden oder zumindest die gleiche Farbe haben, damit das Bad Ruhe ausstrahlt und sich ein harmonisches und stimmiges Gesamtbild ergibt. Hierfür ist es jedoch nicht nötig, dass alle Objekte vom gleichen Hersteller stammen.

  

Bilder: Badewelten, Loosli

Vorgefertigtes Raummodul

Eine weitere Möglichkeit, ein Bad zu planen, ist das Modulbad. Dieses wird als fertige Nasszelle in hölzerner Leichtbauweise konzipiert und als ein Raummodul vollständig vorgefertigt, beim Aufrichten des Gebäudes eingesetzt oder danach eingeschoben. «Bei Modulbädern gibt es keine Standardnasszelle», sagt Marc Schneuwly. Die Organisation müsse stets mit den Planern und den Nutzern ausgearbeitet werden. «Materialmässig schauen wir hier auf einfache, kostengünstige und langlebige Materialien, die einfach sauber zu halten sind und verbaut werden können.» Die Vorteile eines Modulbades sieht der Badplaner darin, dass die hinterlüftete Wandverkleidung aus einem Guss eingebaut werden kann und langfristig unterhaltsfrei ist. Der Aufbau eines Modulbades erlaube zudem eine Reihe neuer Gestaltungsmöglichkeiten mit einer Vielzahl möglicher Materialien. Der Boden besteht dabei aus einem durchgehenden Material wie Kautschuk oder auch Feinsteinzeug, also keramische Fliesen, mit sehr geringer Wasseraufnahme. Die Wände sind immer auf einem Rost montiert und somit demontier- und auswechselbar.

  

Bilder: Kaldewei

Den Wünschen der Benutzer anpassen

Eines ist klar: Das Badezimmer der Zukunft wird sich immer mehr den Bedürfnissen und Wünschen der Benutzer anpassen. Einen Trend beobachtet der Badplaner darin, dass sich die Bauherrschaft bei einem Neubau keine geplättelte Wand mehr anschauen, sondern den Blick ins Grüne schweifen lassen möchte. «Bedingung dafür ist allerdings ein Bad, das fassadenseitig liegt.» Besonders bei älteren Häusern befinde sich das Bad oft nicht an der Aussenhülle, was sich auch bei einem Umbau nicht unbedingt ändern lasse. Hierfür hat Architekt Schneuwly eine Lösung parat: «Eine Badlandschaft kann auch mit einem Durchblick in einen Innenraum vielversprechend gestaltet werden.» Mitten in einem ausgebauten Estrich in einem Wohnhaus in Bern hat er ein Bad hinter Glas geschaffen, von dem aus die Bewohner nach drinnen wie draussen schauen können. Entscheidend hierfür ist eine gute Planung. Im Hinblick auf altersgerechtes Wohnen ist auch die Barrierefreitheit wichtig. Ein Bad ohne Schwellen ist dabei nur Teil dieses Konzeptes. In der Höhe veränderbare Badmöbel, eine grosszügige räumliche Gestaltung sowie eine gute Ausleuchtung werden zum Standard gehören.

Eine Frage stellen sich Badplaner oft: Wie gelingt es, effizient mit unseren Ressourcen umzugehen und gleichzeitig den Ansprüchen an Design und Komfort gerecht zu werden? Eines ist klar: Die Smarthome-Technik wird auch vor der Badplanung nicht haltmachen. Das Bad wird durch die Digitalisierung der Haustechnik zu einem Bestandteil des Smarthomes. Die vernetzten Sensoren messen beispielsweise Aussentemperatur und Helligkeit, regeln automatisch das Licht und die Temperatur im Bad.

  

Bilder: Duscholux

Mehr Sicherheit durch smarte Techniken

Zusätzlich können digitale Techniken mehr Sicherheit schaffen. Beispielsweise dadurch, dass die maximale Temperatur des Wassers automatisch begrenzt wird, damit man sich die Hände nicht verbrüht. Oder indem beim Auffüllen der Badewanne das Wasser mit der genauen Wunschtemperatur automatisch beim gewünschten Füllstand gestoppt wird. Dadurch hilft das Bad der Zukunft auch, wertvolle Ressourcen zu schonen und Wasser zu sparen. Wasser wird auch dadurch gespart, dass der Verbrauch permanent überwacht und der Wasserdurchlauf optimiert wird. Die digitale Technik verhindert ebenso, dass Wasser unabsichtlich zu lange läuft. Und sie sorgt dafür, dass, sobald sich niemand mehr im Bad befindet, das Licht von selbst ausgeht. Das Bad der Zukunft soll diesen Ansprüchen über Generationen hinweg gerecht werden und den individuellen Bedürfnissen wie auch den ökologischen Standards entsprechen. Dies unabhängig davon, ob es sich um einen Neubau oder um ein Umbauprojekt handelt.

  

Bilder: Fust