• Umnutzen und bewohnen

Umnutzen und bewohnen

11.04.2019 MORRIS BREUNIG, dipl. Architekt FH, Faktor Journalisten, Zürich

Sanieren und Umbauen – Ein Kellerausbau schafft neuen Wohnraum. Die Umbaumassnahmen orientieren sich an der Nutzungsform. Die richtige Abdichtung schützt Gebäudehülle und Innenräume vor Feuchtigkeit.

Ist der Wohnraum knapp, wird neben dem Dachgeschoss häufig der Keller umgebaut. Die Nutzungsvarianten wie Hobby-, Fitnessoder Partyraum sind vielfältig und bestimmen unter anderem die Umbaumassnahmen für Schall- oder Wärmeschutz.

Ausgangszustand beurteilen

Meist scheitert ein Kellerumbau bereits am fehlenden Platz. Die lichte Raumhöhe sollte im fertigen Zustand rund 2,30 Meter betragen. Ein unausgebauter Keller hat in der Regel nur einen Überzug als Bodenbelag. Der neue Fussbodenaufbau verringert die Raumhöhe folglich. Die Vergrösserung des Kellerraumes ist zudem oft teuer und aufwendig.

Massnahmen abhängig von der Nutzung

Soll eine separate Wohneinheit entstehen, ist ein zusätzlicher Eingang notwendig. Zudem brauchen die Innenräume ausreichend Tageslicht. Wenn die Gebäudeseiten nicht durch Pflanzen oder andere Gebäude beschattet werden, helfen vergrösserte oder neue Fensteröffnungen, den Tageslichtanteil zu erhöhen. Befinden sich die bestehenden Fenster auf der Gartenseite, können mit einem Absenken des Gartenniveaus höhere Fenster eingebaut werden. In die Decke eingelassene LED beleuchten die Innenräume zusätzlich. Verkleidungen verstecken offenliegende Leitungen. Je nach Zustand können sie im Zuge der Umbaumassnahmen auch erneuert werden. Ist im Keller ein neues Bad oder WC geplant, braucht es Wasser- und Abwasserrohre. Auch an einen Stromanschluss und eine ausreichende Steckdosenanzahl sollte gedacht werden.

Über Wärmedämmung entscheiden

Kellerräume sind in der Regel ungenügend gedämmt. Weil die Aussenwände überwiegend im Erdreich liegen, kühlt der Keller zudem schnell aus. Um den Wohnraum je nach Nutzung auch wintertauglich zu machen, ist eine entsprechende Aussenwärmedämmung notwendig. Eine Innenwanddämmung kann ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Angestaute Feuchte im Mauerwerk kann Schimmelbildung verursachen. Deshalb sollte regelmässig gelüftet und auch im Winter die Heizung nie vollständig abgestellt werden.

Gesetzliche Vorschriften beachten

Statische Veränderungen wie das Wegreissen einer Innenwand sollten von Fachleuten geprüft werden. Bereits kleine Eingriffe wie eine neue Türöffnung können die Tragstruktur beeinflussen. Wird ein Planungsbüro mit dem Umbau beauftragt, kann es die Antragsstellung übernehmen. Die individuellen Gegebenheiten und die gewünschte Nutzung bestimmen die Höhe der Kosten für einen Kellerumbau. Vergleichsofferten helfen bei der Auswahl des Bauunternehmens.

Nutzungsänderungen benötigen in der Schweiz stets eine Genehmigung. Das Baudepartement der jeweiligen Gemeinde informiert über die einzureichenden Dokumente für die Baubewilligung. Diese enthalten unter anderem Vorgaben zu Raumhöhen oder Belüftung.

Richtig abdichten

Wird der Keller als Wohnraum genutzt, ist die Abdichtung der Gebäudehülle besonders wichtig. Hinsichtlich der Abdichtungsmethoden unterscheidet man zwischen:

  • Weisse Wanne: Befindet sich der Keller im drückenden Wasser, kommt eine «weisse Wanne» mit wasserundurchlässigem Beton (WUBeton) zur Anwendung. Statt Bewegungsfugen werden in den Beton Sollbruchstellen eingesetzt. Die Fugen zwischen Boden und Wand sowie zwischen den Wandscheiben sind mit Dichtungen zu versehen.
  • Schwarze Wanne: Drückt kein Grundwasser auf die erdberührenden Bauteile des Kellers, wird eine «schwarze Wanne» ausgebildet. Der Name geht auf die schwarzen Bitumenabdichtungen zurück, die zur äusseren Abdichtung der Wände und unter der Bodenplatte verwendet werden.

Die Gebäudeabdichtung kann im Falle eines Hochwassers auch zum Schutz der Innenräume beitragen.

Überschwemmungen verhindern

Starkregen und mögliche Überschwemmungen können das Gebäude auf die Probe stellen. Wie hoch das Gefährdungspotenzial tatsächlich ist, zeigen Gefahrenkarten. Trotzdem kann Hochwasser auch Gebiete mit geringer Gefährdung erreichen. Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF gibt im Merkblatt «So schützen Sie Gebäude gegen Überschwemmung, Hochwasser und Oberflächenwasser » Empfehlungen:

  • Oberkanten von Lichtschächten über der Stauebene anordnen und die Abläufe an die Kanalisation anschliessen;
  • Notwendige Öffnungen schützen, indem Lichtschächte und Schwellen erhöht werden. Zudem müssen Fenster, Türen, Leitungsöffnungen und Leitungsdurchführungen wasserdicht ausgebildet und verstärkt werden;
  • Eine Tauchpumpe mit Notstromanschluss kann vor Leckwasser schützen;
  • Gebäudehülle abdichten und Öffnungen im Gefahrenbereich wasserdicht verschliessbar ausbilden;
  • Automatische Rückstauklappen oder manuelle Rückstauschieber schützen vor eindringendem Wasser aus der Kanalisation;
  • Gelände anpassen, indem das Terrain vom Gebäude abfallend gestaltet wird. Garageneinfahrt und Eingangsbereiche erhöhen und auf natürlichen Wasserabfluss achten;
  • Schutzmauer oder Schutzdamm errichten;
  • Haustechnik und Geräte wie Waschmaschine oder Trockner oberhalb der Überschwemmungszone platzieren;
  • Wohnräume nicht im gefährdeten Gebäudebereich platzieren;
  • Öltank verankern, um ein Aufschwimmen zu verhindern.