• Treibhausgase im Gebäudebereich bereits massiv gesunken

Treibhausgase im Gebäudebereich bereits massiv gesunken

15.04.2021

Politik – Mit dem neuen CO2-Gesetz sollen neue Vorgaben zur Senkung der Treibhausgase eingeführt werden. Auch der Gebäudebereich ist stark betroffen, obwohl dieser seine Ziele bisher immer erreicht hat.

Als Ende 2011 das geltende CO2-Gesetz in Kraft trat, legte der Bund diesem ein generelles Absenkziel von 20 Prozent der Treibhausgase bis 2020 gegenüber 1990 zugrunde. In der dazugehörenden Verordnung setzte der Bundesrat zudem einzelne Zwischenziele bis 2015 fest für die drei Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie. Bereits damals wurde dem Gebäudebereich mit einer Absenkleistung von minus 22 Prozent die vergleichsweise grösste Last aufgebürdet. Der Gebäudebereich übertraf dieses Zwischenziel 2015 aber mit einer effektiven Senkung von 26,8 Prozent deutlich. Vier Jahre später, im Jahr 2019, lag die Senkung dann bereits bei bemerkenswerten 34,5 Prozent. Damit hat der Gebäudebereich die für ihn festgelegten Ziele mehr als deutlich übertroffen und einen überproportionalen Beitrag an die bisherige Gesamtreduktion der Treibhausgase geleistet.

Verschärfte Ziele im neuen Gesetz sind nicht gerechtfertigt

Das höhere Sektorziel für den Gebäudebereich und die Tatsache, dass die CO2-Abgabe einzig für Brennstoffe eingeführt wurde, unterstreichen, dass der Gebäudebereich bereits im bisherigen Gesetz erheblich stärker belastet wurde als die übrigen Sektoren. Der Grund dafür? Beim Gebäudesektor geht dies deutlich einfacher als bei anderen Sektoren: Er ist der einzige Sektor, der seine Produktion weder nach Übersee verlagern kann (wie die Industrie) noch die Möglichkeit hat, den (Heizöl-)Tank im angrenzenden Ausland zu füllen wie Motorfahrzeuge des Sektors Verkehr.

Unverständlich und absolut einseitig ist aber, dass im neuen CO2-Gesetz wiederum nur für den Gebäudebereich bereits auf Gesetzesebene sektorielle Ziele festgehalten werden sollen. Bis 2026/27 müsste danach im Gebäudebereich der heutige, bereits überproportional reduzierte Treibhausgasausstoss nun nochmals halbiert werden. Die übrigen Sektoren werden erneut wesentlich weniger stark belastet. Für die spürbar geringere Last wird dem Verkehr und der Industrie zudem deutlich mehr Zeit gewährt, um die Ziele zu erreichen, nämlich bis zum Jahr 2030.

Dass eine weiterhin einseitige und überproportionale Belastung des Gebäudesektors nicht zu rechtfertigen ist, belegt der Blick auf die bisherigen Leistungen. Der regelmässige und langfristige Absenktrend ist seit 2005 klar erkennbar. Mit einer Fortsetzung der Reduktion im bisherigen Tempo wird der Gebäudebereich bis ins Jahr 2050 seinen Treibhausgasausstoss auf Netto-Null senken, ohne dass es dazu weitere Zwangsmassnahmen braucht. Die bisherigen Massnahmen reichen dazu absolut aus.

Die vom neuen CO2-Gesetz verlangte schnellere Absenkung und die damit verbundene massive Erhöhung der Erneuerungsrate entsprechen nicht den Investitions- und Lebensdauerzyklen der Bauteile im Gebäudebereich. Etliche Installationen haben Lebenszyklen von 50 und mehr Jahren. Bereits heute investieren Immobilieneigentümer Jahr für Jahr rund 20 Milliarden Franken in den Unterhalt und die Erneuerung ihrer Liegenschaften. Die meisten dieser Massnahmen haben auch einen positiven Einfluss auf den Energieverbrauch und tragen zu Treibhausgassenkungen bei. Eine Forcierung der Sanierungstätigkeiten kann im verlangten Zeitraum weder von der Eigentümerseite finanziell gestemmt noch von der Baubranche volumenmässig verarbeitet werden.

Anreize statt Verbote

Als Reaktion auf die Einführung der CO2-Abgabe auf Brennstoffe hat das Parlament 2009 die vom HEV befürwortete Motion Hegetschweiler angenommen. Diese sah vor, dass ein Teil der Abgaben zweckgebunden für Gebäudeerneuerungen eingesetzt wird. Die daraus entstandene sogenannte Teilzweckbindung sorgt noch heute dafür, dass jährlich bis zu 450 Millionen Franken in das Gebäudeförderprogramm des Bundes fliessen. Ergänzende Fördermassnahmen der Kantone für energetische Massnahmen an Gebäuden verstärken das Programm zusätzlich.

Freiwillige Ansätze wie diese bewirken deutlich mehr als unzählige Vorschriften und Verbote. Ein Beispiel: Wurden zu Beginn des Gebäudeprogramms Fenster mit einer 3-fach-Isolierverglasung noch speziell gefördert, haben sich diese inzwischen zum gängigen Standard etabliert. Solche Fenster sind heute auch nicht mehr teurer als eine herkömmliche 2-fach-Isolierverglasung. Somit haben die Fördermassnahmen einen klar erkennbaren und zugleich langfristigen Nutzen weit über die eigentliche zeitliche Dauer hinaus bewirkt.

Der HEV Schweiz befürwortet und bevorzugt den erfolgreich eingeschlagenen Weg von freiwilligen Massnahmen. Diese lösen sowohl auf der Investorenseite wie auch in der Baubranche positive Effekte aus und haben eine langfristig klimaschonende Wirkung.

Das am 13. Juni zur Abstimmung gelangende CO2-Gesetz hingegen überspannt den Bogen. Insbesondere Wohneigentümer – und dabei vor allem die ältere Generation – werden finanziell überfordert. Deshalb sagt der HEV Schweiz Nein zu diesem CO2-Gesetz.

Alle relevanten Informationen zur Abstimmung vom 13. Juni 2021 und die Gründe gegen das neue CO2-Gesetz.

Nein zu diesem CO2-Gesetz – die Hauseigentümer leisten bereits genug

Der HEV Schweiz bekennt sich zur Energiestrategie und zu den Bestrebungen des Bundesrates, den Gesamtenergiebedarf zu senken und den Treibhausgasausstoss zu reduzieren. Die nun vorliegende Totalrevision des CO2-Gesetzes zeigt sich aber einseitig und schlägt ein Tempo an, das nicht mit den Erneuerungszyklen im Gebäudebereich vereinbar ist. Die Hauptkritik des HEV gilt folgenden Punkten der Gesetzesvorlage:

  • Geforderter Zielwert von minus 50 Prozent bis 2026 / 27. Dies, obwohl der Gebäudebereich bisher die grössten Absenkerfolge erzielt und die für ihn gesteckten Ziele deutlich übertroffen hat.
  • Der Fokus dieses CO2-Gesetzes ist zu einseitig auf die Treibhausgas-Reduktion ausgerichtet. Der damit verbundene steigende Strombedarf wird ausgeblendet.
  • Der neue CO2-Grenzwert ab 2023 bedingt bei 75% der Gebäude bei einem Heizungsersatz umfangreiche zusätzliche Massnahmen und damit verbundene Investitionen.
  • In Abhängigkeit des einzelnen Objektes können sich die Kosten für einen Heizungsersatz vervielfachen. Anstatt bisher rund 25000 Franken kann ein Heizungsersatz infolge zusätzlich erforderlicher Massnahmen rasch das Drei- bis Fünffache kosten.
  • Bereits heute werden Jahr für Jahr rund 20 Milliarden Franken in den Gebäudeunterhalt investiert und damit zahlreiche Energieeffizienzmassnahmen umgesetzt.

Das Gesamtfazit des HEV Schweiz für die vorliegende Totalrevision des CO2-Gesetzes, über die am 13. Juni 2021 abgestimmt wird, lautet: zu einseitig, zu schnell, zu tiefgreifend und damit für viele Wohneigentümer zu teuer und finanziell nicht tragbar.