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  • Steuerfolgen für Wohneigentümer bei Scheidung oder Trennung

Steuerfolgen für Wohneigentümer bei Scheidung oder Trennung

14.10.2021 PHILIPP KOMOR, Dr. iur., Rechtsanwalt und Partner bei SOLVAS Advokatur Notariat Mediation, Bern

Wer kann die mit dem Grundstück zusammenhängenden Aufwendungen einkommenssteuerlich geltend machen und wie sind die Einkünfte aus der ehemals gemeinschaftlich bewohnten Liegenschaft im Fall einer Scheidung bzw. Trennung zu verteilen? Die Ausführungen zu den Ehegatten gelten gleichermassen für Konkubinate, entsprechend gelangen die nachstehenden Grundsätze auch bei Konkubinatspaaren zur Anwendung.

Erfolgte der Erwerb einer Liegenschaft durch verheiratete oder im Konkubinat lebende Personen, besteht oftmals Miteigentum an diesen Liegenschaften. Bei gemeinsam besteuerten Ehegatten führt die steuerliche Erfassung solcher Liegenschaften in der Regel zu keinen besonderen Problemen. Anders sieht es jedoch im Fall einer Scheidung bzw. Trennung aus. Der vorliegende Beitrag geht insbesondere der Frage nach, wer die mit dem Grundstück zusammenhängenden Aufwendungen einkommenssteuerlich geltend machen kann und wie die Einkünfte aus der ehemals gemeinschaftlich bewohnten Liegenschaft im Fall einer Scheidung bzw. Trennung zu verteilen sind.

Steuerliche Situation während der Ehe

Befindet sich bei einer Ehe die Liegenschaft im gemeinschaftlichen Eigentum und wohnen beide Ehegatten in der Liegenschaft, haben die Ehegatten den anteiligen Eigenmietwert zu versteuern. Massgebend ist hierbei die Eigentumsquote gemäss Grundbuch. Gleich verhält es sich mit dem Abzug der Liegenschaftsunterhaltskosten. Demzufolge können die Ehegatten die anteiligen Kosten gemäss der im Grundbuch eingetragenen Eigentumsquote zum Abzug bringen. Auch wenn der einkommensstärkere Ehegatte sämtliche Unterhalts-, Betriebs- und Verwaltungskosten trägt, kann er trotzdem nur die anteilsmässigen Kosten gemäss seiner Eigentumsquote vom Einkommen abziehen.

Steuerliche Situation im Fall einer Scheidung bzw. Trennung

Liegenschaft steht im Miteigentum beider Ehegatten: Die vorgenannten Besteuerungsgrundsätze gelten auch bei Überlassung einer im Miteigentum befindlichen Liegenschaft zum alleinigen Gebrauch bei einer Scheidung bzw. Trennung. Denn als abzugsfähige Liegenschaftskosten gelten nur Aufwendungen für die eigene Liegenschaft bzw. für den eigenen Liegenschaftsanteil. Durch gegenteilige Vereinbarung wird der darüber hinaus bezahlte Mehrbetrag nicht zu steuerlich abziehbarem Unterhalt. Vielmehr ist dies eine Leistung an den getrennten oder geschiedenen Ehegatten, die unter Umständen steuerlich relevant sein kann (Schenkung, Alimente / Unterhalt, Unterstützung).

Zur Verdeutlichung ist von folgendem Beispiel 1 auszugehen (vgl. Kasten unten): Die Ehegatten A und B trennen sich. A zieht aus der Liegenschaft aus, die je zu 50 % im Miteigentum von A und B steht. B wohnt fortan allein in der Liegenschaft. Jeder Miteigentümer versteuert grundsätzlich 50 % des Eigenmietwerts (Total Fr. 18 000.–). A kann allerdings 50 % des Eigenmietwerts (Fr. 9000.–) als Unterstützungsleistungen an B abziehen. B hingegen muss 50 % des Eigenmietwerts (Fr. 9000.–) als Unterstützungsleistungen von A versteuern. Im Ergebnis versteuert somit B 100 % des Eigenmietwerts. Es wird angenommen, B übernehme sämtliche Liegenschaftsunterhaltskosten (Total Fr. 10 000.–). In der Folge kann B 50 % des Liegenschaftsunterhalts als Eigentümer und 50 % des Liegenschaftsunterhalts als Unterstützungsleistungen an A abziehen. Somit kann B gesamthaft Fr. 10 000.– zum Abzug bringen. A hingegen muss 50 % des Liegenschaftsunterhalts (Fr. 5000.–) als Unterstützungsleistungen von B versteuern. Jedoch kann A gemäss seiner Eigentumsquote ebenfalls 50 % des Liegenschaftsunterhalts als Eigentümer abziehen. 

Beispiel 1: Steuerliche Situation im Fall einer Scheidung bzw. Trennung, wenn die Liegenschaft im Miteigentum beider Ehegatten steht:

Liegenschaft steht im Alleineigentum eines Ehegatten: Anders verhält es sich hingegen, wenn die Liegenschaft im Alleineigentum eines Ehegatten steht. Ist der ausziehende Ehegatte Alleineigentümer und hat der im Haus verbleibende Ehegatte für die Nutzung nichts zu bezahlen, handelt es sich um ein sogenanntes unentgeltliches Nutzungsrecht. Aus steuerrechtlicher Sicht wird diese Situation wie eine Gebrauchsleihe angesehen. Der Eigentümerehegatte als Verleiher kann nicht mehr zur Steuerpflicht herangezogen werden und hat dementsprechend auch keinen Eigenmietwert zu versteuern. Demgegenüber hat der im Haus unentgeltlich verbleibende Ehegatte als Entlehner den Eigenmietwert zu versteuern und kann korrespondierend hierzu die Liegenschaftsunterhaltskosten abziehen.

Wird allerdings das Haus eines Ehegatten in Anrechnung an die Alimentenzahlungen dem anderen Ehegatten zur Verfügung gestellt, ist von der Entgeltlichkeit des Nutzungsrechts auszugehen. Diesfalls hat der ausziehende Eigentümerehegatte konzeptionell den Eigenmietwert zu versteuern, darf aber einen dem Eigenmietwert entsprechenden Betrag als Zahlung von Alimenten steuerlich zum Abzug bringen. Als für den Eigenmietwert Steuerpflichtiger kann er zudem Liegenschaftsunterhaltskosten abziehen. Auf der anderen Seite hat der nutzungsberechtigte Ehegatte in Form einer Naturalleistung (Nutzung des Hauses) einen dem Eigenmietwert entsprechenden Betrag als Einkommen aus Alimenten zu versteuern. Wirtschaftlich gesehen hat auch hier der im Haus wohnhafte Ehegatte den vollen Eigenmietwert in Form von Alimenteneinkommen zu versteuern. 

Allerdings kann der nutzungsberechtigte Ehegatte, der für den Eigenmietwert nicht steuerpflichtig ist, keinen Abzug für Liegenschaftsunterhaltskosten machen. Übernommene Liegenschaftsunterhaltskosten können aber zu einer Reduktion des Alimenteneinkommens führen, indem sie von diesem in Abzug gebracht werden können.

Zur Illustration ist von folgendem Beispiel 2 auszugehen (vgl. Kasten unten): Die Ehegatten A und B trennen sich. A zieht aus der Liegenschaft aus, die zu 100 % in seinem Eigentum liegt. In Anrechnung an seine Alimentenzahlungen stellt A dem Ehegatten B die Liegenschaft zur Verfügung und tätigt Liegenschaftsunterhaltskosten in der Höhe von Fr. 2000.–. B wohnt fortan allein in der Liegenschaft und trägt seinerseits Liegenschaftsunterhaltskosten von Fr. 1000.–. Folglich handelt es sich um ein entgeltliches Nutzungsrecht und A hat 100 % des Eigenmietwerts von Fr. 5000.– zu versteuern. Allerdings kann er in der Höhe des Eigenmietwerts Alimentenzahlungen in Abzug bringen, also Fr. 5000.–. Hinzu kommt, dass A noch die Liegenschaftsunterhaltskosten von Fr. 2000.– abziehen kann. B als nutzungsberechtigter Ehegatte hat einen dem Eigenmietwert entsprechenden Betrag von Fr. 5000.– als Alimenteneinkommen zu versteuern. B kann keine Liegenschaftsunterhaltskosten geltend machen, da er nicht für den Eigenmietwert steuerpflichtig ist. Allerdings kann B die von ihm übernommenen Liegenschaftsunterhaltskosten von Fr. 1000.– von seinem Alimenteneinkommen in Abzug bringen. Somit beträgt das von B zu versteuernde Einkommen aus Alimenten Fr. 4000.–.

Beispiel 2: Steuerliche Situation im Fall einer Scheidung bzw. Trennung, wenn die Liegenschaft im Alleineigentum eines Ehegatten steht.

Fazit

Nach dem Gesagten dürfte feststehen, dass im Fall einer Scheidung bzw. Trennung relativ heikle Steuerfragen in Bezug auf eine Liegenschaft zu beantworten sind. Um fiskalische Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich daher, in einem Scheidungs- bzw. Trennungsverfahren nicht nur das Zivilrecht zu berücksichtigen, sondern sich auch frühzeitig mit den steuerlichen Auswirkungen zu befassen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen.