• Stellenverlust vor Pensionierung – das sind die Folgen

Stellenverlust vor Pensionierung – das sind die Folgen

26.11.2020 SVEN PFAMMATTER, Bereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Vorsorge – Die EL-Reform ermöglicht Personen, die nach 58 ihre Stelle verlieren, eine Weiterversicherung in der PK.

Trotz Staatshilfe und Kurzarbeit müssen einige Firmen Angestellte entlassen. Davon sind auch viele ältere Arbeitnehmer betroffen. Die Erfahrung zeigt: Wer mit 55 seine Stelle verliert, bleibt wahrscheinlich längere Zeit arbeitslos. Für die Altersvorsorge kann das gravierende Folgen haben.

In der beruflichen Vorsorge ist es bislang so, dass eine versicherte Person automatisch aus der Pensionskasse ausscheidet, wenn sie nach Vollendung des 58. Altersjahres ihre Stelle verliert. Die Pensionskasse überweist das Guthaben auf ein Freizügigkeitskonto, Freizügigkeitsdepot oder auf eine Freizügigkeitspolice. Entscheidend dabei: Ist die Stellensuche erfolglos, bleibt nur noch der Kapitalbezug. Die fehlende Möglichkeit einer Verrentung des PK-Guthabens hat einen erheblichen Einfluss auf die Pensionierungsplanung. 

Nur in wenigen Ausnahmefällen bieten Pensionskassen die Möglichkeit an, nach der Entlassung versichert zu bleiben. Im Zuge der Reform der Ergänzungsleistungen (EL-Reform), die per 1. Januar 2021 in Kraft tritt, wird sich das aber ändern. Denn ab dann müssen alle Pensionskassen den versicherten Personen, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres ihren Job verlieren und damit aus der obligatorischen Versicherung ausscheiden, die Möglichkeit der Weiterversicherung anbieten. Ein grosser Vorteil für die versicherte Person ist: Sie behält mit dieser Regelung ihre anwartschaftlichen Ansprüche auf einen Rentenbezug.

Das gilt es zu beachten:

  • Die versicherte Person bezahlt die Risikobeiträge und Verwaltungskosten selbst und kann diese vom steuerbaren Einkommen abziehen.
  • Auch Sparbeiträge für die freiwillige Altersvorsorge können vom Versicherten entrichtet werden.
  • Die Versicherung endet bei Erreichen des ordentlichen Rentenalters, oder wenn mehr als zwei Drittel der Austrittsleistung an eine neue Pensionskasse übertragen werden, oder wenn die versicherte Person die Versicherung kündigt.
  • Die Leistungen müssen als Rente bezogen werden, sofern man freiwillig länger als zwei Jahre der Pensionskasse angeschlossen bleibt. Das Guthaben kann nicht mehr für selbstbewohntes Wohneigentum vorbezogen oder verpfändet werden.
  • Einkäufe in die Pensionskasse sind bei der Weiterführung möglich. Es gelten die gleichen Regeln wie für Versicherte, die noch angestellt sind.
  • Ganz wichtig: Die Pensionskasse ist verpflichtet, die Versicherten über diese neue Möglichkeit zu informieren!

Vorbezug muss gut überlegt sein

Bei den meisten Pensionskassen kann man sich zwischen 58 und 60 vorzeitig pensionieren lassen. Die Rente wird dann meistens um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr gekürzt. Grund dafür sind die fehlenden Beitragsjahre und Zinsgutschriften. Auch muss die Rente länger ausbezahlt werden, weshalb die Pensionskassen den Umwandlungssatz tiefer ansetzen. Tiefer fallen zudem die Taggelder der Arbeitslosenversicherung aus, weil die Arbeitslosenkasse die Rente als Einkommen anrechnet.

Die AHV kann man ein oder zwei Jahre vor 64/65 beziehen. Bei einem Vorbezug um ein Jahr schrumpft die AHV-Rente jedoch um 6,8 Prozent, bei einem Vorbezug um zwei Jahre sind es 13,6 Prozent (siehe Tabelle). Meistens lohnt sich das nur, wenn man von einer verkürzten Lebenserwartung ausgeht. Viele Pensionskassen bieten eine Überbrückungsrente bis 64/65 an. In der Regel muss man diese aber selbst finanzieren oder sich zumindest an den Kosten beteiligen.