• So schützt man sich vor Einbrechern

So schützt man sich vor Einbrechern

25.06.2020 PHILIPP DREYER, Journalist, Zürich

Vergangenes Jahr fanden in der Schweiz durchschnittlich 100 Einbrüche pro Tag statt. Grund genug, sein Zuhause vor unerwünschten Besuchern zu schützen. Erschwert man es den Einbrechern, ins Haus zu gelangen, senkt man das Risiko eines Einbruchs. Zur Abschreckung und zur effektiven Verhinderung von Einbrüchen gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Dass Einbrecher nur bei Dunkelheit auftauchen, entspricht nicht der Realität. Die grosse Mehrheit aller Einbrüche in Privatwohnungen und Häuser wird tagsüber begangen. Weshalb? Weil dann die meisten Menschen nicht zu Hause, sondern bei der Arbeit, beim Einkaufen oder sonst unterwegs sind. Mit anderen Worten: Diebe wollen grundsätzlich nicht gesehen werden und auch niemandem begegnen. Aus diesem Grund scheuen sie Lärm und Aufwand – und wenn es dunkel ist – das Licht. Ihr Ziel ist, dass alles so schnell, so leise und so unauffällig wie möglich geschehen soll. Das ist auch der Grund dafür, dass der grösste Teil aller Einbrüche nicht wie im Film mit Schweissbrenner und Glasschneider verübt wird, sondern mit einfachen Hebelwerkzeugen wie einem Schraubenzieher. Dieser passt in jede Jackentasche.

Einbruchrisiko erheblich senken

Genau hier kann die Prävention ansetzen, rät die Schweizerische Kriminalprävention (SKP). Man solle alle Schwachstellen beseitigen, bei denen beispielsweise ein Schraubenzieher als Einbruchwerkzeug funktionieren könnte. Dadurch kann das Einbruchrisiko erheblich gesenkt werden. Mit einem Schraubenzieher lassen sich Türen ohne Zusatzsicherungen ziemlich leicht aufhebeln. Türenhersteller haben darauf reagiert und bieten unterschiedliche, als einbruchshemmend zertifizierte Türen zur Auswahl an. Mehrpunktverriegelungen erhöhen die Sicherheit eines Zugangs wesentlich.

Für Fenster gilt im Grund dasselbe wie für Türen. Sie werden von Einbrechern meist an ihren Schwachstellen aufgedrückt und aufgehebelt. Deshalb sollten sie mit speziellen Verriegelungen, sogenannten Pilzkopfzapfen, gesichert werden. Diese Mehrpunktverriegelungen sind in den umlaufenden Beschlägen eingebaut und lassen sich über den Fenstergriff einfach schliessen. Besonders wichtig ist, dass jeder Fenstergriff abschliessbar sein muss. Gekippte Fenster bieten keinen Einbruchschutz. Mit etwas Fingerfertigkeit und ohne Gewaltanwendung können Einbrecher diese öffnen, denn gekippte Fenster gelten als offene Fenster – übrigens auch versicherungstechnisch.

Wertsachen wie Schmuck, Uhren, Goldmünzen oder Wertpapiere gehören in einen Tresor. Dieser sollte über ein Schloss mit Zahlencode verfügen und im Mauerwerk verankert sein. So können Diebe ihn nicht abtransportieren und dann ohne Zeitdruck an einem anderen Ort öffnen.

Kamera-Attrappen zur Abschreckung

Mit einer Videoüberwachung lassen sich alle anderen Bereiche des Grundstücks überwachen. Sind Hausbesitzer zu Hause und entdecken im entscheidenden Moment den Einbrecher, können sie die Polizei rufen. Ist niemand zu Hause, dokumentiert die Videokamera lediglich einen Einbruch, der nicht zu verhindern war. Oft geht es beim Einbruchschutz einzig um Abschreckung. Neben Licht können noch weitere Mittel zum Einsatz kommen. Zur Abschreckung von Einbrechern ist das Installieren von Kamera-Attrappen eine sehr kostengünstige und effektive Variante. Wichtig dabei ist, dass man selbst aus der Nähe optisch keinen Unterschied zwischen einer echten Überwachungskamera und einer Kamera-Attrappe ausmachen kann. Die erhältlichen Überwachungskamera- Attrappen sind in den meisten Fällen nicht von echten Kameras zu unterscheiden. Details wie Betriebs-LED, in der Wand verschwindendes Kabel und originalgetreues Gehäuse wirken sehr echt.

Obwohl die meisten Einbrüche tagsüber stattfinden, darf das Thema Beleuchtung nicht unterschätzt werden. Ein Haus, das an mehreren Abenden vollständig dunkel bleibt, signalisiert einem Einbrecher, dass es momentan unbewohnt ist. Hier kommen Zeitschaltuhren zum Einsatz. Sie beleuchten mehrere Räume des Hauses automatisch und in unregelmässigen Zeitabständen. 

Ebenfalls als Abschreckung dienen Bewegungsmelder. Sobald jemand das Grundstück betritt, werden auf allen Seiten des Hauses helle, sogenannte Schockbeleuchtungen aktiviert. Zur weiteren Ergänzung einer Einbruchsicherung zählen Alarmanlagen. Diese erkennen und melden, wenn unbefugte Personen sich Zutritt in eine Liegenschaft verschaffen wollen.

Damit Alarmanlagen einwandfrei funktionieren, wird jedoch viel Fachwissen und Erfahrung benötigt. Um alle Faktoren auszuschliessen, die einen Fehlalarm im Haus auslösen können – dazu zählen auch die Bewegungen von Haustieren –, erfasst ein Sicherheitskonzept die exakten Abläufe. Bei Alarmanlagen stellt sich immer die Frage, was passieren soll, wenn ein Alarm ausgelöst wird. Ein ohrenbetäubender Alarm schlägt vielleicht die Einbrecher in die Flucht. Am häufigsten bevorzugen Eigenheimbesitzer einen stillen Alarm. Er wird in einer Alarmzentrale empfangen und aktiviert einen Polizeieinsatz.

Aber kaum eine dieser Massnahmen alleine erhöht den Einbruchschutz signifikant. Ein Einbruch sei für einen Einbrecher wie ein Hürdenlauf, meinen die Experten der Schweizerischen Kriminalprävention. Muss der Dieb nur eine oder zwei Hürden überwinden, wird er den Einbruch wohl wagen. Stehen ihm zahlreiche Hindernisse im Weg, auf die er erst während des Einbruchs stösst, wird er sich den Einbruch nochmals überlegen, beziehungsweise das Unterfangen abbrechen. Nichts scheut der Eindringling mehr als Zeitaufwand, Lärm und umständliches Werkzeug.

Unterstützung durch Sicherheitsexperten

Auf der Website der Schweizerischen Kriminalprävention gelangen Sie an die Sicherheitsexperten Ihrer Kantonspolizei. Lassen Sie an Ihrem Objekt eine Schwachstellenanalyse durchführen, um ein Einbruchrisiko entscheidend zu vermindern. www.skppsc.ch/de/kontakt-zur-polizei/ 

Die Kantonspolizei Zürich führt mobile Präventionskampagnen durch, um die Bevölkerung für das Thema Einbruch zu sensibilisieren. Mehr dazu auf: www.kapo.zh.ch/praevention 

Ziel des Vereins «Sicheres Wohnen Schweiz (SWS)» ist es, die Bevölkerung für die Bedeutung des Einbruchschutzes zu sensibilisieren und sie auf dem Weg zum sicheren Wohnen fachkundig zu begleiten. www.sicheres-wohnen-schweiz.ch