• Schöner Schein

Schöner Schein

25.11.2021 ANDREA ESCHBACH, Journalistin

Leuchtentrends – Die Tage sind kürzer geworden, und wir machen es uns drinnen gemütlich. Was dabei nicht fehlen darf: stimmungsvolles Licht. Diese Farben, Formen und Materialien gehören zu den Trends bei Leuchten.

Sie sind charmante Eroberer: Die neuen Designobjekte, die Luca Nichetto für das chinesische Label Stellar Works entworfen hat, sind so farbenfroh wie funktional. Die «Space Invaders» kombinieren leuchtendes Muranoglas mit skulpturalem Massivholz und minimalistischem Metallrahmen. Zur Kollektion zählen unter anderem die Tisch- und Stehlampen «Dhala» sowie «Hoba», eine Mischung aus Beistelltisch und Leuchte. Der italienische Designer sagt über die Kollektion: «Space Invaders sind ein perfektes Beispiel für meine Mission, die Schönheit in der Funktion zu zeigen.»

Minimalistische Eleganz im Japandi-Stil
In dieser Saison schicken sich zahlreiche neue Leuchten an, unser Zuhause zu erobern. Ganz im Trend, wie auf Messen wie dem «Supersalone » im vergangenen September in Mailand zu sehen war, liegt derzeit der Japandi-Stil. Dieser Einrichtungsstil zelebriert die Liebe zu Holz und Papier in Perfektion. Bei der Mischung aus skandinavischen und japanischen Stilelementen entfalten reduzierte Formen und dezente Naturtöne ihre Wirkung. So liess sich das Designstudio Space Copenhagen von traditionellen japanischen Papierlaternen inspirieren. Ihre Leuchtenkollektion «Unbound» für das dänische Label Gubi kombiniert einen grauen Marmorsockel mit einem drehbaren Stoffschirm. Auch das Designduo No-Made dachte bei seinem Entwurf «Kumo» für das deutsche Label Pulpo an Papierlaternen, aber auch an die Wolkenformationen im Himmel. Das weisse oder rauchfarbene mundgeblasene Glas sorgt für einen sanften Schein, der die LED-Lichtquelle im Inneren nur schwach sichtbar macht. So wie jede Wolke am Himmel einzigartig ist, so ist auch jedes Mitglied der Kumo-Familie ein Unikat.
Der dänische Hersteller Vipp lässt in der neuen «Paper Lamp»-Serie ebenso asiatische und skandinavische Handwerkskunst ineinander fliessen. Dünnes Papier spannt sich über ein Metallgitter, das von einem Ring aus massiver Eiche zusammengehalten wird. So entsteht ein besonders warmes, leicht gedämpftes Licht. «Ich habe die Gemeinsamkeiten zwischen dänischem und japanischem Design studiert und mich davon inspirieren lassen. Die beiden Kulturen liefern einander seit Langem Inspiration, » sagt Morten Bo Jensen, Chefdesigner bei Vipp.

Handwerk und Geometrie
Mundgeblasenes Glas ist diese Saison in allen Varianten zu sehen. So ist «Clam» eine Pendelleuchte aus mundgeblasenem Opalglas, deren Prinzip und Formensprache von natürlichen Muscheln inspiriert ist. In Analogie zu einer ihre Perle schützenden Auster kann sich die Pendelleuchte öffnen und schliessen, um ihr inneres Licht zu «verbergen». Der Entwurf des dänischen Designduos Ahm & Lund für den Hersteller Fritz Hansen ist eine Herausforderung selbst für erfahrenste Kunsthandwerker: Denn damit das Design richtig funktionieren kann, müssen zwei grosse mundgeblasene Lampenschirme in puncto Symmetrie und Gewicht perfekt aufeinander abgestimmt sein.
Einen Gegentrend setzen geometrische Leuchten: So inszeniert der italienische Hersteller Luceplan mit der Leuchte «Doi» das Spiel der Anziehungskräfte: Den kreisrunden Griff und den stromlinienförmigen Leuchtkörper aus der Feder des Studios Meneghello Paolelli Associati verbindet nur ein Magnet, den Rest erledigt die Schwerkraft – so kommt beides stets wie von Zauberhand in Balance. Ebenso angesagt ist derzeit der Metallic- Look, vor allem Gold funkelt in allen Schattierungen. So kombiniert Designerin Niko Zupanc für ihre «Silence Lamp» für den britischen Hersteller Sé einen goldfarbenen baldachin- förmigen Schirm mit einem Sockel aus Carrara-Marmor.

Zeitgenössische Eleganz
Der Designer Nikolai Kotlarczyk schuf für das australische Label Rakumba mit «Indre» eine Hommage an seine Heimatstadt Kopenhagen: Angelehnt an die dort typischen hängenden Strassenlaternen und gepflasterten Wege schöpft die Kollektion ihre Wirkung aus Nostalgie und Ornamentik. Grazile, doppelwandige Glaskapseln umschliessen sanft das schwebende Innenlicht. Die einzelnen Kapseln sind durch die feinen Linien eines von Oberleitungen inspirierten Systems aus schlanken Stäben verbunden, das mit Stein- oder Holzelementen verankert wird.
Zeitlos ist auch der neue Entwurf von Cordula Kafka: In Anlehnung an die Ästhetik der 1920er- Jahre reiht die Berliner Designerin in der Leuchte «Coco» filigrane, transluzente Porzellanscheiben in Monden aus mattgoldenem Messing an einer schwarze Linie auf. Die drei Kreisobjekte werden im Inneren mit hochwertigen LEDStrips beleuchtet und verströmen das unvergleichlich warme Licht, das nur Porzellan zu erzeugen vermag. Sie kann als einzelnes Lichtobjekt ganz für sich hängen oder in einer Gruppe den Luftraum eines Treppenhauses oder Foyers lichtatmosphärisch bereichern.