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Sanierungsrate

15.07.2021 aNR HANS EGLOFF Präsident HEV Schweiz

Seit Jahrzehnten stellen Private und institutionelle Investoren Mieterinnen und Mietern Wohnraum zur Verfügung. In diesem bunten Mix von Wohnungen gibt es grössere und kleinere, luxuriöse und einfachere sowie energieeffiziente und energieineffiziente Wohnungen. Also für jedes Budget und jeden Anspruch etwas. Dabei bezahlt jeder das, was er auch nutzt. 

Im Zuge der Energiestrategie und des Bestrebens, möglichst viele energetische Erneuerungen auszulösen, werden immer wieder Stimmen laut, die diese Ordnung stören wollen. So forderte eine Motion von aNR Thomas Hardegger, dass in Mietliegenschaften lediglich noch die Heiznebenkosten weiterverrechnet werden dürften, die einem Gebäude der Energieeffizienzklasse D entsprechen – also einem Objekt, das ca. 10 Liter Heizöl pro Quadratmeter benötigt. Sämtliche darüber hinausgehende Kosten müsste der Vermieter berappen.

Weiter sollten Förderbeiträge und Steuerabzüge lediglich noch für Massnahmen gewährt werden, die dafür sorgen, dass die Klasse D unterschritten wird. Die gleichzeitig einzuführende generelle Sanierungspflicht wäre dann noch das Sahnehäubchen.

Ein Denkfehler mit Folgen für alle

Die Begrenzung der Weiterverrechnung der Nebenkosten widerspricht dem Prinzip der Kostenmiete und vermischt die Anforderungen aus dem Energiegesetz mit den Regeln des Mietrechts. Zudem wird ausser Acht gelassen, dass die Bruttowohnkosten nach einer energetischen Sanierung in den meisten Fällen höher liegen als zuvor. Die Mieten dieser Altbauten sind massiv günstiger als jene von Bauten mit einem höheren energetischen Baustandard. Die Mieter – darunter häufig langjährige, ältere Bewohner – profitieren also selbst bei höheren Heizkosten von günstigen Mieten. Insbesondere in strukturell schwächeren Regionen sind aber viele Mieter auf günstigen Wohnraum angewiesen.

Die Förderung energetischer Massnahmen soll ja gerade Anreize zur Erneuerung älterer und schlecht gedämmter Liegenschaften schaffen. Würden Fördergelder nur noch für die Übererfüllung der Energieeffizienzanforderungen ausbezahlt, wären davon gerade die schlechtesten Bauten in Gebieten mit einem tiefen Mietzinsniveau am meisten betroffen. Also exakt jene Liegenschaften, die am stärksten auf eine Förderung angewiesen sind. Letztendlich kommt diese ja auch den Mietern zugute.

Diese Problemstellungen hat glücklicherweise auch der Nationalrat erkannt. Der erwähnte Vorstoss wurde in der Sommersession abgelehnt. Vorerst ist das Thema vom Tisch. Es bleibt aber zu befürchten, dass bald wieder Vorstösse eingereicht werden, die in dieselbe Richtung zielen. Der HEV Schweiz wird daher weiterhin ein wachsames Auge auf die Thematik werfen.