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Ruhezone Bad

29.03.2019 SANDRA AEBERHARD, Faktor Journalisten, Zürich

Mehr als Nasszelle – Das Badezimmer wird wohnlich: Warme Farben und natürliche Materialien geben den Ton an.

Der Tag beginnt im Bad. Das allmorgendliche Ritual dient aber nicht nur der Reinigung, es erfrischt auch und weckt die Sinne. Pro Tag verbringen wir gut 25 bis 30 Minuten im Bad. Hochgerechnet auf ein Menschenleben sind das rund eineinhalb Jahre – bei Männern tendenziell etwas weniger als bei Frauen. Die Vorstellung, so viel wertvolle Lebenszeit an einem Ort zu verbringen, führt seine Wichtigkeit vor Augen. Es bedarf also grösster Sorgfalt, wenn es an seine Gestaltung geht. Manchmal reichen wenige gezielte Veränderungen, die Wahl stimmungsvoller Accessoires, das Auswechseln des Leuchtmittels und eine Portion Kreativität, um mehr Atmosphäre ins Bad zu zaubern. Lässt es das Budget zu, kann aus einer nüchternen Nasszelle gar eine ganz persönliche Wellnesszone entstehen.

Die Erkenntnis, dass das Bad nicht nur funktional sein soll, ist keineswegs neu. Längst ist die «Nasszelle» zum Wohlfühlraum und Ort des Rückzugs geworden. «Besonders heute, in Zeiten der Schnelllebigkeit und der Digitalisierung, sehnt sich der Mensch nach Besinnung, Ruhe und Rückzug», sagt Judith Rauch vom Schweizer Badhersteller Talsee. Als Folge davon nimmt das Badezimmer heute einen wesentlich grösseren Stellenwert innerhalb des Hauses ein. Es liegt zentraler und glänzt durch Wohnlichkeit, was bislang lediglich in der guten Stube, dem Schlafzimmer und allenfalls noch in der Küche angezeigt war. Heute findet man die Badewanne nicht mehr gut versteckt in der Ecke, sondern dort, wo der Blick nach draussen am schönsten ist. «Das Badezimmer wird individuell gestaltet und mit massgefertigten Badmöbeln bestückt», erklärt Judith Rauch.

Zeitlose Materialien und Farben

Edle Materialien, wie man sie auch im Wohnraum verwendet, stossen derzeit auf regen Anklang. «Massivholz und Naturstein sind sehr gefragt – Materialien, die hochwertig, zeitlos und langlebig sind», betont Judith Rauch. Diese sollen aber praktisch und pflegeleicht sein. Porenlose Oberflächen wie etwa beim oft in Bad und Küche verwendeten und langlebigen Kunststein Corian, bestehend aus Acrylharz und Bauxit, bringen zudem ein Höchstmass an Hygiene. Angesagt sind insbesondere dunkle Hölzer, oft kombiniert mit Grautönen. Waren Armaturen früher praktisch ausschliesslich in Chromstahl denkbar, hat sich auch hier der Fächer aufgetan, und Kupfer, Messing und Farben haben Einzug gehalten. Bei den Armaturen gibt derzeit Schwarz den Ton an. Diese neue Farbe gesellt sich bestens zum Industrial Look, der auch im Bad
angekommen ist.

Smart bath oder digital detox?

Smart-Home-Funktionen sollen in den privaten vier Wänden das Leben komfortabler machen. Kommunizierende Kühlschränke, zentral gesteuerte Haustechnik und Sicherheitssysteme – das Angebot ist kaum überschaubar. Nun wird auch das Badezimmer digital: Die Badewanne füllt sich mit der gewünschten Wassertemperatur, der Fensterflügel öffnet sich kurz fürs Lüften, die Lieblingsmusik kommt in der perfekten Lautstärke aus dem Lautsprecher, die Nachrichten erscheinen auf dem Spiegelschrank. Doch die kritische Frage ist berechtigt: Soll an einem Ort der Ruhe nicht einfach Funkstille sein? «Wir setzen auf den Gegentrend und gestalten entdigitalisierte Wohlfühloasen», sagt Judith Rauch. Smarte Funktionen kommen lediglich dort zur Anwendung, wo sie unentbehrlich sind, etwa bei der Steuerung der Lichtstärke.

Bei der Planung ans Licht denken

Der frühmorgendliche Blick in den Spiegel bietet nicht immer Grund zum Jubeln. Noch weniger, wenn die Beleuchtung schlecht ist und Problemzonen durch Schattenwurf gar ungehörig betont werden. Licht muss im Badezimmer gezielt eingesetzt werden können, sodass beim Auftragen des Makeups oder beim Hantieren mit der Rasierklinge keine Unfälle geschehen. Wichtig ist es, dass das Gesicht schattenfrei ausgeleuchtet wird, die Beleuchtung aber nicht blendet. Das ideale Rezept dafür ist, die Deckenleuchten mit anderen Lichtquellen zu ergänzen, etwa an den Seiten, sowie die richtige Lichttemperatur. Für ein möglichst natürliches Licht sind Spiegelschränke meist mit einer Beleuchtung ausgestattet, die dem Tageslicht ähnlich ist. Besonders energiesparend sind LED-Leuchten. Empfehlenswert ist es auch, einen Regler einzubauen, damit das Licht gedimmt werden
kann. Ein gutes Lichtkonzept schafft eine angenehme Atmosphäre und unterstützt die verschiedenen Bedürfnisse ideal.

Sorgfalt für die Details

Für ein stimmiges Ganzes sind auch die Details essenziell. Badezimmer- Accessoires orientieren sich am Ablauf des morgendlichen respektive abendlichen Rituals. Ablagen, Haltegriffe, Haken oder Wäschekorb müssen richtig positioniert sein, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können. Pflanzen können ebenso einen Beitrag zur Verschönerung eines Raumes leisten. Klar ist: Auch die scheinbar kleinen Dinge bedürfen grosser Aufmerksamkeit. Denn nur, wenn auch sie mit der nötigen Sorgfalt gewählt sind, macht das Badezimmer auch dann noch Freude, wenn man sich nach einem langen Tag erschöpft die Zähne putzt.