• Risiko für den einen – Rendite für die anderen

Risiko für den einen – Rendite für die anderen

17.05.2019 NR HANS EGLOFF Präsident HEV Schweiz

Anfang Jahr habe ich in dieser Kolumne das Energiespar-Contracting (ESC) und die Vorstellungen des Bundes dazu beschrieben. Quintessenz war, dass der Eigentümer das Risiko trägt und der Contractor die Rendite einstreicht.

Angepasste Energieverordnung

In eine ganz ähnliche Richtung soll es nun auch beim Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gehen. Auf den 1. April 2019 hin hat der Bundesrat die Energieverordnung (EnV) angepasst. Diese sieht vor, dass der Eigentümer beim Verkauf von selbst produziertem Solarstrom eine höhere Rendite ausweisen kann, wenn er im Gegenzug einen Teil des Ertrages an seine Mieter weitergibt.

Aber der Reihe nach: Ein ZEV ist vom Grundgedanken her eine gute Sache. Der Eigentümer, zum Beispiel der Besitzer eines Mehrfamilienhauses, produziert auf dem Dach mittels einer Photovoltaikanlage eigenen Strom. Diesen verkauft er direkt an seine Mieter weiter. Dabei haben die Mieter bei der Einführung des ZEV die Wahl, dem Zusammenschluss beizutreten oder weiterhin durch das örtliche Elektrizitätswerk mit Strom beliefert zu werden.

Bei der Berechnung der Gestehungskosten des selbst erzeugten Solarstroms bewegt sich der Vermieter in einem sehr engen Rahmen. Der Berechnung der Gestehungskosten darf, beim aktuell tiefen Referenzzinssatz von 1,5 %, maximal eine Rendite von 2 % zugrunde liegen. Gleichzeitig darf die Kilowattstunde Solarstrom nicht mehr kosten als der extern bezogene Strom. Insbesondere bei kleinen Anlagen und einem tiefen Tagesbedarf kann dies schnell zu einem unrentablen Betrieb führen. Selbst dann, wenn bei der Erstellung von einer Einmalvergütung des Bundes profitiert wurde.

Dieser Umstand störte auch die Solarbranche. Zusammen mit dem Bund wurde daher an einer Entschärfung der Situation gearbeitet. Resultiert hat daraus die neueste Anpassung der EnV. Diese sieht vor, dass – sofern der eigene Strom günstiger ist – die Hälfte der Differenz zum extern bezogenen Stromprodukt dem Mieter zusätzlich verrechnet werden darf.

Risiko und Rendite müssen auch für Eigentümer stimmen

Auf den ersten Blick hört sich dies nach einem grosszügigen Zückerchen für Eigentümer und Vermieter an. Wird hingegen berücksichtigt, dass die Abrechnung über die Jahre erheblich schwanken kann und das System ein grosses Missverständnispotenzial aufweist, werden die Schwierigkeiten sichtbar. Die Eigenstromtarife begründen, nachweisen und erklären muss der Eigentümer. Profitieren kann der Mieter.

Angesichts der Komplexität der Materie sind Eigentümer, die den selbst erzeugten Strom direkt an die Mieter weiterverkaufen möchten, gut beraten, ihren Stromversorger um Unterstützung zu bitten. Mit dem Modell «Verteilnetzbetreiber » bleiben die Mieter Kunden des EW und können dennoch den hauseigenen Strom beziehen. Dieser kostet in der Regel gleich viel wie das gewählte externe Stromprodukt. Der Vermieter muss sich um keine Mietvertragsanpassung und keine Abrechnung kümmern und kann dennoch davon ausgehen, dass er einen tendenziell höheren Ertrag als bei einem ZEV erwirtschaftet. Risiko und Rendite sind so wieder auf ein und derselben Seite angesiedelt, und der Anreiz, in eine Photovoltaikanlage zu investieren, ist auch eher gegeben.