• Ökologischer und ästhetischer Wert von Baumveteranen

Ökologischer und ästhetischer Wert von Baumveteranen

13.02.2020 FELIX KÄPPELI, Redaktor Gartenfachzeitschrift g'plus

Alte Bäume prägen das Landschaftsbild und erfüllen wichtige Funktionen für Natur und Bevölkerung. Sie üben eine Faszination auf Menschen aus und sind sogar als Heiligtümer verehrt worden. Mit ihren bizarren Formen, mächtigen Stämmen und Kronen beeindrucken alte Bäume – und sie haben einen hohen emotionalen Wert.

Musste das wirklich sein? Was für ein trauriger Anblick! Kopfschütteln. Reaktionen wie diese hat kürzlich die Fällung einer uralten Linde in einer Ortschaft im Mittelland ausgelöst. Aber nicht nur dort, auch an anderen Orten stossen Baumfällungen häufig auf Unverständnis und verursachen heftige Reaktionen. Eine Fällung bewegt die Bevölkerung gerade dann sehr stark, wenn der Baum wegen Baumassnahmen gefällt werden soll. Weshalb haben gerade alte Bäume ein solch hohen emotionalen Wert?

Bäume zählen zu den prägenden Landschaftselementen im Natur- und Siedlungsraum und geniessen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Besonders die alten, knorrigen Relikte unter ihnen sind ausserordentliche Identitätsstifter. Kaum eine Gemeinde hat nicht ihren ältesten Baum, eine bekannte Wettertanne oder eine uralte Dorflinde. Gerade die markanten Exemplare faszinieren die Menschen. Sie tragen zum Wohlbefinden bei und sind darüber hinaus wichtig für die Naturentwicklung im Siedlungsraum. Sie prägen das Landschaftsbild und geben der Umgebung eine Struktur mit einem unverwechselbaren Gesicht. Als Einzelobjekte beeinflussen sie mit ihren mächtigen Kronen das Siedlungsgebiet und haben eine besondere ästhetische und raumbildende Bedeutung. In der Landschaft strukturieren sie zudem die Sicht, ohne den offenen Charakter zu beeinträchtigen.

 

Symbolik Baum

Die denkmalgeschützten Relikte unter ihnen stehen als lebendige Zeugen vergangener Zeiten. Sie haben Naturgewalten oder Krankheiten überstanden und sind mit entsprechenden Wundmalen und Schrammen versehen.

Solch alte Geschöpfe werden aber nicht nur als Naturschönheiten wahrgenommen, sondern auch als bedeutende Kulturdenkmale. Von jeher gelten sie als Symbol des Lebens, der Geborgenheit und des Schutzes. In früheren Zeiten prägten sie das Brauchtum und galten als Sinnbild für Stärke und Hoffnung waren Orte des Erinnerns, der Liebe und Freude, der schützenden Mächte, des Rechts und des Friedens. Bekannt ist der Mai- und Hofbaum, die Dorflinde, der Christbaum und nicht zuletzt der Stammbaum.

Lebensraum Baum

Ältere Bäume sind für die Biodiversität im Siedlungsraum von hoher Bedeutung. Keine andere Pflanzenform ist so vielfältig wie der Baum, mit den unterschiedlichsten ökologischen Nischen und vielgestaltigen Pflanzenteilen. Die mehrjährigen verholzten Baumteile sind wichtige Bestandteile des Ökosystems, da sie im Lebenszyklus zahlreicher Organismen eine unabdingbare Rolle spielen. So bietet der Baumstamm vielen Tierarten einen Platz. In seiner Rinde finden Insekten und andere Lebewesen Schutz und Nahrung. Unterschiedliche Käferarten legen ihre Eier am Stamm ab. Die Larven bohren sich ins Holz hinein und leben dort, bis sie als fertige Käfer ausfliegen. Diese Löcher wiederum nehmen andere Insekten oder Pilze für sich ein. Nach und nach blättert weiteres Holz ab, wird durch Pilze zersetzt oder durch Spechte entfernt. Es entstehen Höhlen, die Vögeln einen Brutplatz bieten. Auch Eichhörnchen oder Fledermäuse ziehen ihre Jungen in Bäumen auf oder nutzen die Höhlen als Winterquartier.

Bäume leisten aber nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Naturentwicklung im Siedlungsraum, sondern fördern auch das Wohlbefinden der Stadtbevölkerung. Besonders im Hochsommer kühlen die mächtigen Baumkronen städtische Plätze wie Klimaanlagen.

 

Natürliche Klimaanlagen

In den letzten Jahren waren die Sommermonate in der ganzen Schweiz bekanntlich überdurchschnittlich warm. Die Städte sind von solchen Hitzewellen besonders betroffen und bilden eigentliche Wärmeinseln. Im Vergleich zur freien Landschaft liegt die Temperatur im urbanen Raum im Jahresmittel um 1 bis 2 Grad höher. In einer Innenstadt kann es in extremen Fällen bis zu 10 Grad wärmer sein als auf dem Land. Gründe dafür liegen in der dichten Bebauung, der Versiegelung der Fläche, einer geringen Durchlüftung, einem Mangel an Grünflächen sowie in der Abwärme und in Luftschadstoffen.

Welch grosses Potenzial Bäume als natürliche Klimaanlagen in Städten haben, belegen inzwischen verschiedene Studien. Laut Forschern der niederländischen Universität Wageningen kann die Kühlleistung eines einzelnen Baumes 20 bis 30 Kilowatt betragen. Dies entspricht in etwa 10 Klimaanlagen oder einer gefühlten Temperatur, die 10 bis 15 Grad tiefer liegt. Wie stark Bäume kühlen, hängt aber auch von ihrer Grösse ab. Unter dem breiten Blätterdach eines grossen Baumes ist ein Temperaturunterschied zur Umgebung deutlicher zu spüren.

Ein Baum sorgt aber nicht nur mit seinem Blätterdach für Abkühlung. Er verdunstet – je nach Grösse und Art – auch bis zu 500 Liter Wasser pro Tag, was die umgebende Luft kühlt und den städtischen Wärmeinseleffekt abschwächt. Zudem reinigt die Vegetation die städtische Luft: Die Bäume in einer Grossstadt können jährlich mehrere 100 Tonnen Feinstaub aus der Luft filtern. 

FILM ZUM THEMA

«Das geheime Leben der Bäume» (Seit 23. Januar 2020 im Kino). Der deutsche Förster und Autor Peter Wohlleben wurde über Monate bei seinen beruflichen Tätigkeiten begleitet. Naturaufnahmen bieten Einblicke in das Leben der Bäume und zeigen, dass Bäume lebendig sind, sich miteinander vernetzen und kommunizieren.

WEITERE INFOS

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