• Laden des Elektrofahrzeugs im Mietverhältnis

Laden des Elektrofahrzeugs im Mietverhältnis

27.09.2018 THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

Elektromobilität – Das Elektrofahrzeug lässt sich am besten zu Hause über Nacht laden. Vermieter dürften daher seitens ihrer Mieter vermehrt mit dem Wunsch nach einer Ladestation konfrontiert werden.

Was die Elektromobilität betrifft, sind sich die Fachleute mittlerweile einig darüber, dass sie kommt. Spielraum gibt es einzig noch bei der Geschwindigkeit der Marktdurchdringung. Im vergangenen Jahr lag der Anteil an Elektrofahrzeugen bei den Neuzulassungen bei 2,5 Prozent. Während sich teilweise mit Verbrennungsmotor angetriebene Fahrzeuge für lange Distanzen noch etwas halten werden, gibt es für den täglichen Arbeitsweg von durchschnittlich 40 Kilometern nur noch wenige Gründe, nicht auf ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug umzusteigen. 

Wohngebäude haben im Vergleich zur Fahrzeugflotte einen deutlich längeren Erneuerungszyklus. Entsprechend stellt sich nicht nur bei Neubauten die Frage nach der Einrichtung der benötigten Ladeinfrastruktur. Genauso betroffen sind bestehende Bauten mit laufenden Mietverhältnissen.

Ladestation im Mietverhältnis

Tritt ein Mieter mit der Bitte um Einrichtung einer Ladestation an den Vermieter heran, ist es diesem grundsätzlich freigestellt, inwieweit er diesem Wunsch entsprechen will. Zur Umsetzung bestehen verschiedene Lösungsansätze. Diese reichen von «der Mieter soll alles auf seine Kosten installieren lassen» bis zu «der Vermieter installiert auf seine Kosten und verrechnet anschliessend die Investitionen über den Mietzins».

Auf den ersten Blick scheint die Variante, dass der Mieter die Installationen auf eigene Rechnung vornehmen lässt, die einfachste zu sein. Dies mag zutreffen, solange lediglich ein Parkplatz mittels Ladestation ausgerüstet wird. Sobald eine zweite oder dritte Ladestation installiert werden soll, stellt sich die Frage nach einem gesteuerten System.

Bei bestehenden Hausanschlüssen kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass diese zu rund 60 Prozent ausgelastet sind. Mit dem Ladeanschluss für ein Elektrofahrzeug steigt die Auslastung während der Ladung gegen 90 Prozent, insbesondere dann, wenn schnell geladen werden soll. Kommen weitere Ladestationen dazu, wird entweder das System überlastet oder die einzelnen Anschlüsse müssen abgeriegelt werden. Eine Schnellladung im Wohnhaus ist selten nötig, dennoch wäre es wünschenswert, wenn eine solche in Einzelfällen vorgenommen werden könnte. Genau dies wird durch den Einsatz eines smarten Ladesystems ermöglicht. Als kleiner Bonus kann, je nach Systemanbieter, auch gleich die Verrechnung der Stromkosten über das Ladesystem ausgeführt werden.

Ein weiterer Vorteil eines einheitlichen Systems ist die vereinfachte Installation. Anstelle einzelner Leitungen zu jeder Ladestation mitsamt der gesamten Zähler- und Sicherungskette kann eine Erschliessung für alle sofort und zukünftig zu erstellenden Ladestationen eingerichtet werden. Die höheren Anfangsinvestitionen zahlen sich beim Einrichten weiterer Ladestationen aus. Im Endausbau kostet ein einheitliches System rund einen Viertel weniger. Im Mietshaus kann zudem, je nach Anbieter, eine Ladestation auch wieder umplatziert oder vorübergehend demontiert werden, bis durch einen weiteren Mieter Bedarf angemeldet wird.

Vertragliche Regelungen

Gestattet der Vermieter seinem Mieter, die Installation einer Ladestation auf eigene Kosten vorzunehmen, schliessen die beiden am einfachsten eine Zusatzvereinbarung zum Parkplatzmietvertrag ab. Ein entsprechendes Bewilligungsformular ist beim HEV Schweiz erhältlich. Übernimmt der Vermieter die Installationskosten, kann er diese anteilsmässig auf die entsprechenden Parkplatzmieten überwälzen. Dabei ist zwischen den Grundinstallationen und dem Endausbau zu unterscheiden.Die Grundinstallation ist eine Vorleistung des Vermieters für den Ausbau weiterer Ladestationen. Können mit der Grundinstallation zum Beispiel zehn Parkplätze bedient werden, aktuell möchte jedoch nur ein Mieter einen Anschluss, so darf diesem lediglich ein Zehntel der Kosten überwälzt werden. Beim Endausbau, also der Installation der eigentlichen Ladesäule, handelt es sich um eine wertvermehrende Investition, die der entsprechende Parkplatzmieter gemäss Überwälzungssatz zu tragen hat. Die Überwälzungssätze sind im Merkblatt «Einrichten von Ladestationen für Mieter» enthalten.

Die Mietzinserhöhung ist nach der Installation mit dem amtlichen Formular anzuzeigen, wenn der Abstellplatz mit einem Wohn- oder Geschäftsraum vermietet wird.

Die Stromkosten sind in jedem Fall verursachergerecht abzurechnen. Dies kann mittels einzelner Zähler oder bei einem smarten System direkt über dessen Systemsteuerung erfolgen. Einzelne Anbieter von Ladestationen bieten auch gleich den Abrechnungsservice mit an. Auch die Einführung der Abrechnung der laufenden Energiekosten und eines allfälligen Vorschusses ist mit einem amtlichen Formular mitzuteilen, wenn der Abstellplatz mit einem Wohn- oder Geschäftsraum vermietet wird.

Weitere Infos

Merkblatt und Mustervereinbarung

zum Einrichten von Ladestationen für Elektrofahrzeuge

Merkblatt technische Installationen

Ratgeber für die Installation von Ladesystemen für eFahrzeuge, 2017, Download unter: www.emobility-schweiz.ch