• Küchen à la carte

Küchen à la carte

19.09.2018 MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Kücheneinrichtung – Es müssen nicht immer kubische Möbel in Hochglanz sein: Moderne Küchenlinien verschmelzen optisch zunehmend mit dem Wohnbereich. Mehr Flexibilität gibt es auch bei den Dunstabzügen und Kochfeldern.

Die moderne Küche wird zuweilen zu einem gebauten Stereotypen: Eine freistehende Kochinsel mit Glaskeramikherd, Dunstabzugshaube, hochwertige Geräte, dazu Oberflächen nach Wahl – fertig ist das Küchenglück. Oder doch nicht? Wer eine individuellere Möblierung schätzt, kann sich seit Kurzem am Sideboard-Formfaktor orientieren. Denn bei der neuen «Venovo»-Linie von Poggenpohl steht der Küchenkorpus auf zwei Bügeln. Das elegante Möbel integriert Kochfeld, Dunstabzug, Backofen, Kühlgerät, Abwaschbecken und Arbeitsfläche und scheint fast zu schweben. Das neue Konzept des Herstellers aus Hessen ergibt durchaus Sinn: In Deutschland müssen nur die wenigsten Mietwohnungen mit einer Einbauküche ausgestattet werden. Um Herd, Ofen und Spülbecken müssen sich die Mietparteien selber kümmern. Wer nun umzieht, kann die «Venovo» gewissermassen einpacken und am neuen Ort wieder aufstellen, und zwar passend zum neuen Grundriss.

Mehr Leichtigkeit

Ein Schweizer Hersteller setzt ebenfalls auf die Sideboard-Idee. Element Küchen bringt mit dem «Eden»-Korpus ein Möbel, das nur noch auf einer Seite einen klassischen Sockel aufweist. Auf der anderen Seite kommt ebenfalls ein Bügel zum Einsatz. Mit seiner schwebenden Wirkung soll das Möbel gleichsam eine Brücke zwischen Wohn- und Küchenwelt bilden. Auch die Hochschränke wirken durch ihre Gestaltung eher wie eine flächige Wand als wie eine typische Küchenzeile. Die Farbe kann frei gewählt werden und wird mittels Pulverbeschichtung aufgebracht. Eher Küchen-untypisch ist auch die Linie «Riciclantica» von Valcucine. Deren Fronten sind lediglich zwei Millimeter stark, ein mutmasslicher Rekord. Der Dunstabzug versteckt sich hinter einer Klappe im Oberschrank, anstelle von Federbeschlägen dient ein Schwinghebel mit Gegengewicht zum Öffnen der Front. Für Kochbücher oder Romane gibt es ein passendes Regal aus 8 Millimeter starkem Aluminium-Wabenmaterial. So verschmelzen Koch- und Wohnbereich weiter, und die früher so klare Trennung zwischen einzelnen Funktionswelten löst sich auf.

Wer mit seinem Küchenmobiliar zufrieden ist, aber mehr Freiheiten bei Details wünscht, wird ebenfalls fündig. So etwa beim Abspülen: Fast alle Küchen sind heute mit einem Geschirrspüler ausgestattet, von Hand wäscht man meist nur noch die sperrigen Töpfe und Geräte ab. Doch ausgerechnet Backbleche passen wegen ihrer Abmessungen nicht ins Spülbecken. Es sei denn, man schafft sich eine XL-Spüle an. Ein solches Produkt, etwa bei Blanco oder Franke erhältlich, bietet reichlich Platz zum Einweichen. Dafür wird bei einem grossen Becken in der Regel auf den Abtropfbereich verzichtet. Über dem Spülbereich können als Ersatz Siebbehälter (zum Beispiel zum Waschen von Obst und Gemüse) oder Abtropfgitter eingehängt werden.

Beliebte Kombination

Wie das klassische Abwaschbecken steht auch die «normale» Dunstabzugshaube unter Druck. Viele Eigentümer stören sich an ihren Dimensionen und ihrem Äussern, das selbst von den besten Designern nie ganz überzeugend gestaltet werden kann. Seit einigen Jahren sind deshalb kleinformatige, ins Kochfeld integrierte Dunstabzüge auf dem Markt. Die Hersteller kombinieren den Komfort mit klugen Assistenzfunktionen. So gibt es etwa bei den Flex-Induktionskochfeldern von Bosch spezielle Sensoren, die eine schonende Zubereitung der Speisen erleichtern. In der Mitte zwischen den beiden Kochzonen befindet sich der Dunstabzug. Die angesaugte Luft kann wahlweise gefiltert und über den Unterschranksockel in den Raum zurückgegeben oder über eine Abluftleitung nach draussen geführt werden. Die Regelung läuft über einen speziellen Luftgütesensor. Wer Gemüse dünstet oder ein Steak in die Pfanne haut, muss sich also nicht mehr um die Leistung des Abzugs kümmern.

Mehr Flexibilität beim Kochen verspricht auch V-Zug. Das neue, ab Herbst 2018 lieferbare «FullFlex»- Kochfeld besitzt keine fixen Kochzonen mehr. Stattdessen erkennt es automatisch, welche Pfannen auf dem Feld platziert wurden und wie gross deren Böden sind. Bis zu sechs Pfannen oder Töpfe lassen sich beliebig auf der Glaskeramikplatte platzieren. Ein grosses, farbiges Display ermöglicht eine einfache Bedienung. Zudem findet das Kochfeld Anschluss an das Gerätenetzwerk V-Zug-Home, das der Hersteller schon länger für seine Backöfen, Steamer oder Waschmaschinen nutzt. Vergleichbare Wege geht Miele. Die Kombination von Kochfeldabzug und Induktion heisst hier «TwoInOne». Das Induktionskochfeld besitzt eine automatische Topferkennung. Bei grossen Pfannen werden automatisch zwei Kochfelder zusammengeschaltet. Die Leistung des Abzugs passt sich automatisch derjenigen des Herdes an.

Herd aus dem Baukasten

Ambitionierte Köche möchten nicht nur Elektro- oder Induktionskochfelder nutzen, sondern auch Gaskochfelder oder einen «richtigen» Wok. Wer über das entsprechende Budget verfügt, kann sich schon heute einen individuellen Herd zusammenstellen, etwa mit der «Vario Serie 400» von Gaggenau. Neben Induktions- und Gaskochfeldern lässt sich die Arbeitsfläche auch mit Grill, Teppan Yaki, Dampfgarer oder Fritteuse bestücken. Natürlich ist auch ein passender Muldenlüfter im Angebot. Der Wunschherd kann wahlweise mit massiven Knebelschaltern oder einem Touch-Display bedient werden. Wie die Neuheiten im Möbel- und Gerätebereich zeigen, können ambitionierte Köche ihren Arbeitsplatz immer besser auf ihre eigenen Bedürfnisse abstimmen. Modernes Design und klug eingesetzte Technik erleichtern das Kochen und spiegeln damit einen Trend, der in der Gastronomie schon längst gilt: Wer sich abheben will, serviert keine Standardmahlzeiten, sondern Gerichte «à la mode du chef».