• James prüft E-Ladeinfrastruktur

James prüft E-Ladeinfrastruktur

01.11.2018

Elektro-Ladestationen im Mietshaus – Interessieren sich immer mehr Mieter für einen Garagenplatz mit Elektro-Ladestation, sind Vermieter gefordert, sich Gedanken über eine einheitliche Ladeinfrastruktur zu machen. In einer Zürcher Grossüberbauung klärt die Immobilienverwaltung zurzeit eine Lösung für Elektroauto-Parkplätze ab.

Als die James-Überbauung in Zürich-Albisrieden 2007 eröffnet wurde, war die Elektromobilität noch nicht so weit fortgeschritten wie heute. Entsprechend wurden in der Tiefgarage, die 200 Einstellplätze zählt, keine Elektro- Ladestationen eingeplant. Zwischenzeitlich ist die Nachfrage nach Parkplätzen für Elektroautos gestiegen. «Zwei unserer Mieter besitzen bereits Elektroautos», sagt Melanie Imfeld, Senior Bewirtschafterin bei Livit AG Real Estate Management, «und ein dritter Mieter hat mich informiert, dass er sich eines gekauft habe und eine Ladestation benötige.» Der nachträgliche Einbau von Ladestationen ist ein komplexes Thema und stellt hohe Anforderungen. Daher erarbeitet Livit in Zusammenarbeit mit Spezialisten Lösungen für das Aufrüsten von Garagenplätzen.

Problematische Einzellösungen

Bei den zwei bereits mit Ladestationen ausgerüsteten Einstellplätzen sind die Mieter selbst aktiv geworden und haben die notwendigen Schritte für die Installation eingeleitet. Für die beiden einzelnen Lösungen gab die Verwaltung ihr Einverständnis. Auswahl der Ladestationen wie auch Kosten für den Einbau waren Sache der beiden Mieter. Ihre Ladestationen sind – für Strombezug und -abrechnung – mit den entsprechenden Wohnungszählern verbunden. Bei einem solchen Vorgehen sieht Jérémie Coquoz, Verkaufsingenieur bei Alpiq E-Mobility AG, aber Probleme, vor allem dann, wenn mehrere Einzellösungen zusammentreffen. «Wohnungszähler sind für Elektro-Ladestationen eigentlich nicht geeignet», sagt er. Der Stromverbrauch weist jeweils abends ab 18 Uhr Spitzenwerte auf. Zu dieser Zeit kommen alle Bewohner nach Hause, fangen an zu kochen, lassen den Geschirrspüler laufen und nutzen Fernseher, Radio und Computer.

Zur gleichen Zeit werden auch Elektroautos an den Strom angeschlossen und beziehen die volle Leistung. Der Wohnungsanschluss ist auf eine Stromstärke von 25 Ampere ausgelegt. Elektroauto-Akkus ziehen bis zu 16 Ampere. Somit bleiben für die Wohnung nur noch 9 Ampere, was problematisch werden kann.

Lastmanagement ist wichtig

Allgemein seien Einzellösungen für so grosse Überbauungen wie James nicht ideal, sagt Jérémie Coquoz. Livit AG hat Alpiq E-Mobility AG mit der Prüfung einer optimalen Lösung für die James-Überbauung beauftragt. Der Verkaufsingenieur erklärt: «Nur wenn man sich sicher ist, dass nicht noch mehr Elektroautos dazukommen, sind Einzellösungen in Tiefgaragen akzeptabel.» Sobald aber weitere Ladestationen dazukommen, seien Engpässe durch Lastspitzen vorprogrammiert. Verhindert werden kann dies nur durch ein intelligentes Ladesystem mit Lastmanagement.

Allfälligen Engpässen bei den Stromspitzen in der James-Überbauung möchte Melanie Imfeld vorbeugen. Denkbar sei beispielsweise eine Grundinfrastruktur für mehrere Elektroauto- Parkplätze und ein invidueller Ausbau nach Bedarf. Durch eine einheitliche Lösung könnten das Lastmanagement und die Stromabrechnung einfach geregelt werden. «Zudem mache ich mir Gedanken in Bezug auf die Weitervermietung von Parkplätzen mit E-Ladestation nach einem Mieterwechsel», sagt die Immobilienbewirtschafterin. Ein Mieter müsste heute nämlich seine Elektro- Ladestation zurückbauen, wenn er auszieht, was finanziell weder für den Mieter noch für den Vermieter sinnvoll ist.

Technische Abklärungen vor Ort

Bevor über die Art und Anzahl der Ladestationen diskutiert werden kann, steht eine erste Begehung der Liegenschaft an. Der Techniker von Alpiq E-Mobility AG prüft im Rahmen des ChargeConcept zuerst, wo man am besten genug Strom für eine Grundinfrastruktur abnehmen könnte. Folgende Fragen sind bei der Prüfung vor Ort zu beantworten: Wo befindet sich die Hauptverteilung der Liegenschaft oder des gesamten Areals? An welchen Wänden in der Tiefgarage lassen sich Grundinfrastruktur und Ladestationen am einfachsten montieren? Welches wäre für die Elektro-Parkplätze der beste Standort innerhalb der Garage? Zudem sind die Leistung des Hausanschlusses, der Platz für zusätzliche Sicherungen auf dem Elektrotableau und die Möglichkeit einer einfachen Leitungsführung zu prüfen.

Wie viel kostet es?

Sobald das Technische geklärt ist, taucht die Frage nach den Kosten auf. Wie teuer kommen Grundinfrastruktur und Ladestationen zu stehen? Wer bezahlt die Installation? Werden die Kosten auf den Mietzins überwälzt? Wird mittels smarter Ladestationen direkt abgerechnet? «Pro Parkplatz in der Tiefgarage ist mit 800 bis 1500 Franken für die Grundinfrastruktur zu rechnen», sagt Jérémie Coquoz. Der individuelle Ausbau mit einer intelligenten Ladestation ist ab 3500 Franken zu haben.

Im Anschluss an die im Oktober durchgeführte Prüfung wird Jérémie Coquoz der Immobilienbewirtschafterin einen detaillierten Bericht zukommen lassen. Ein erster Schritt in Richtung «James goes e-mobile» ist getan. Bis die Überbauung eine eigene Ladeinfrastruktur für mehrere Elektroautos erhält, sind noch weitere Abklärungen nötig und Budgetfragen zu besprechen.

THOMAS AMMANN, dipl. Arch. FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

YVONNE LEMMER, Redaktorin, HEV Schweiz

Tiefgarage mit 200 Einstellplätzen

Die Überbauung James – Wohnen mit Service – in Zürich-Albisrieden hat eine Tiefgarage mit insgesamt 200 Einstellplätzen. Die Garage verfügt über drei separate Einfahrten. Bis heute haben zwei Mieter ihren Einstellplatz mit Elektro-Ladestationen für ihre Elektroautos ausgerüstet. Die Kosten für den Einbau der Ladestationen haben die beiden Mieter selbst getragen. Der Stromverbrauch für das Laden der Elektroautos wird über den Wohnungszähler abgerechnet. Ein dritter Mieter interessiert sich nun ebenfalls für eine E-Ladestation auf seinem Einstellplatz, weshalb die Immobilienverwaltung eine einheitliche Lösung für die Elektro-Ladeinfrastruktur prüft.

Eckdaten von James in Zürich-Albisrieden

Eigentümerin: UBS (CH) Property Fund – Swiss Mixed «Sima»

Vermieterin: Livit AG Real Estate Management

Anzahl Wohnungen: 284

Grösse der Wohnungen: 1- bis 6,5-Zimmerwohnungen

Weitere Informationen unter: www.james.ch 


WEITERE INFOS

Infos über das ChargeConcept von Alpiq E-Mobility AG sowie verschiedene Dokumente rund um das Thema Elektromobilität finden Sie unter: www.alpiq-e-mobility.ch 

Wissenswertes über E-Mobilität, Reichweite und Nachhaltigkeit liefert die Plattform «e-hub»


Ratgeber technische Installationen

Ratgeber für die Installation von Ladesystemen für eFahrzeuge, 2017, Download unter: www.emobility-schweiz.ch