• Innendämmung – nur vom Spezialisten

Innendämmung – nur vom Spezialisten

10.09.2021 THOMAS AMMANN Dipl. Architekt FH

Sanierung – Nicht alle Gebäude lassen sich von aussen einpacken. Hier kann die Innendämmung eine Alternative bieten.

Aus bauphysikalischen Grün- den, und oftmals auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, ist eine Aussenwärmedämmung in der Regel das Mittel der Wahl, wenn es ein Gebäude energetisch zu verbessern gilt. Allerdings ist eine Aussenwärmedämmung nicht immer möglich, sei dies aufgrund denkmalpflegerischer Auflagen, Ortsbildschutz oder weil bestehende Grenzabstände eingehalten werden müssen. Hier kann die Innendämmung eine Alternative sein.

Bautechnische Herausforderung

Bei einem ungedämmten Altbau weisen die Wandoberflächen der Aussenwände raumseitig in etwa dieselbe Temperatur auf. Mit dem Anbringen einer Innenwanddämmung ergeben sich hingegen erhebliche Unterschiede. Bereiche wie Wand- und Deckenanschlüsse, Rollladenkästen oder Durchdringungen werden zu Wärmebrücken. Das heisst, an diesen Stellen fliesst deutlich mehr Wärme ab als an den gedämmten Flächen. Diese Verluste bei den Wärmebrücken nehmen mit zunehmender Dämmstärke überproportional zu. Dämmschichten von mehr als 6 cm sind deshalb nur selten energetisch sinnvol.

Während der Heizperiode diffundiert der in der Raumluft enthaltene Wasserdampf durch die Aussenwand nach draussen. Stösst er dabei auf eine kalte Schicht, kondensiert der Wasserdampf zu Tauwasser. Eine Wand mit Aussenwärmedämmung weist den grössten Temperatursprung im äussersten Bereich der Wandkonstruktion auf. Einzig der Aussenputz kann den Abtransport der Feuchtigkeit noch mindern. Fällt der grosse Temperatursprung wie bei der Innendämmung jedoch mitten in der Wandkonstruktion an, kann sich innerhalb der Konstruktion Tauwasser bilden. In der Regel geschieht dies beim Übergang von der Innenwärmedämmung zum kalten Mauerwerk. Der Einsatz von Dampfsperrschichten würde dieses Problem theoretisch lösen. In der Praxis ist es jedoch kaum möglich, dass eine Dampfsperre dauerhaft dicht bleibt.

Insbesondere die Anschlussstellen an Boden, Wand und Fensterlaibungen oder Durchdringungen wie Radiatorenleitungen und Balken werden weiterhin eine Schwachstelle bilden. Zusätzlich dringt über die Flankendiffusion, also durch angrenzende Bau- teile, immer noch Feuchtigkeit in die Wand ein.

Bei Holzbalkendecken, wie sie bis in die 1940er-Jahre weit verbreitet waren, besteht die Gefahr, dass die Balken im Bereich der Auflage in der Wand Feuchtigkeit aufnehmen und faulen können. Ein weiterer Nachteil der Innendämmung ist die Entkoppelung der Speichermasse. Die Wärme der Radiatoren oder die solaren Gewinne durch die Fenster können nicht in der Masse der Aussenwände gespeichert werden. Massive Böden und Innenwände können hier jedoch einen Ausgleich schaffen.

Materialwahl ist entscheidend

Im Idealfall kann die zu dämmende Aussenwand die anfallende Feuchtigkeit aufnehmen und über einen längeren Zeitraum wieder austrocknen. Bei klassischen Backsteinmauern ist dies grundsätzlich auch der Fall. Wurde die Wand jedoch mit einem kunstoffvergüteten Putz versehen oder gar mit einer Dispersionsfarbe gestrichen, bilden diese Schichten eine Barriere. Damit Schäden vermieden werden, muss die Dämmschicht selbst Wasserdampf aufnehmen. Entsprechend ist ein diffusionsoffenes Material zu wählen. Hierzu haben sich Holzfaserplatten oder Kalziumsilikatplatten, Kork- oder Perlitprodukte bewährt.

Bei der Verarbeitung ist darauf zu achten, dass die Platten vollflächig mit dem Untergrund verbunden sind, damit die Dampfdiffusion nicht unterbrochen wird. Unebene Flächen müssen allenfalls mit einem etwas dickeren Mörtelbett ausgeglichen werden. Der verwendete Mörtel sollte ebenfalls wasserdampfdurchlässig sein. Wird aufgrund einer eingschränkten Materialwahl eine Dampfsperre oder eine Dampfbremse eingesetzt, ist diese bestmöglich mit allen Anschlüssen zu verkleben. Eine Schutzschicht sollte zudem verhindern, dass während der Nutzung die Sperrschicht mechanisch verletzt wird, zum Beispiel beim Einschlagen eines Nagels in die Wand.

Innendämmung ja, aber ...

Die Innendämmung hat ihre Vorteile bei der einfachen Anbringung und den somit tieferen Kosten. Räume, die nur wenig benutzt werden, lassen sich deutlich schneller aufheizen, und die Ansicht von aus- sen kann gewahrt werden. Der Preis ist eine verkleinerte Wohnfläche. In Altbauten geht unter Umständen der Charme einer Stuckdecke oder eines Brusttäfers verloren.

Je nach eingesetztem Material können sich auch hinsichtlich Brandschutz und sommerlichem Wärmeschutz Nachteile ergeben. Hinzu kommen die eingangs beschriebenen Herausforderungen mit den Wärmebrücken und dem Taupunkt.

Das Planen und Anbringen einer Innendämmung ist eine Aufgabe für Spezialisten. Entsprechend ist es sinnvoll, frühzeitig einen Bauphysiker beizuziehen und erfahrene Handwerker mit der Umsetzung zu betrauen.