• Hagelsicher bauen: Hagelschäden und ihre Folgen vermeiden

Hagelsicher bauen: Hagelschäden und ihre Folgen vermeiden

08.08.2019

Mehr als ein Drittel der durch Naturereignisse entstandenen Gebäudeschäden sind auf Hagel zurückzuführen. In grossen Teilen der Schweiz wird ein beliebiger Standort alle fünf bis zehn Jahre von Hagelkörnern mit 2 cm Durchmesser getroffen, alle 20 bis 50 Jahre gar von Körnern mit 3 cm Durchmesser oder mehr. Hagelschäden und ihre Folgen lassen sich aber vermeiden – durch hagelsicheres Bauen. Wir haben bei einem Spezialisten nachgefragt und uns das Hagelregister erklären lassen.

Mehr als ein Drittel der durch Naturereignisse entstandenen Gebäudeschäden sind auf Hagel zurückzuführen. In grossen Teilen der Schweiz wird ein beliebiger Standort alle fünf bis zehn Jahre von Hagelkörnern mit 2 cm Durchmesser getroffen, alle 20 bis 50 Jahre gar von Körnern mit 3 cm Durchmesser oder mehr. Hagelschäden und ihre Folgen lassen sich aber vermeiden – durch hagelsicheres Bauen. Wir haben bei einem Spezialisten nachgefragt und uns das Hagelregister erklären lassen.

DER HAUSEIGENTÜMER: Pierre Vanomsen, Sie haben viel Erfahrung in der Hagel-Prävention. Woher kommt das?

PIERRE VANOMSEN: Bis vor wenigen Jahren habe ich als Projektleiter für ein auf Naturgefahren spezialisiertes Ingenieurbüro gearbeitet. Dort kam ich zum ersten Mal mit dem Hagelregister in Kontakt. Zuerst durch die Erarbeitung der Prüfbestimmungen, später führte ich als Prüfleiter auch Hagelprüfungen für Kunden aus. Heute arbeite ich bei der Gebäudeversicherung Freiburg als Experte für Naturgefahren und berate Gebäudeeigentümer, wenn es um den Schutz vor Hagel und anderen Naturgefahren geht.

Sie haben das Hagelregister erwähnt – worum handelt es sich hierbei genau?

Auf der Onlineplattform www.hagelregister.ch sind hagelsichere Bauteile für die gesamte Gebäudehülle übersichtlich aufgelistet. Die eingetragenen Produkte wurden von anerkannten Prüfstellen auf ihren Hagelwiderstand hin getestet. Die Hagelprüfungen werden gemäss spezifischer Prüfbestimmungen durchgeführt.

Können Sie als ehemaliger Prüfleiter eines Prüfinstituts uns den Ablauf einer solchen Prüfung beschreiben?

Die eigentliche Prüfung beginnt mit Tests: Der Prüfer schiesst mit normierten Eiskugeln auf die potenziellen Schwachpunkte am Bauteil, z. B. auf den Rand eines Röhrenkollektors. Solche Schwachstellen kennt der Prüfleiter aus Erfahrung. Weitere Hinweise geben die Prüfbestimmungen. Das Bauteil wird wiederholt – gemäss definierter Prüfanordnung – an möglichen Schwachstellen mit Eiskugeln eines bestimmten Durchmessers beschossen. Ist das Bauteil nach einer solchen Beschussserie noch intakt, hat es die Prüfung für die jeweilige Klasse bestanden. So besagt beispielsweise ein Hagelwiderstand 3 (HW 3), dass das geprüfte Produkt beim Beschuss mit Hagelkörnern von 3 cm Durchmesser nicht beschädigt wird.

Die Prüfkörper werden also mit Projektilen aus Eis beschossen. Wie werden diese hergestellt?

Natürliche Hagelkörner lagern bei wiederholten Auf-und-ab-Bewegungen in Gewitterwolken äusserlich Eisschichten an. Je länger diese Bewegungen andauern, desto grösser werden die Hagelkörner. Die für die Prüfungen verwendeten, künstlich hergestellten Eiskugeln sind homogener als natürliche Hagelkörner und ermöglichen vergleichbare Prüfergebnisse.

Inwiefern haben Sie bei der Gebäudeversicherung mit Hagel zu tun?

Die Gebäudeversicherung will Hagelschäden reduzieren, und das neue Kompetenzzentrum für Prävention hilft uns dabei. Wir bieten persönliche Beratungen vor Ort oder per Telefon an und weisen auf besonders verletzliche Bauteile wie Lamellenstoren hin. Bei Neubauten stellen wir im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens konkrete Anforderungen in Bezug auf den Hagelwiderstand.

Gibt es für alle Bauteile der Gebäudehülle hagelresistentes Material?

Nein, gewisse Bauteile sind konstruktions- oder materialbedingt verletzlich. Solche Bauteile können durch andere ersetzt werden. Zum Beispiel Lichtkuppeln aus Glas anstelle von Kunststoff. Glas ist widerstandsfähiger als Kunststoff, insbesondere wenn man die Alterung berücksichtigt. Zusätzlich zu widerstandsfähigen Bauteilen besteht die Möglichkeit des konstruktiven Hagelschutzes. So schützen beispielsweise Vordächer die Fassade oder feinmaschige Schutzgitter Lichtkuppeln aus Kunststoff.

Weshalb werden dann nicht überall hagelbeständige Baumaterialien eingesetzt?

Das Problem ist die fehlende Sensibilisierung der Eigentümer, Planer und Hersteller von Bauteilen. Nur wenige Personen kennen das Hagelregister. Dabei gibt es robuste Baumaterialien und auch elegante Lösungen für sensible Elemente wie Lamellenstoren – und somit keinen Grund, nicht hagelsicher zu bauen.

Um den Hagelwiderstand eines Bauteils zu erfahren, besuchen Sie die Website www.hagelregister.ch.

Robuste Baumaterialien beugen Hagelschäden vor!

Hagel verursacht in der Schweiz jährlich Gebäudeschäden in Millionenhöhe. Die Wahl robuster Baumaterialien beugt Hagelschäden vor. Für Bauteile sind fünf Hagelwiderstandsklassen definiert: HW 1 bis HW 5. Die Ziffern entsprechen der maximalen Korngrösse in Zentimetern, dem ein Bauteil standhält. Je höher der HW-Wert, desto höher der Hagelwiderstand. Auf der Onlineplattform www.hagelregister.ch sind die Bauteile mit Angabe des Hagelwiderstands übersichtlich gegliedert. Um Ihr Haus vor weiteren Naturgefahren zu schützen, empfiehlt sich zudem der Naturgefahren-Check unter www.schutz-vor-naturgefahren.ch. Informieren Sie sich vor Neubauund Sanierungsprojekten einfach online.


Pierre Vanomsen ist Experte für Naturgefahren bei der Kantonalen Gebäudeversicherung Freiburg.

BILD ECAB / KGV