• Grosses Update für das «Bähnli»

Grosses Update für das «Bähnli»

29.10.2020 MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Mit einer umfassenden Modernisierung hat das Ehepaar Müller seinen Schräglift auf den neuesten Stand bringen lassen. Bis auf den Schacht und die Schienen wurde praktisch jedes Bauteil ersetzt. Der spezielle Bergbahn-Charme ist geblieben – auch zur Freude der Grosskinder.

Das Gelände oberhalb des bekannten Seehotels Hermitage in Luzern ist steil. Und das Terrain auf dem Grundstück von Fritz und Ursula Müller gleicht sogar einem Geo-Dreieck. Satte 45 Grad beträgt die Steigung, und wer die Treppe zum neu erbauten Mehrfamilienhaus nimmt, braucht eine gute Kondition. Bis vor Kurzem stand hier eine grosse Villa, in der die Familie Müller lange Zeit wohnte. Doch nach dem Auszug der drei Kinder wollte das Ehepaar seine Wohnsituation verkleinern. Das alte Gebäude wich einem modernen, viergeschossigen Neubau. Vier Etagenwohnungen im Stockwerkeigentum bieten nun einen überwältigenden Blick auf die Zentralschweizer Bergwelt und den Vierwaldstättersee.

 

Der viergeschossige Neubau mit Pool nutzt den bestehenden Liftschacht. Im Schachtkopf befindet sich der umfassend modernisierte Maschinenraum. (v.l.n.r.)

Das Zonenreglement der Stadt Luzern wurde vor einigen Jahren revidiert und ermöglichte damit eine Verdichtung im bisherigen Einfamilienhaus- und Villenquartier. Der viergeschossige Neubau konnte auch dank eines besonderen Ausnützungsbonus realisiert werden, denn er deckt 75 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen. So liefert eine Erdsonden-Wärmepumpe die Raumwärme, eine PV-Anlage auf dem Dach erzeugt Solarstrom für den Eigenverbrauch. Elegant gelöst wurde die Parkierung. Im felsigen Hang zwischen Strasse und Gebäude sind insgesamt drei Autolifte untergebracht, so können sechs «unsichtbare » Parkfelder erschlossen werden.

Umfassende Modernisierung

Der sichtbarste Aufzug ist jedoch immer noch der Schräglift mit seinem markanten Liftschacht, der über weite Teile im Gelände verläuft. Nach heutigem Recht müsste er vermutlich vollständig unter Tag geführt werden. «Das wäre finanziell nicht tragbar gewesen. Weil der alte Schacht aber unter Bestandesschutz steht, können wir ihn weiterhin nutzen », berichtet Bauherr Fritz Müller. Dazu war allerdings eine umfassende Modernisierung der gesamten Anlage notwendig. Dafür wählte die Bauherrschaft AS Aufzüge. «Man kennt sie als Zentralschweizer Firma. In den letzten Jahren liessen wir den alten Schräglift zudem stets von AS warten und waren mit dem Service immer zufrieden», sagt Müller. Die Modernisierung war damit gesetzt – allerdings mit einer wichtigen Auflage: Die zwei Enkeltöchter von Müllers, begeistert vom Charme der Anlage, wünschten ausdrücklich, dass auch das neue «Bähnli» eine Sitzbank aufweist.

 

Die klappbare Sitzbank ist nicht nur bei Fritz und Ursula Müller beliebt, sondern begeistert auch ihre Enkeltöchter. Im rundum modernisierten Schacht verlaufen nun alle Fremdleitungen sauber auf einer Seite. (v.r.n.l.)

Dieser Wunsch konnte rasch erfüllt werden. Anspruchsvoller war hingegen der Umfang des Vorhabens. «Bei einer Schräglift-Modernisierung ersetzen wir meistens Türantriebe, die Steuerung oder den Antrieb. Hier haben wir nahezu alle Komponenten ersetzt und eine neue Kabine gebaut. Das ist schon ungewöhnlich », sagt Jürg Mettler, zuständiger Projektleiter bei AS. So wurde unter anderem die gesamte Kabine inklusive Fangrahmen neu gebaut. Im Maschinenraum steht neu ein frequenzgeregelter Antrieb, der weniger Energie benötigt und sanftes Anfahren und Abbremsen ermöglicht. Bedientableaus und Steuerung sind nun allesamt Standardkomponenten, was den Service der Anlage noch einfacher gestaltet.

Steiler Schacht

Seit jeher waren im bestehenden Schacht verschiedene Fremdleitungen untergebracht, so etwa für Elektrizität oder Wasser. Für Liftschächte ist dies ausgesprochen ungewöhnlich, da verschiedene Vorgaben wie beispielsweise die Brandschutznorm strenge Massstäbe setzen. Nach einer Gefahrenanalyse wurden sämtliche bestehenden Leitungen durch neue, an der Schachtseite montierte Leitungen ersetzt und brandschutztauglich gedämmt. Bei der Umsetzung dieser Arbeiten mussten einige Handwerker ihre Komfortzone verlassen, sagt Elmar Bacher, Montagechef Modernisierung bei AS: «Es ist nicht jedermanns Sache, in einem kalten, zugigen und steilen Schacht zu arbeiten. Zudem mussten sich alle mit einem ‹Gstältli› sichern, daran sind Leute ausserhalb der Liftbranche nicht unbedingt gewöhnt.»

Souveräne Landung

Mit dem neuen «Bähnli» ist die Erschliessung des Neubaus nun für lange Zeit gesichert. Die letzte Pendenz ist der Abschluss eines Service-Abos. «In all den Jahren blieb der alte Lift nur ein- oder zweimal stecken», erinnert sich Ursula Müller. «In einer solchen Situation schätzt man es dann sehr, wenn der Servicetechniker bereits nach einer halben Stunde eintrifft.»

Wer die Bergstation des «Bähnlis» verlässt, kann mit einem weiteren Lift fahren. Für die vertikale Erschliessung der vier Etagenwohnungen sorgt ein Swisslift Compact von AS. Bauherr Fritz Müller ist mit der neuen Anlage sehr zufrieden: «Der neue Lift funktioniert einwandfrei. Und wir haben in der Kabine wieder ein ‹Bänkli›, ganz wie früher. Davon sind unsere Grosskinder begeistert.» Als langjähriger Leiter globaler IT-Projekte bei einer Schweizer Grossbank freut sich Fritz Müller zudem über die Punktlandung: «Ein Projekt muss rechtzeitig, innerhalb des Kostenrahmens und in der nötigen Qualität abgeschlossen werden. Das ist hier der Fall.»

Baubeteiligte

  • Bauherrschaft: Fritz Müller, Luzern
  • Architektur: Alex Zollinger Architekten, Luzern
  • Baumeister: Saredi AG, Küssnacht a. R.
  • Modernisierung Schräglift: AS Aufzüge, Küssnacht a. R.