• Goodbye Libor – Hallo Saron

Goodbye Libor – Hallo Saron

15.07.2021 ALEXANDER HECK MSc Economics Ökonom Volkswirtschaft und Immobilienmarkt beim HEV Schweiz

Sie sind Besitzer einer Geldmarkthypothek, die an den Libor gebunden ist und nach 2021 verfällt? Dieser Artikel erläutert das «Wieso» und «Warum» des Tagesgeldzinssatz-Wechsels vom Libor zum Saron und wirft einen Blick auf die Auswirkungen, die Besitzer von Libor-Hypotheken verspüren werden – oder eben auch nicht.

Der Libor (London Interbank Offered Rate) – ein internationaler Referenzzinssatz – wird ab 2022 nicht mehr weitergeführt. Sein Nachfolger wird in der Schweiz der Saron (Swiss Average Rate Overnight) – ein «Übernachtzins». Der Wechsel zum Saron als neuer Referenzzinssatz erfolgt auf Empfehlung der Nationalen Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken (NAG). Der Saron wird künftig den Libor als Interbankzinssatz ersetzen. 

Libor – wieso er abgesetzt wird

Der Grund für die Absetzung ist die Tatsache, dass der Libor versucht, einen Markt zu messen – den Markt für ungesicherte Kredite zwischen Banken –, der vom Volumen her nicht mehr ausreichend aktiv ist. Die geringe zugrundeliegende Aktivität macht den Zinssatz weniger repräsentativ und dadurch fragil und anfälliger für verfälschte Liquiditätseffekte mit zusätzlichen Verstärkungswirkungen an den Finanzmärkten. 

Den Libor-Sätzen liegen Daten zugrunde, die auf tatsächlich durchgeführten Transaktionen von ungesicherten Krediten zwischen den Banken beruhen. Diese Daten werden von den kommerziellen Banken an den Libor-Administrator übermittelt. In den meisten Fällen sind besagte Transaktionen jedoch nur in zu geringem Masse oder gar nicht mehr vorhanden. Deshalb muss auf ein «Expertenurteil» abgestellt werden, bei dem es sich um eine Schätzung der Zinssätze handelt, welche die Bank für die Kredite erwarten würde. Dies führt zu einem erhöhten Abspracherisiko zwischen den Finanzinstituten, mit der Gefahr, dass die Zinssätze zu ihren Vorteilen korrigiert werden. Aufgrund des ungenügenden Geschäftsvolumens und der erwähnten Manipulationsgefahr wird der Libor per Ende 2021 abgelöst.

Ein kurzer Vergleich der beiden Zinssätze zeigt, wie ähnlich ihre Entwicklung in den letzten fünf Jahren verlaufen ist. QUELLE SNB / GRAFIK HEV SCHWEIZ

Saron – was ihn zum Nachfolger macht

Im Gegensatz zum Libor als «Tagesgeldzinssatz» ist der Saron ein «Übernachtzinssatz». Das bedeutet, er gilt für die bevorstehende Nacht bis zur Öffnung der Schweizer Börse am folgenden Morgen. Zu diesem Zinssatz können die kommerziellen Banken ihre überschüssige Liquidität bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) über Nacht «bunkern».

Der Saron wurde 2009 vom Börsenbetreiber SIX Swiss Exchange (SIX) in Zusammenarbeit mit der SNB ins Leben gerufen und wird seitdem von SIX verwaltet. Der Saron repräsentiert den neuen Referenzzinssatz des Schweizer Geldmarktes. Zur Deckung längerfristiger Verträge in Schweizer Franken, wie zum Beispiel Hypotheken, und zur Bestimmung des jeweiligen Beobachtungszeitraums werden Berechnungen für einen sogenannt zusammengesetzten Saron – auch «Compounded Saron» genannt – bereitgestellt. Diese Saron-Zinseszinssätze sind standardisierte Zinseszinssätze; sie werden durch Aufzinsung der täglichen Saron-Sätze berechnet. Daher muss bei Saron-Darlehen, bei denen der Zinssatz alle 3 Monate festgelegt wird, der durchschnittliche Zinssatz auf der Grundlage der effektiven täglichen Saron-Sätze während dieses Zeitraums festgelegt werden. Diese Tatsache hat zur Folge, dass der Zinssatz für einen Saron-Kredit, der alle drei Monate fixiert wird, erst am Ende der entsprechenden Zeitperiode bekannt ist. Der Zinssatz für einen CHF-Libor-Kredit, der alle drei Monate fixiert wird, ist hingegen bereits im Voraus, zu Beginn der Periode, definitiv bekannt.

Vorbeugen statt heilen

Wenn Sie über eine Libor-gebundene Hypothek verfügen, die nach Ende 2021 zur Ablösung kommt, sollten Sie sich über die neuen Möglichkeiten einer Geldmarkthypothek informieren. Viele Schweizer Banken haben sich dem Übergang schon gestellt und ergreifen Massnahmen, um sicherzustellen, dass Hypotheken auf robuste alternative Zinssätze umgestellt werden. Auch geben die meisten Finanzinstitute bereits Produkte heraus, die an den Saron gekoppelt sind.

Sollten Sie also noch eine mit dem Libor verbundene Hypothek im Einsatz haben, empfiehlt sich die rechtzeitige Kontaktaufnahme mit dem Berater Ihres Kreditgebers. Besprechen Sie, wie sich der Wechsel vom Libor auf einen alternativen Zinssatz wie beispielsweise den Saron konkret auf Ihren Vertrag auswirken wird. Verschiedene Banken haben auch bereits eine automatische Umstellung vom Libor auf den Saron festgelegt. Obwohl sich auch der Saron momentan gleichmässig deutlich unter Null entwickelt und sich daraus für den Hypothekarnehmer gegenüber bisherigen Libor-Hypotheken keine Nachteile ergeben, ist wie immer eine detaillierte Prüfung der Konditionen allfälliger neuer Verträge angezeigt.

HEV-Hypotheken laufen schon über den Saron

Nutzen Sie das aktuelle Tiefzinsumfeld zur Finanzierung Ihrer Liegenschaft und sichern Sie sich gleichzeitig gegen steigende Zinsen ab: Beim Abschluss einer HEV Hypothek profitieren Sie möglichst lange von den günstigen Konditionen einer Geldmarkthypothek. Sie bestimmen eine Zinsobergrenze für eine bestimmte Laufzeit einer Festhypothek. Das kostenlose Zinsüberwachsungssystem der HEV Hypothek beobachtet anschliessend die Zinsentwicklung aller Festhypotheken. Wird eine Grenze überschritten, die Sie für sich festgelegt haben, werden Sie automatisch via E-Mail oder telefonisch von einem HEV-Hypothekenberater kontaktiert, um die weitere Hypothekar-Strategie zu besprechen. Zusätzliche Informationen finden Sie unter: www.hev-hypothek.ch