• Gärten fürs Mittelmeerklima

Gärten fürs Mittelmeerklima

16.07.2020 SABINE STAUFFER-STIEBELLEHNER Landschaftsgärtnerin und -architektin HTL / BSLA, Grünplan GmbH

Gärten sollten künftig vermehrt aufs Mittelmeerklima ausgerichtet werden, denn wir müssen in Zukunft häufiger mit heissen, trockenen Sommern und feuchtwarmen Wintern mit Spätfrost rechnen.

Mittelmeerklima bedeutet unter anderem, dass Regen nur lokal, dann aber in Form von heftigen Gewittern fällt. Die Begrünung mit trockenresistenten Pflanzen, schattierte Aufenthaltsbereiche, gegen Starkregen gesicherte Böschungen und ein sparsamer Umgang mit kostbarem Wasser sind daher wichtige Gestaltungsschwerpunkte.

Das braucht es im mediterranen Garten

1. Umgang mit Hitze: Je grüner ein Freiraum, desto kühler ist er. Am wichtigsten sind grosse Bäume, die vor der Sonne schützen. Ergänzt sein sollten diese von unversiegelten, bepflanzten Flächen, die Wasser aufnehmen und wieder abgeben. Grünhecken sind winddurchlässig, und es entsteht so keine Stauwärme. Wenn Mauern nötig sind, können diese mit Selbstklimmern wie wildem Wein, Efeu oder am Schatten mit Kletterhortensien begrünt werden.

Bodenbeläge aus dunklem Stein heizen sich besonders stark auf und speichern die Hitze bis in die Nacht. Hingegen schaffen helle Materialien, die beliebten Holzbeläge, Kleinsteine mit offenen Fugen oder generell Kiesflächen, die Wasser aufnehmen und verdunsten, ein angenehmeres Klima.

2. Gezielt bepflanzt: Ein markanter Baum betont den Eingang und schattiert Parkplätze. Den meist nahe beim Haus gelegenen, gepflasterten Hauptsitzplatz kann eine Pergola überspannen, am besten üppig von Kletterpflanzen bewachsen. Bis diese gross sind, schattiert ein luftdurchlässiges Tuch den Aufenthaltsbereich. Es lässt Regen bzw. Wind durch, so dass sich die Hitze nicht darunter staut.

Jeder Freiraum benötigt zusätzliche Schattenplätze mit kühlem Untergrund. Beliebt sind wassergebundene Beläge für den Boden und geometrische Baumdächer, wie man sie aus dem Süden kennt. Wenn eine schöne Aussicht besteht, ist es sinnvoll, die Bäume flach zu schneiden. Ansonsten können Bäume wie Kugelahorn, Blasen- oder Trompetenbaum, die natürlich breit wachsen, gesetzt werden.

Die Bäume sollen schattenspendende Blätter aufweisen, was nicht selbstverständlich ist. Denn an trockene, sonnige Standorte angepasste Bäume, wie etwa Robinien, verfügen von Natur aus über kleine, häufig geschlitzte oder Fiederblätter. Schattenbäume für das Mittelmeerklima erkennt man an glänzenden wachsartigen Blättern (z.B. Magnolien) oder an behaarten Blättern (Flaumeiche oder Sommerlinde). Auch einheimische wilde Birne und Äpfel, Hainbuche oder Feldahorn gedeihen bestens an trockenen Südlagen. Zugewanderte, bzw. eingeführte Pflanzen wie Nussbaum, Platane, Ginkgo, Schnurbaum oder Zelkove stammen aus wärmeren Klimagebieten und sind an warme Standorte gut angepasst.

3. Der richtige Zeitpunkt: Containerpflanzen verlocken dazu, Pflanzen zu setzen, wenn gerade Bedarf besteht. In Zeiten des Klimawandels wird die Herbstpflanzung, wie sie früher üblich war, jedoch wieder wichtiger. Im kühlen, feuchten Halbjahr können die gesetzten Arten wirklich anwachsen. Nur Stauden – also mehrjährige, nicht verholzte Pflanzen – gediehen bis anhin im Frühling gepflanzt besser. Wurden sie erst im Herbst gepflanzt, hob der Frost sie im Winter aus dem Boden. Jetzt, da Minusgrade seltener werden, kann der Garten aber bereits im Herbst fertiggestellt werden – inklusive Rasensaat. Diese keimt häufig in einem warmen Dezember auch noch.

4. Schwerpunkte setzen: Auch bei knappem Budget – ein von Anfang an grösserer Baum, der den Aufenthaltsbereich zwischen 13 und 15 Uhr beschattet, muss sein. Genauso wichtig ist ein Schattenplatz im Grünen für Sitzbank, Liegestühle, Hängematte, Lounge, oder sogar eine Arena mit Feuerschale für milde Sommerabende. Für Kinder braucht es zudem beschattete Spielbereiche, eine kühle Ecke mit Sandkasten, Halbschatten für ein Planschbecken, Grosssträucher zum Klettern oder ein Schaukelbaum. Im Neubaubereich wird als Ersatz meist ein Spielgerät aufgestellt. Wenn es aus Metall ist, kann es mit Schlingern romantisch überwachsen werden. Ein Tunnel aus Weiden oder zusammengebundenen Haseln schattiert nicht nur die heisse Metallrutsche, auch Plastik verschwindet darunter malerisch.

5. Wasser, sparsam eingesetzt: Dachwasser ableiten oder versickern zu lassen, ist schade. Ein Sammelschacht oder ein grosszügiger unterirdischer Wasserspeicher lohnen sich. Mit einer Schwengel- oder sogar elektrischen Pumpe kann der Gemüsegarten gewässert oder ein kleines Wasserspiel gespeist werden. Für Letzteres stehen südliche Gärten Pate: Ein Brunnen ist dort meist liebevoll gestaltet oder sogar mit Skulpturen verziert, um das kostbare Wasser in Szene zu setzen.

Regenwasser speist den Eingangsbrunnen und dient zum Giessen. 

Da aber gerade in heissen Jahreszeiten kaum Regen fällt, steht das Wassersparen im Vordergrund. Deshalb sollten ausschliesslich nicht winterharte Pflanzen, die täglich gewässert werden müssen, in Kübel gepflanzt werden. Sonnenzugewandte Böschungen müssen vollständig und gezielt bepflanzt sein. Sonst schwemmt Starkregen Erde ab: Sedum, Bleiwurz, Katzenminze, Günsel oder Andenpolster eignen sich dafür. Ergänzt werden sie durch nicht einheimische, aber an heissen Böschungen standortgerecht gepflanzte Perückensträucher oder durch einen Judasbaum und die hiesige Felsenbirne. Deren Früchte sind essbar, genauso wie diejenigen der sonnenhungrigen Feige sowie von Maulbeer- oder Mandelbaum und Mispel.

Eine automatische Bewässerung ist ein bequemes Mittel, um Gärten schön grün zu halten; auf Dachterrassen ist eine solche sogar unabdingbar. Sie kann auf die frühe Morgenstunde programmiert werden, damit das Wasser gut in die Erde eindringt, aber Pilze keine feuchten, warmen Blätter befallen können. Wenn aber das Wässern von Gärten wegen Wasserknappheit verboten wird, nützt auch eine Bewässerungsanlage nichts. Hinzu kommt, dass die Wasserpreise mit der Erwärmung weiter steigen werden und das Bewässern teurer zu stehen kommen wird.

Je grüner, desto kühler

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Mittelmeergärten die Lebensqualität – insbesondere in Städten mit verdichteten und versiegelten Überbauungen – verbessern, wenn Folgendes berücksichtigt wird: eine ausreichende Beschattung, helle, wasserdurchlässige Böden, begrünte Böschungen, Mauern und Wände – und vor allem eine üppige, an Trockenheit angepasste Bepflanzung. Denn je grüner, desto kühler ist es. Damit leistet jede Grünfläche einen kleinen Beitrag gegen die Erderwärmung.

Dieser grossartige Schattenbaum schützt vor Sonne und Hitze.

WEITERE INFOS

Die Landschaftsarchitektinnen der Grünplan beraten Bauherren, erstellen erste Skizzen bzw. Pflanzvorschläge vor Ort und gestalten individuelle Gartenkonzepte in der Ostschweiz und im Grossraum Zürich. Falls kein Besuch vor Ort möglich oder erwünscht ist (örtliche Distanz, Sicherheit), sind auch Fernplanungen möglich. www.gruenplan.ch