• Farbe im Bad

Farbe im Bad

16.07.2020 MICHALEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Bad – Weisse Badezimmer wirken hell und sauber, sind zuweilen aber etwas langweilig. Mit bunten Wänden, Fronten oder Waschbecken kommt mehr Stimmung ins Bad. Je nach Budget kann man so neue Akzente setzen.

Das klassische Badezimmer setzt ganz auf Weiss. Für farbige Akzente müssen meistens die Handtücher oder ein, zwei Accessoires sorgen. Wer es bunter mag, kann eine oder mehrere Wände streichen lassen. Wichtig ist allerdings die korrekte Farbwahl. «Auf keinen Fall sollte man zu einer Farbe für den Aussenbereich greifen. Viele Aussenfarben enthalten Biozide, damit sie nicht von Schimmelpilzen befallen werden. Das ist aber Gift und gehört keinesfalls in den Innenraum», sagt Peter Seehafer. Der diplomierte Malermeister ist Bereichsleiter Malergewerbe beim Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV). Gut geeignet sind normale Innenraumfarben. Auf den meisten gängigen Putzen im Badezimmer kann auch eine Organo-Silikatfarbe (Farbe mit mineralischen Bindemitteln) verwendet werden.

Bei der Farbwahl rät Peter Seehafer zwei Dinge: «Erstens sollte man vom persönlichen Geschmack ausgehen, und sich zweitens nicht scheuen, die Farbe nach einigen Jahren zu verändern. Farbtöne passen nicht immer für die Ewigkeit. Ein bonbonrosa Kinderzimmer muss man irgendwann ja auch in ein Teenager-Zimmer verwandeln.» Ein Knackpunkt stellt meistens die Wirkung der Farbe dar. Denn eine kleine Farbmusterkarte vermittelt nicht dasselbe Bild wie eine gestrichene Wand. «Auf der Fläche wirken die Farben meistens intensiver. Gerade bei Blautönen muss man aufpassen. Auf dem Muster wirkt zum Beispiel ein Hellblau wunderbar, wenn aber die ganze Wand damit gestrichen wird, erschlägt es einen fast», berichtet Seehafer. Bei der Farbwahl und natürlich auch bei der Ausführung kann man auf einen Malerbetrieb setzen. Der SMGV empfiehlt, lokale Handwerker zu unterstützen, idealerweise solche, die auch Lernende ausbilden. 

Farbige Akzente

Wer mehr Farbe, aber nicht gleich bunte Wände möchte, kann auch beim Vorwandsystem zu Farbtönen greifen. Der Schweizer Hersteller Talsee bietet zum Beispiel die Kollektion «Artisan». Deren Fronten werden mit handgefertigten, ofenglasierten Terracotta- Fliesen aus Portugal belegt. Mit verschiedenen Materialkombinationen und Farben, unter anderem einem meeresnahen Türkis, kann man im Handumdrehen einen neuen Akzent setzen. Gut geeignet sind auch farbige Aufsatzwaschbecken. Diese werden entweder auf den Waschbeckenunterschrank oder auf ein Tischblatt aufgesetzt und besitzen eine leichtere, gefälligere Erscheinung als ein wandhängendes Becken. Inzwischen bieten zahlreiche Hersteller solche Aufsatzwaschbecken an.

 

Die «Artisan»-Kollektion von Talsee glänzt mit handgefertigten Terracotta-Fliesen in verschiedenen Farben. Bunte Vielfalt: «Wave» von Simas. (v.l.n.r.)

Pariser Chic

Die «Artis»-Modelle von Villeroy & Boch sind je nach Geschmack und Platzverhältnissen mit runder, ovaler, rechteckiger oder quadratischer Form erhältlich. Die deutsch-dänische Innenarchitektin Gesa Hansen entwickelte ein Farbkonzept mit 12 Tönen, die von den Jahreszeiten in Paris inspiriert sind. Ergänzt werden diese mit neutralen Nuancen aus Schwarz und Grau. Die Becken sind aus dem keramischen Werkstoff TitanCeram gefertigt. Dieser besteht unter anderem aus Feldspat, Quarz und Ton und ermöglicht besonders schlanke Materialstärken. Als Glasur verwendet Villeroy & Boch die hauseigene «TitanGlaze» mit Mattoptik. Durch die Verwendung von kristallinem Aluminiumoxid wird die Oberfläche besonders kratz- und schlagbeständig. Ebenso soll sie schneller und mit weniger Reinigungsmitteln sauber werden als klassische Sanitärkeramik.

Auf Farbsättigung statt Akzente setzt die italienische Firma Simas. Ihre «Wave»-Kollektion umfasst elf verschiedene Farbtöne von Myrte bis Pflaume, ergänzt durch Schwarz und Weiss. Je nach Farbe sind die Oberflächen entweder matt oder glänzend veredelt. Auch diese Modelle sind wahlweise rund, oval, rechteckig oder quadratisch erhältlich. Durch die asymmetrische Gestaltung der Ränder ergibt sich ein gefälliges, leichtes Erscheinungsbild. Die Wandstärke der Becken beträgt lediglich acht Millimeter, und selbst der Ablaufdeckel ist im jeweiligen Farbton gehalten.

Farben ohne Ende

Ein weiterer italienischer Hersteller ist Cielo. 2013 stellte er «Terre di Cielo» vor, eine Serie von Waschbecken mit matten Tönen. Hinter dem Design stehen Andrea Parisio und Giuseppe Pezzano. Die beiden Gestalter sind von der Bedeutung der Farben überzeugt: «Farben sind nicht trivial. Sie führen ein Eigenleben und finden sich selbst im Inneren von Muscheln, die tief auf dem Meeresboden ruhen.» Mit den «Acque di Cielo» zeigt Cielo nun eine weitere Interpretation. Sechs leuchtende Farbtöne mit intensiven Schattierungen sollen die Vielfalt der Natur ins Badezimmer bringen und klingen wie ein Gedicht: Oltremare, Smeraldo, Alga, Corallo, Ninfea und Anemone.

 

«Acque di Cielo» bringt mit sechs leuchtenden Farbtönen die Palette der Natur ins Bad. Der Waschtisch «Settecento» von Flaminia lehnt sich mit seiner Kannelierung an barocken Taufbecken an. (v.l.n.r.)

Wer sich weder mit bunten Waschbecken noch mit glatten weissen Oberflächen anfreunden kann, wird vielleicht bei Flaminia fündig. Der italienische Hersteller stellte 2019 das Waschbecken «Settecento» vor. Gestaltet vom bekannten Designer Giulio Cappellini, orientiert es sich an den marmornen Weihwasserbecken katholischer Kirchen aus dem 18. Jahrhundert. Ganz so massiv (und schwer) ist «Settecento» nicht, weil es aus Keramik besteht. Die dreidimensionale Gestaltung des Materials, die an die Kannelierung der Marmorbecken angelehnt ist, sorgt jedoch für interessante Licht-Schatten-Spiele und bricht damit das übliche Weiss.