• Energieversorgung: Das Gas kommt für alle aus derselben Leitung

Energieversorgung: Das Gas kommt für alle aus derselben Leitung

14.02.2020 aNR HANS EGLOFF, Präsident HEV Schweiz

Eines der letzten natürlichen Monopole in der Energieversorgung der Schweiz soll fallen. Der Bundesrat hat hierzu ein neues Gesetz zur Gasversorgung (GasVG) in die Vernehmlassung gegeben.

Der Traum vom freien Markt

Im Strombereich können zumindest die Grosskunden ihren Stromlieferanten frei wählen. Die kleinen Kunden haben aktuell die Wahl zwischen den verschiedenen Stromprodukten eines einzelnen Anbieters – die komplette Marktöffnung ist angedacht. Nicht so bei der Gasversorgung: Die Schweiz ist – bedingt durch die Nord-Süd-Transitleitungen – ideal an das europäische Gasnetz angeschlossen. Der freie Markt endet jedoch nach den Abzweigungen ins nationale Verteilnetz. Der Endkunde ist dem lokalen Energieversorger ausgeliefert und muss nehmen, was er bekommt: zum Preis, den der Energieversorger vorgibt. Die Freiheit besteht einzig darin, zusätzliche Biogas-Zertifikate erwerben zu können.

Dies soll sich nun ändern. Die Vorlage zum neuen Gasversorgungsgesetz sieht auch für den Gasmarkt einen teilliberalisierten Markt vor. Analog zum Strommarkt sollen Grosskunden ihren Gaslieferanten in Zukunft frei wählen können. Die Netzbetreiber werden dadurch verpflichtet, auch das Gas ihrer Konkurrenz durch die eigenen Leitungen zu transportieren. Im Gegenzug dürfen sie ein Netznutzungsentgelt in Rechnung stellen.

Weshalb nicht gleich den gesamten Gasmarkt öffnen?

Als 2009 die Teilmarktöffnung im Stromsektor Realität wurde, stellte man in Aussicht, dass der Strommarkt innert fünf Jahren ganz geöffnet werden sollte. Noch immer warten die kleinen Stromkunden auf diesen Moment.

Gleiches soll sich nach Meinung des Bundesrates nun auch in der Gasversorgung wiederholen. Einziger Unterschied: von einer Gesamtmarktöffnung wird gar nicht erst gesprochen. Erneut sollen Kunden mit einem Jahresverbrauch von unter 100 000 kWh Gasverbrauch pro Jahr weiterhin an ihren regionalen Gasversorger gebunden bleiben. Allerdings sind 100 000 kWh Gas nicht 100 000 kWh Strom. Während beim Strom erst energieintensive kleine KMU in die Kategorie der freien Kunden kommen, sind es beim Gas bereits Besitzer mittelgrosser Mehrfamilienhäuser. Die Segmentierung der Gaskunden scheint hier sehr willkürlich vorgenommen worden zu sein. Umso mehr stellt sich die Frage, weshalb nicht gleich der gesamte Gasmarkt geöffnet wird?

Die Begründung für eine nicht vollständige Marktöffnung mutet etwas seltsam an. Durch die zunehmende energetische Erneuerung von Wohnbauten würden die einzelnen Bezüge sinken. Zudem erarbeiteten immer mehr Gemeinden Energierichtpläne. Der damit verbundene Rückzug von Gasnetzen sei einfacher zu bewerkstelligen, wenn Netzbetreiber und Energielieferant identisch seien. Zumal solche Schritte von langer Hand geplant werden müssen, dürfte die Koordination von zwei Playern nicht das verhindernde Element sein. 

Entsprechend hat sich der HEV Schweiz innerhalb der Vernehmlassung klar für eine komplette Marktöffnung ausgesprochen.