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Elektroladestation im Wohnhaus

01.11.2019

Fahren mit Strom kann nur, wer den Akku seines Autos auch geladen hat. Am einfachsten geschieht dies über Nacht auf dem eigenen Parkplatz.

Die Elektromobilität ist beinahe allgegenwärtig. Entsprechend steigt auch die Nachfrage nach geeigneten Ladestationen. Dies insbesondere am Wohn- und Arbeitsort, stehen die besagten Fahrzeuge doch die meiste Zeit an diesen Plätzen. Im Gegensatz zum E-Bike, bei dem der Akku bequem ausgebaut und in der Wohnung aufgeladen werden kann, ist dies bei Elektrorollern und -autos nicht möglich. Hinzu kommt, dass ein Anschluss an eine normale Haushaltssteckdose von 230 Volt oft nicht ausreicht, das Anschliessen daran mitunter gar gefährlich sein kann.

Welche Ladestation passt?

Wer eine Ladestation einrichten möchte, muss sich zuerst Gedanken darüber machen, für wen und für welchen Zweck die Station eingerichtet werden soll. Ist es das Ziel, dass man nur sein eigenes Auto – oder dass ein Mieter das seinige – auf dem persönlichen Parkplatz aufladen kann, empfiehlt sich die Installation einer «Home Charge Device»-Ladestation (HCD). Ein vollständiger Ladezyklus an einer solchen Station dauert vier oder mehr Stunden. Das System ist also ideal, um das Auto über Nacht auf den nächsten Tag vorzubereiten. Diese Ladeart ist mitunter auch die akkuschonendste. HCDAnlagen können als Kompaktmodelle inklusive Sicherung und Zähler montiert werden. Dank optionaler Tarifsteuerung bieten die HCD-Geräte auch im Betrieb einen hohen Komfort. So kann zum Beispiel der Ladezyklus auf die Niedertarifzeiten begrenzt werden, oder das Auto wird nur geladen, wenn die hauseigene Photovoltaikanlage Strom liefert. Kommunizieren mehrere Ladestationen untereinander, kann zudem sichergestellt werden, dass der bestehende Hausanschluss nicht überlastet wird oder gar ausgebaut werden muss.

Bei Standplätzen vor Einkaufshäusern oder Restaurants kommen tendenziell sogenannte Schnellladestationen zum Einsatz. Hier dauert der Ladevorgang lediglich rund 30 Minuten. Dies ist für den Akku zwar belastend, sichert jedoch die unbeschwerte Weiterfahrt nach dem Einkauf oder der Kaffeepause.

Das Netz der Schnellladestationen wird laufend ausgebaut. Allerdings konnte sich bis heute noch kein einheitlicher Standard durchsetzen, der ein flächendeckend einheitliches Zahlungssystem anbieten würde. Mittels einer entsprechenden App und einer Kreditkarte kann jedoch beinahe überall geladen werden.

Technische Aspekte

Ladestationen müssen immer durch einen konzessionierten Elektriker montiert werden. Bei der Installation ist darauf zu achten, dass jeder Anschluss über eine eigene Absicherung und einen Fehlerstromschutzschalter (FI) verfügt.

Je nach Fahrzeug ist eine Spannung von 230 V oder 400 V notwendig, jeweils mit 16 Ampere abgesichert. Landesübliche Steckdosen (Typ 13, 23) sind für diese langen Ladezyklen nicht geeignet. Demgegenüber bieten die Industriesteckdosen (CEE 16) eine erhöhte Belastbarkeit.

Beim Ausrüsten von mehreren Anschlussplätzen ist die Installation mittels einer Stromschiene in Betracht zu ziehen. Dadurch kann die Grundinstallation einfach für mehrere Abstellplätze vorgenommen werden. Die eigentliche Montage der Ladestation erfolgt bei Bedarf je Abstellplatz.

Mietrechtliche Aspekte

Während sich der Eigentümer eines Einfamilienhauses lediglich mit den technischen Grundlagen auseinandersetzen muss, stellen sich für einen Vermieter zusätzliche Fragen. Wie ist vorzugehen, wenn sich ein Mieter ein Elektroauto angeschafft hat und dieses nun auf seinem Parkplatz aufladen möchte? Es steht dem Vermieter frei, diesem Wunsch des Mieters nachzukommen. Möchte ein Vermieter eine Ladestation zur Verfügung stellen, ergeben sich daraus verschiedene Vorgehensweisen: Wer veranlasst die Installation, und wer bezahlt diese? Des Weiteren stellt sich die Frage, wie die Verrechnung der Stromkosten zu regeln ist. Während bei einem Restaurant der Gratisbezug des Stroms an der Schnellladestation als Akquisitionsmittel angesehen werden kann, ist dies im Wohnhaus nicht der Fall. Bei durchschnittlich ein bis fünf Franken Stromkosten pro Vollladung und angenommenen 200 Ladungen im Jahr kommen schnell einmal 400 bis 800 Franken zusammen. Dieser Betrag kann aber nicht über den Allgemeinstrom sämtlichen Mietern aufgebürdet werden. Weitere Fragen stellen sich beim Wegzug eines Mieters, der eine Ladestation hatte, wenn für diese beim Nachmieter kein Bedarf mehr besteht.

Es ist wichtig, die Fragen vorgängig zu klären und eine klare schriftliche Vereinbarung zu treffen. Zu diesem Zweck hat der HEV Schweiz ein Merkblatt und eine Mustervereinbarung ausgearbeitet. Darin werden die Vor- und Nachteile beim Einrichten einer gemeinschaftlichen oder einer fest zugeteilten Ladestation aufgeführt. Weiter wird das mietrechtliche Vorgehen erläutert, und es wird eine mögliche Berechnungsformel für einen allfälligen Mietzinsaufschlag für den jeweiligen Parkplatz angegeben.

Entscheidet sich der Vermieter, dass der Mieter den Ladeanschluss auf eigene Kosten zu installieren hat, kann die neue Mustervereinbarung als Grundlage dienen.

Beinahe die gleichen Fragen stellen sich bei der Einrichtung einer Ladestation im Stockwerkeigentum. Auch hier macht sich eine vorgängige Absprache mit den übrigen Miteigentümern bezahlt. Es sollte bereits zu Beginn der mögliche Endausbau angedacht werden. Dadurch würden sich zwar einzelne Eigentümer an einer Grundinstallation beteiligen, die sie allenfalls erst Jahre später oder gar nie selbst benützen werden. Dennoch lohnt sich ein strukturelles Vorgehen, damit für den späteren Ausbau bereits getätigte Installationen nicht wieder herausgerissen werden müssen. Auch zum Stockwerkeigentum sind entsprechende Merkblätter verfügbar.

Merkblatt technische Installationen

Ratgeber für die Installation von Ladesystemen für eFahrzeuge, 2017, Download unter: www.emobility-schweiz.ch