• Eigenstrom-Optimierung im Achtfamilienhaus

Eigenstrom-Optimierung im Achtfamilienhaus

12.10.2018 THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

Energie – Acht Wohnungen profitieren in Beckenried (NW) dank Eigenverbrauchs von günstigen Konditionen für den selbst erzeugten Solarstrom. Unser Online-Voting hat deutlich gezeigt, dass Sie, liebe Leser, darüber mehr erfahren möchten.

2017 entstand in Beckenried (NW) an erhöhter Lage und mit Sicht auf den Vierwaldstättersee ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen. Energetisch erfüllt es den Minergie-A-Standard und ist für den Kanton Nidwalden erst das dritte in diesem Standard ausgezeichnete Gebäude.

Minergie-A steht für eine gute Wärmedämmung sowie die Deckung der Betriebsenergie (Heizung und Warmwasser) in der Jahresbilanz durch die eigene Stromproduktion. Für Minergie-A-Neubauten sind zudem keine fossilen Energieträger zugelassen.

Umgesetzt hat man diese Forderungen beim MFH in Beckenried durch eine Erdsonden-Wärmepumpe sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach. Insgesamt wurden 170 m2 Photovoltaikmodule verlegt. Die übrige Fläche bedecken Dachaufbauten oder sie ist als Zugangsweg für den Unterhalt ausgespart.

Die beinahe liegend angebrachten Modulflächen sind nach Südost und Nordwest ausgerichtet und produzieren so fast über den gesamten Tag hinweg Strom. Das ist deshalb spannend, weil in den Randstunden Elektrizität produziert wird, die Mittagsspitze aber deutlich kleiner ausfällt. 

Optischer Pluspunkt: Durch die flache Anordnung sind die Module von der Strasse aus nicht sichtbar. Die Anlage mit 29,6 kW Leistung produziert über das ganze Jahr ca. 24 000 kWh Strom. Dies entspricht gut der Hälfte des Energiebedarfs für die Wärmepumpe und den Haushaltsstrom der acht Wohneinheiten während eines Jahres.

Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV)

Vom selbst produzierten Strom werden ungefähr 57 Prozent direkt vor Ort verbraucht, die restlichen 43 Prozent werden ins öffentliche Netz eingespeist. Um den Eigenbedarf möglichst hoch halten zu können, wurde ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gegründet. Somit verfügt das Haus lediglich über einen Hausanschlusszähler des Elektrizitätswerkes. Die interne Abrechnung erfolgt über private Zähler.

Die Kosten

Für die gesamten Installationen der Photovoltaikanlage investierte die Bauherrschaft insgesamt 60 550 Franken. «Dazu kommen nochmals 14 340 Franken für die intelligente Steuerung zur Optimierung des Eigenverbrauchs », erläutert Thomas Käslin von der E-Man AG, der als Projektleiter für die Photovoltaikanlage zeichnet. Mit gut 16 200 Franken konnte ein Viertel der Investitionskosten für die Photovoltaikanlage über die Einmalvergütung gedeckt werden.

Auf der Einnahmeseite stehen der Stromverkauf an die Bewohner und die Netzeinspeisung. Den Mietern wird ein Preis von 21 Rp. / kWh verrechnet. Dies ist rund zwei Rappen günstiger als der ortsübliche Stromtarif. Einen weiteren Anreiz schafft der Eigentümer durch das Anbieten einer Ladestation für Elektroautos, an der Mieter wie auch Besucher kostenlos Strom beziehen können. Seitens des Gemeindewerks Beckenried wird für den eingespeisten Strom 6,5 Rp. / kWh vergütet.

Zukunftspläne

Die gesamte Energie- und Strommessung wird über intelligente Zähler vorgenommen. Dank einer Cloudlösung und einer speziellen App können die Bewohner der Liegenschaft jederzeit ihren Energieverbrauch kontrollieren. Mittels eingebauter LED-Anzeigen in den Decken wird zudem signalisiert, wann das Haus auf Überproduktion läuft. Die Mieter werden somit aktiv in die Nutzung des eigenen Solarstroms miteinbezogen. Auch das System reagiert auf die Stromproduktion und lädt die Warmwasserspeicher primär mit Photovoltaikstrom.

Mithilfe von weiteren Speichermöglichkeiten soll das Haus in Zukunft noch mehr eigenen Strom nutzen können. «Mit einem zusätzlichen Batteriespeicher könnte der Tagesstrom für die Nacht nutzbar gemacht werden, und es würde weniger grüner Strom günstig ans Netz abgegeben», erklärt Käslin die geplanten weiteren Schritte.