• E-Mobilität gewinnt an Fahrt

E-Mobilität gewinnt an Fahrt

29.10.2020 FAKTOR JOURNALISTEN, ZÜRICH Im Auftrag des Bundesamts für Energie

E-Mobility – Elektrofahrzeuge werden in der Schweiz zunehmend beliebter, ihr Anteil bei Neuzulassungen und ihre Verbreitung steigen. Anfang 2020 waren rund 33 000 reine Elektroautos unterwegs.

Für die Alltagsmobilität des modernen Menschen spielt das Auto eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sollen Treibhausgasemissionen vermindert werden. Neben den effizienter und sauberer werdenden konventionellen Antrieben sind alternative Antriebssysteme gefragt – hierzu zählt die Elektromobilität. Für viele gilt die Elektromobilität als das Antriebskonzept der Zukunft. Geht es nach der Politik, soll der Anteil der Elektroautos merklich wachsen. So verfolgt etwa die «Roadmap Elektromobilität 2022» das Ziel, den Anteil sogenannter «Steckerfahrzeuge » – also reiner Elektroautos und Plug-in-Hybride – bei den Neuzulassungen von Personenwagen bis ins Jahr 2022 auf 15 Prozent zu erhöhen. «Im Jahr 2019 haben die Neuzulassungen von Elektroautos in der Schweiz mit 5,6 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Auch die ersten drei Monate 2020 schliessen an diese Entwicklung an, und der Anteil der Steckerfahrzeuge betrug 9,7 Prozent», sagt Stephan Walter, Fachspezialist Mobilität beim Bundesamt für Energie BFE.

Portale, Informationen und Programme

Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, ein Elektrofahrzeug anzuschaffen, steht vor zahlreichen Fragen. Unter dem Titel «Elektromobilität hält Einzug in den Alltag» bietet EnergieSchweiz ein Portal, das einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Elektromobilität bietet. Die Auswahl an Modellen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Links zu Angebotsübersichten ermöglichen einen Vergleich verschiedener Modelle unterschiedlicher Hersteller. Auch die Website www.swiss-emobility.ch bietet diverse Informationen für Private und Unternehmen. Sie informiert beispielsweise über Projekte wie «charge4work» – Elektromobilitätsberatung für Unternehmen. Charge4work unterstützt Unternehmen bei Fragen rund um die Elektromobilität. Die Unternehmen erhalten konkrete und realisierbare Handlungsempfehlungen für Massnahmen, um Ladestationen zu errichten oder die Fahrzeugflotte zu elektrifizieren. Weiter finden sich Hinweise zu Förderprogrammen oder Ladetechniken und -infrastrukturen. Fakten- und Merkblätter geben Auskunft über die aktuelle Entwicklung bei der Elektromobilität.

Reichweite

Die Reichweite des Elektroautos ist eines der wichtigsten Kriterien. Aktuelle Fahrzeuge bieten Reichweiten von gut 300 bis 400 Kilometern, einige bis 600 Kilometer. Dabei hängt die Reichweite von zwei Faktoren ab: dem Verbrauch je 100 km und der Akkugrösse. Je grösser der Akku, desto grösser ist auch die Reichweite. Mit zunehmender Akku-Kapazität steigen aber der Preis und das Fahrzeuggewicht. Letzteres führt zu einem höheren Verbrauch, der seinerseits die Reichweite reduziert. Grössere Akkus brauchen auch mehr Platz im Fahrzeug. Daher gibt es keine Kleinwagen, die eine Reichweite von 500 km schaffen.

Freie Ladestation finden

In direktem Zusammenhang mit der Reichweite steht die Verfügbarkeit von Ladestationen. «Was häufig unterschätzt wird: Die Schweiz hat eines der dichtesten öffentlichen Ladenetze für Elektroautos in Europa», betont Stephan Walter. Die Betreiber von Ladestationen haben zusammen mit EnergieSchweiz, dem BFE und swisstopo eine interaktive Anwendung für die Suche nach Ladestationen realisiert. Das Tool unter www.ich-tanke-strom.ch erlaubt das Auffinden einer Ladestation in der Nähe und zeigt in Echtzeit, ob diese frei ist. Lenker von Elektroautos finden so schnell und zielsicher eine freie Ladestation.

Ladeinfrastruktur in Gebäuden

Da Elektrofahrzeuge am besten dort geladen werden, wo sie über längere Zeit stehen, laden viele Besitzer ihr E-Auto zu Hause. Dort kann das Fahrzeug beispielsweise mit einer Wandladestation relativ einfach über mehrere Stunden angeschlossen bleiben. Bei Mietobjekten stellt sich die Frage, wer die Installation einer Ladestation veranlasst und bezahlt. Auch das Verrechnen der Stromkosten muss klar geregelt sein. Das SIA-Merkblatt 2060 «Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden» vom 1. Mai 2020 hat zum Ziel, die Situation für die Elektromobilität im Gebäudebereich zu verbessern. Es soll sicherstellen, dass die Elektromobilität bei Neu- und Umbauten angemessen berücksichtigt wird. Das Merkblatt umfasst standardisierte Empfehlungen und eine konkrete Vorgehensweise für Interessensgruppen wie Architekten, Investierende, Bauherrschaften oder Betreiber von Immobilien.

Förderung

Für Elektroautos wird von der eidgenössischen Zollverwaltung keine Automobilsteuer bei der Einfuhr aus dem Ausland erhoben. Diese entspräche 4 Prozent des Kaufpreises. Ob der Händler die Einsparung weitergibt, ist ihm überlassen. 1000 Franken pro Auto und 2000 Franken pro Lieferwagen zahlt die Klimastiftung Schweiz an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die auf Elektromobilität wechseln. In vielen Kantonen erhalten Eigentümer von Elektroautos einen zeitlich beschränkten oder dauerhaften Rabatt auf die Motorfahrzeugsteuer. Einige Kantone, Gemeinden und Energieunternehmen fördern zudem den Kauf eines Elektroautos mit einer Prämie. Einen guten Überblick über die Kaufprämien sowie die Reduktionen bei den Motorfahrzeugsteuern finden sich auf der Website www.co2tieferlegen.ch oder auf www.swiss-emobility.ch 

Beachtliche Fortschritte

«Elektroautos sind heute alltagstauglich. Innerhalb weniger Jahre hat sich die durchschnittliche Batteriekapazität und damit die Reichweite der Elektroautos deutlich vergrössert, die Ladezeiten sind gesunken und die Fahrzeuge werden erschwinglicher. Mittlerweile gibt es eine grosse Auswahl an Modellen», so Stephan Walter.

Der Energieverbrauch von Elektroautos ist deutlich niedriger als bei anderen Antriebskonzepten. Das liegt am hohen Wirkungsgrad des Elektromotors von über 70 Prozent. Das heisst, mehr als 70 Prozent der eingesetzten Energie wird in Fortbewegung umgesetzt. Elektrisch betriebene Fahrzeuge tragen dazu bei, dass die Verbrennung fossiler Treibstoffe reduziert wird und CO2-Emissionen vermindert werden. Nähere Auskunft hierüber gibt das Faktenblatt «Umweltauswirkungen von Personenwagen» von EnergieSchweiz. Allerdings benötigen auch Elektroautos Energie für ihre Herstellung und den Antrieb. Besitzer von Elektroautos können jedoch durch den Kauf des Stromprodukts, beziehungsweise durch den Strommix, selbst bestimmen, von welchen Energieträgern der Strom für ihr Auto stammen soll.

Wo laden? Am besten dort, wo das Elektrofahrzeug über längere Zeit steht: daheim in der Garage oder am Arbeitsplatz. BILD HEV SCHWEIZ