• Die Post ist da – Sie aber nicht

Die Post ist da – Sie aber nicht

31.05.2019 Yvonne Lemmer, HEV, Redaktion

Briefkästen – Nicht zu Hause? Paketboxen ermöglichen es, dass «Päckli» auch bei Abwesenheit sicher deponiert werden. Es gibt Modelle fürs Ein- wie auch fürs Mehrfamilienhaus. Sie sind eine praktische Antwort auf den Onlineshopping-Trend.

Sie sind gerade an der Arbeit, mit den Kindern auf dem Waldspielplatz oder mit dem Welpen im Hundekurs. Zur gleichen Zeit klingelt ein Mitarbeiter der Paketpost an Ihrer Haustür, um Ihnen ein grosses Paket auszuhändigen. Vor wenigen Tagen haben Sie online für die Wanderferien eingekauft: Rucksack, Wanderschuhe und Teleskopstöcke. Weil das Paket die Masse Ihres Milchkastens sprengt, nimmt der Bote die Sendung wieder mit. Später ärgern Sie sich, dass Sie nicht da waren und nun einen Abholschein im Briefkasten vorfinden. Der Gang zur Poststelle wird notwendig – und eine Abholung ist teilweise erst am nächsten Tag möglich. Eine mühsame Situation, die wir alle kennen ...

91 Prozent der 25- bis 34-Jährigen kaufen online ein

Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) haben im Jahr 2017 72 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Alter von 15 bis 88 Jahren innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal online eingekauft. Das entspricht 4,9 Millionen E-Konsumenten. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 lag die Zahl bei 3,3 Millionen. Laut BFS-Erhebung «E-Commerce in der Schweiz 2010 – 2017» unterscheiden sich die verschiedenen Altersklassen in ihrem Onlineshopping-Verhalten: von den 25- bis 34-Jährigen bestellen 91 Prozent im Internet Waren oder Dienstleistungen, während es bei den 64- bis 74-Jährigen erst 51 Prozent sind. Rund 3 Millionen Personen bestellten im Jahr 2017 Kleider (inkl. Schuhe) und Sportausrüstung online. Und genau solche Produkte werden häufig per Paketpost ausgeliefert.

Spezielle Fächer für sperrige Pakete

Werden mehr Waren online bestellt, steigt die Zahl der Paketsendungen. Da E-Konsumenten häufig tagsüber abwesend sind, braucht es neue Lösungen. Briefkastenhersteller haben dies erkannt und als Antwort sogenannte Paketboxen entwickelt. Diese sind grösser als Milchkästen und bieten mehr Platz für sperrige Pakete. Zudem sind Paketboxen mit einem durchdachten Schliesssystem ausgerüstet, die sie sicher machen. Auf dem Markt sind verschiedene Modelle erhältlich, zum Beispiel:

  • Reine Paketboxen: Hierbei handelt es sich um reine Paketboxen bzw. Depotfächer ohne Brieffach und Milchkasten, die eine Ergänzung zur Briefkastenanlage darstellen. Es gibt sie in verschiedenen Grössen, von XS bis L.
  • Drei in einem: Als Ersatz für den typischen Einfamilienhaus-Briefkasten mit Brieffach und Milchkasten kann ein Modell gewählt werden, das drei in einem verbindet: Brieffach, Milchkasten und Paketbox.
  • Komplette Briefkastenanlagen: Für Mehrfamilienhäuser und grössere Überbauungen bieten Hersteller ganze Briefkastenanlagen an, die ebenfalls drei in einem vereinen – Brieffächer, Milchkästen und Paketboxen – und zudem mit Technik ausgerüstet sind: Sonnerie, Display bzw. Infoterminal.

Wie funktionieren Paketboxen?

Alle Paketboxen sind abschliessbar und gewährleisten einen sicheren Empfang. Unterschiede gibt es bei den Schliesssystemen: Die Paketbox- Casa von Schweizer für das Einfamilienhaus lässt sich komplett über eine Smartphone-App steuern. Öffnen, verriegeln, benachrichtigen, wenn ein Paket hinterlegt wird – alles geschieht via App. Auch die Rücksendung des Pakets organisiert man mit der pick@home-Dienstleistung über die App.

Bei der Paketbox von Schweizer für das Mehrfamilienhaus erfolgt die Bedienung über ein in die Anlage integriertes Infoterminal mit Touchscreen. Der Bote hinterlegt die Sendung in der Paketbox, und der Empfänger wird per E-Mail oder SMS darüber benachrichtigt. Durch Eingabe eines PIN-Codes am Info- terminal öffnet der Empfänger später das Fach und nimmt sein Paket entgegen.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die Paketbox-Anlage «s: easy Touch» von s: stebler. Hier kann der Empfänger zudem wählen, ob er das Paketfach mittels PIN-Code oder Badge öffnen möchte.

Die Paketbox von s: stebler fürs Einfamilienhaus ist mit zwei verschiedenen Sicherheitsmechanismen erhältlich: einem Wippensystem oder einem Druckverschluss. Bei Ersterem wird das Paketfach erst dann verschlossen, wenn das Wippensystem mit dem Paket nach hinten gedrückt wird. Beim zweitem Mechanismus verschliesst der Briefträger das Fach, indem er den Druckverschluss betätigt. Bei beiden Varianten öffnet der Empfänger das Fach mit einem Schlüssel.

Die Sibabox von Sibatec AG arbeitet mit einem Paketkasten-Schloss. Der Paketbote öffnet das Schloss durch Drehen, hinterlegt das Paket, dreht das Schloss wieder zurück und rastet es durch Drücken ein. Der Paketempfänger verwendet einen Schlüssel, um das Paketfach zu öffnen.

Neben den vorgestellten Paketbox- Modellen kann für einige E-Konsumenten auch eine Zustellermächtigung Lösung für das eingangs geschilderte Problem sein. Man erteilt der Post damit die Erlaubnis, das Paket an einen bestimmten Nachbarn auszuhändigen oder es vor Ort zu deponieren. So oder so lassen sich der Abholschein im Briefkasten und der Gang zur Poststelle vielleicht schon bald vermeiden.