• «Die neu angebaute Terrasse ist unser kleiner Luxus»

«Die neu angebaute Terrasse ist unser kleiner Luxus»

14.05.2019 Yvonne Lemmer, Redaktion, HEV

Mehrgenerationen-Haus – Ein 1922 erbautes Wohnhaus im solothurnischen Flumenthal steht im Zentrum der hier vorgestellten Umbaustory. Wie schon vor dem Umbau wird das Haus heute von zwei Generationen bewohnt – jetzt aber in neuer Zusammensetzung.

Das Wohnhaus am Dorfrand von Flumenthal war schon vor der Renovation 2018 das Daheim für mehrere Generationen: Im 4,5-Zimmer-Hausteil, der 1994 an das ursprüngliche Haus angebaut worden war, wohnten Manfred und Vreni Grossenbacher mit ihren zwei Söhnen. Und im 1922 erbauten, alten Hausteil Manfred Grossenbachers Eltern. Als nach seinem Vater auch die Mutter 2017 verstarb, stand dieser Teil des Hauses erstmals leer.

Neue Situation verlangt nach einem Umbau

«Im Sommer trafen wir den Entscheid, den alten Hausteil, der früher von meinen Eltern bewohnt wurde, in Eigenregie sanft zu renovieren und für uns selbst zu nutzen», sagt Manfred Grossenbacher. Ihr Versuch sei jedoch gescheitert, da sich das Gebäude in einem zu schlechten Zustand befand und die notwendigen Massnahmen zu umfangreich gewesen wären, um diese alleine zu stemmen.

So wandte sich das Eigentümerpaar an den Architekten Benno Probst von felber probst architekten ag in Solothurn, wo Grossenbachers Sohn Timo als Zeichner und angehender Bauleiter arbeitet. Zusammen mit Benno Probst übernahm Timo Gros-senbacher die Planung und Ausführung des Umbaus. Zuerst wurden Vorschläge zur Raumeinteilung erarbeitet – speziell auf die Wünsche und Bedürfnisse der Eigentümer zugeschnitten – sowie die baulichen Massnahmen definiert. «Die grösste He-rausforderung beim Umbau lag für mich im Umgang mit der bestehenden Bausubstanz. Wir mussten sehr sorgfältig damit umgehen, um die alten Materialien wie die Riemenböden und das Mauerwerk hervorzuholen», erklärt Architekt Benno Probst. Der Baustart erfolgte Anfang 2018. Aber alles der Reihe nach:

Viel Eigenleistung beim Rückbau

In Eigenleistung, aber begleitet durch das Architekturbüro, erledigten Manfred und Vreni Grossenbacher im Herbst 2017 die gesamten Rückbauarbeiten selbst. «Wir haben alles herausgerupft, das Täfer und die alten Teppiche, die den schönen Tannenriemenboden verdeckten», sagen die Eigentümer, «etwa 12 Mulden haben wir gefüllt.» Sie bauten das Wohnhaus bis auf den ursprünglichen Rohbau zurück. Das Gebäude war sehr schlecht oder gar nicht isoliert, dadurch ging viel Energie verloren. Der Dachstuhl war noch in gutem Zustand und konnte übernommen werden.

Jeder Tag bringt Fortschritt

Im Januar 2018 starteten die Umbauarbeiten. Der Baumeister begann mit den Fenstervergrösserungen und -einbauten, dem neuen Eingangsportal mit Sitzbank und der Aussenterrasse mit massivem Betonsockel. «Das Objekt war schon vor dem Umbau ein Mehrgenerationen-Haus, deshalb hatte es bereits zwei separate Eingänge. Diese haben wir noch betont», erklärt der Architekt. An den alten Hausteil wurde eine Terrasse angebaut. Der neue Aussenraum ist eines der Highlights des Umbaus für die Grossenbachers. Es ist ihr kleiner Luxus, heute von der Stube aus direkt die Terrasse betreten zu können – früher hatten sie nur den Garten.

Anschliessend übernahmen Elektriker, Sanitär- / Heizungsinstallateur, Gipser / Maler, Schreiner und Schlosser die Baustelle. Das Eigentümerpaar hat sich bei den Arbeitsvergaben für Handwerker aus der Region entschieden, die sie kannten oder mit denen ihr Architekt schon zusammengearbeitet hatte. Während des Umbaus, der von Januar bis Mai bzw. September 2018 (Fassadenarbeiten) dauerte, wohnten Vreni und Manfred Grossenbacher im Anbau von 1994. «Wir sind beide berufstätig und waren tagsüber nicht auf der Baustelle. Am Abend gingen wir gespannt durch die Räume und schauten uns an, was gemacht wurde. Jeden Tag entdeckten wir etwas Neues, die Renovations-arbeiten schritten gut voran.»

Einziger Wermutstropfen des Umbaus: Der ursprüngliche Kachelofen konnte nicht erhalten werden. «Leider mussten wir uns vom Kachelofen trennen. Er war in einem schlechten Zustand, und ihn renovieren zu lassen, hätte unser Budget gesprengt.»

Eigentümerpaar trifft auf WG

Am 1. Mai 2018 sind Vreni und Manfred Grossenbacher in ihr neues Traumhaus eingezogen. Dank der feinfühligen Umsetzung durch das Architekturbüro und der grossartigen Arbeit der Handwerker fühlen sie sich im neu umgebauten Haus sehr wohl. Der Anbau von 1994, der von der Renovation nicht betroffen war, wird heute von einer 3er-WG bewohnt. Grossenbachers Söhne (Jahrgang 1993 und 1995) teilen sich den Hausteil mit einem Kollegen. Somit wird das Haus wie schon früher als Mehrgenerationen-Haus genutzt, was das Eigentümerpaar (Jahrgang 1961) besonders freut: «Das Zusammen-leben mit der 3er-WG nebenan gestaltet sich harmonisch. Wir teilen uns den Waschraum, und am Sonntag kochen und essen wir gemeinsam, wenn es die Terminpläne erlauben.» Auch den Garten mit Pizzaofen und Cheminée benutzen beide Parteien.

Das vorgestellte Objekt zeigt nicht nur, dass das Mehrgenerationen-Wohnen bestens funktionieren kann. Es stellt auch ein gelungenes Umbauprojekt dar, das von mehreren Generationen gemeinsam geplant und umgesetzt wurde.

Hingucker nach dem Umbau

Bie Backsteinwand im Schlafzimmer.

Backsteinwand: Über dem Bett im Schlafzimmer wurde in einem Ausschnitt von 3 x 0,5 Metern die alte Backsteinwand sichtbar gemacht. Die Nische wird mit einer dimmbaren LED-Leuchtschiene betont und lässt sich als Ablagefläche für Wecker etc. nutzen.


Tannenriemenböden

Holzböden: Überall, wo es möglich war, haben Grossenbachers die alten Tannenriemenböden belassen. Zuerst wurden die Böden abgeschliffen, anschliessend geölt. Heute erstrahlen sie in neuem Glanz, erzählen aber mit ihren sichtbaren Ecken und Kanten immer noch die bald 100-jährige Geschichte des Hauses.


Die neuen Stufen aus massivem Eichenholz

Treppenaufgang: Die ursprüngliche Treppe bestand aus Steinstufen. Neu sind die Stufen mit massivem Eichenholz verkleidet. Damit fügt sich die Treppe harmonisch ins neue moderne Erscheinungsbild ein.