• Der Grenzwert, der Heizungen verteuert

Der Grenzwert, der Heizungen verteuert

29.04.2021

Politik – Mit dem neuen CO2-Gesetz soll auch ein neuer Grenzwert für den CO2-Ausstoss bei Gebäuden eingeführt werden. Ein Novum bei den Bauvorschriften und eine Wertminderung für Liegenschaften.

Die Vorschriften für Gebäude und insbesondere die Vorgaben zur Energieeffizienz von Gebäuden war bis anhin Sache der Kantone. Die kantonalen Bau- oder Energievorschriften regeln zum Beispiel den Energiebedarf, den eine Liegenschaft aufweisen darf, wie dick eine Wärmedämmung sein muss und welche Anforderungen ein Fenster zu erfüllen hat.

Über den Weg der neuen Klimagesetzgebung soll dies nun ändern: Neu soll der Bund die Kompetenz erhalten, Vorschriften für Gebäude zu erlassen. Mit dem CO2-Gesetz soll ein Grenzwert für Gebäude eingeführt werden, der bei einem Heizungsersatz den CO2-Ausstoss aus fossilen Brennstoffen auf 20 kg CO2 pro Quadratmeter Energiebezugsfläche (EBF) und Jahr deckelt. Die EBF entspricht der beheizten Bruttogeschossfläche. Die 20 kg CO2-Ausstoss entsprechen ca. 7,6 Litern Heizöl, die pro Quadratmeter und Jahr verbraucht werden dürfen. Dieser Wert entspricht Neubauten, die nach 2002 errichtet wurden. 75 Prozent der Wohnbauten in der Schweiz liegen in der Regel deutlich über diesem Grenzwert. In Fünfjahresschritten wird dieser Grenzwert dann jeweils um je 5 kg CO2 weiter gesenkt. Ab dem Jahr 2033 dürfen demnach neue Öl- und Gasheizungen nur noch 10 kg CO2 / m2 EBF ausstossen, was praktisch so gut wie nichts mehr ist, und ab 2043 sind neue fossil betriebene Heizungen nicht mehr zulässig. Für Neubauten gilt dieses generelle Verbot bereits ab Inkraftsetzung des CO2-Gesetzes.

Wer ist betroffen?

Der Grenzwert wird zwar vom Bund erlassen, umsetzen müssen den Vollzug jedoch die Kantone. Der Vollzug wird über den Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) oder den deutlich aufwendigeren Systemnachweis gemäss SIA erfolgen. Hauseigentümer werden damit gezwungen, bereits lange vor einem Heizungsersatz umfassende Abklärungen in die Wege zu leiten.

75 Prozent der Schweizer Wohnbauten liegen über dem Grenzwert.

Eine erste Abschätzung kann über den bisherigen Energieverbrauch geschehen. Der Ausstoss an CO2 pro Liter Heizöl extraleicht beträgt 2,65 kg CO2 und beim Erdgas etwa 2,03 kg CO2 pro m3. Der eigene Verbrauch in Litern Heizöl oder Kubikmetern Gas kann mit dem vorgenannten Wert multipliziert und danach durch das Total der EBF dividiert werden. Zur EBF werden sämtliche beheizten Wohnflächen gezählt, deren Raumhöhe mehr als einen Meter (Kniestock) beträgt. Die Fläche wird dabei inklusive Dicke der Aussenwände gemessen.

Die Auswirkungen sind teuer

Muss ein Brenner oder die ganze Öl- oder Gasheizung ersetzt werden, bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Wenn weiterhin mit Öl oder Gas geheizt werden soll, ist der Eigentümer gezwungen, die Gebäudehülle energetisch auf den Stand eines Neubaus aus der Jahrtausendwende zu bringen. Dies bedingt in den meisten Fällen eine energetische Totalsanierung. In einem solchen Fall muss mit Gesamtinvestitionen von mehr als 100 000 Franken gerechnet werden.
  • Alternativ kann das Heizmedium ausgewechselt werden. Denkbar ist ein Wechsel auf Stückholz, Pellets oder einen Fernwärmeanschluss, wenn es die Platzverhältnisse erlauben bzw. der Anschluss an eine Fernwärmeleitung überhaupt möglich ist. Weitaus am häufigsten dürfte aber eine Wärmepumpen-Lösung infrage kommen. Neue Heizungslösungen dieser Art werden bei einem Einfamilienhaus Investitionen von rund 50 000 Franken auslösen – also deutlich mehr, als wenn ein 1 : 1-Heizungsersatz mittels eines neuen, hocheffizienten Aggregats erfolgen würde.

Aber auch Eigentümer, die aktuell noch gar nicht sanieren müssen, werden durch die im neuen CO2-Gesetz geplanten Grenzwerte bestraft. Bei einem Verkauf der Liegenschaft mit fossiler Heizung beispielsweise wird der Käufer einen Preisabschlag in der Grössenordnung der Investition für eine neue Heizung geltend machen. Dies bedeutet ein weiterer Nachteil für Eigentümer, nachdem in den vergangenen Jahren der Wert der Liegenschaften steuerlich immer höher eingeschätzt und die Eigentümer über Eigenmietwert, Liegenschafts- und Vermögenssteuern zur Kasse gebeten wurden. Einmal mehr bezahlen die Eigentümer somit die Zeche. Deshalb sagt der HEV Schweiz Nein zu diesem CO2-Gesetz. 

HEV Schweiz

Nein zu diesem CO2-Gesetz – die Hauseigentümer leisten bereits genug

Der HEV Schweiz bekennt sich zur Energiestrategie und zu den Bestrebungen des Bundesrates, den Gesamtenergiebedarf zu senken und den Treibhausgas-Ausstoss zu reduzieren. Die nun vorliegende Totalrevision des CO2-Gesetzes zeigt sich aber einseitig und schlägt ein Tempo an, das nicht mit den Erneuerungszyklen im Gebäudebereich vereinbar ist. Die Hauptkritik des HEV gilt folgenden Punkten der Gesetzesvorlage:

  • Geforderter Zielwert von minus 50 Prozent bis 2026 / 27. Dies, obwohl der Gebäudebereich bisher die grössten Absenkerfolge erzielt und die für ihn gesteckten Ziele regelmässig deutlich übertroffen hat.
  • Der Fokus dieses CO2-Gesetzes ist zu einseitig auf die Treibhausgas-Reduktion ausgerichtet. Der damit verbundene steigende Strombedarf und die drohende Strommangellage werden ausgeblendet.
  • Der neue CO2-Grenzwert ab 2023 bedingt bei 75% der Gebäude bei einem Heizungsersatz umfangreiche zusätzliche Massnahmen und damit verbundene Investitionen.
  • In Abhängigkeit des einzelnen Objektes können sich die Kosten für einen Heizungsersatz vervielfachen. Anstatt bisher rund 25 000 Franken kann ein Heizungsersatz infolge zusätzlich erforderlicher energetischer Massnahmen rasch das Drei- bis Fünffache dieser Kosten ausmachen.
  • Bereits heute werden Jahr für Jahr rund 20 Milliarden Franken in den Gebäudeunterhalt investiert und damit zahlreiche Energieeffizienzmassnahmen umgesetzt.

Im Gesamtfazit des HEV Schweiz zeigt sich für die aktuell vorliegende, am 13. Juni zur Abstimmung anstehende Totalrevision des CO2-Gesetzes deshalb: zu einseitig, zu tiefgreifend und damit für viele Wohneigentümer zu teuer und finanziell nicht tragbar.