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  • «Der GEAK ist in erster Linie ein Info- und Beratungsinstrument»

«Der GEAK ist in erster Linie ein Info- und Beratungsinstrument»

26.08.2021

GEAK – Was genau steckt hinter dem Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK)? Wann und wo wird dieser sinnvollerweise eingesetzt? Wir haben beim Präsidenten des Vereins GEAK-CECB-CECE, Staatsrat Roberto Schmidt, nachgefragt.

Seit 2009 gibt es in der Schweiz einen einheitlichen Energieausweis für Gebäude. Der Gebäudeenergieausweis der Kantone bewertet den energetischen Zustand einer Liegenschaft und bildet diesen in einer Energieetikette ab. Unterteilt wird diese Etikette in die bekannten Effizienzklassen von A (sehr energieeffizient) bis G (wenig energieeffizient). Was es mit dem GEAK auf sich hat und wo, wann und wie dieser eingesetzt wird, wollten wir vom Präsidenten des Vereins wissen.

DER HAUSEIGENTÜMER: Herr Schmidt, Sie sind Präsident des Vereins GEAK-CECB-CECE. Was hat es mit der Bezeichnung auf sich?

ROBERTO SCHMIDT: Wir leben in einem mehrsprachigen Land und so wird der Gebäudeenergieausweis zumindest in den drei meist gesprochenen Sprachen angeboten. Dies wollte man auch im Namen des Vereins abbilden und hat daher die drei Kurzversionen verwendet: Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK), Certificat énergétique cantonal des bâtiments (CECB) und Certificato Energetico Cantonale degli Edifici (CECE). 

Wie kam es zum GEAK, und welches waren die ursprünglichen Ziele der Energieetikette?

Der GEAK ist im eidgenössischen Energiegesetz verankert. Dessen Ziel ist es, den Energiebedarf im Schweizer Gebäudebestand möglichst rasch zu senken und den Umstieg auf erneuerbare Energien voranzutreiben. Um den Hauseigentümern in diesem Wandel Orientierung zu bieten, wurde eine schweizweit einheitliche Energieetikette, der GEAK, ins Leben gerufen.

Energieetiketten für Geräte kennt man bereits seit der Jahrtausendwende. Für Gebäude wurden diese auf europäischer Ebene 2006 eingeführt. Um sicherzustellen, dass es in der ganzen Schweiz einen einheitlichen Energieausweis gibt, haben die Energiedirektoren der Kantone 2008 zusammen mit dem Bundesamt für Energie, dem SIA und dem HEV Schweiz mit der Erarbeitung des GEAK begonnen. Seit dem 1. August 2009 können Gebäudeenergieausweise erstellt werden.

Mittlerweile sind über 1600 GEAK-Expertinnen und -Experten zugelassen und im Frühling dieses Jahres wurde der 100 000. Gebäudeenergieausweis ausgestellt.

Der GEAK ist – insbesondere im Vergleich zu den Energieetiketten im nahen Ausland – relativ teuer. Woran liegt das?

Mit dem GEAK wollte man ein freiwilliges Beratungsinstrument schaffen, das den Immobilieneigentümer bei der Einschätzung der Energieeffizienz seiner Liegenschaft, aber auch bei der Planung unterstützt. Viele Ausweise, sogenannte Verbrauchsausweise, der Nachbarländer basieren auf dem effektiven Energieverbrauch der Liegenschaft. Diese bilden jedoch viel mehr das Benutzerverhalten ab als das eigentliche Gebäude, insbesondere bei kleinen Objekten.

Der GEAK hingegen basiert auf den gängigen SIA-Normen und beinhaltet verschiedene Energieberechnungsschritte. Dadurch werden die einzelnen Bauteile, die Heizung, aber auch die verschiedenen Geräte viel genauer abgebildet. Dies wiederum erlaubt es, den GEAK zunehmend als Nachweisinstrument für Förderung und Vollzug bei energetischen Gebäudesanierungen einzusetzen. So zum Beispiel beim Nachweis der Gesamtenergieeffizienzklasse D beim Heizungsersatz. Hauseigentümer haben mit dem GEAK dadurch ein Beratungs- und ein Nachweisinstrument in der Hand.

Auf der Energieetikette sind zwei Pfeile abgebildet. Was bedeuten sie?

Der Pfeil links auf der Etikette bildet die Energieeffizienz der Gebäudehülle ab und entspricht dem Heizwärmebedarf, wie er auch bei einer Baubewilligung nachgewiesen werden muss. Der rechte Pfeil steht für die Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes, also den Energiebedarf für Heizung, Warmwasser und die gesamte Elektrizität abzüglich der Eigenproduktion. 

Die Gesamtenergieeffizienz ist deshalb von Bedeutung, weil auch die Effizienz der Heizung oder der Ertrag einer Solaranlage darin abgebildet werden. Werden zwei baugleiche Gebäude, das eine mit einer Öl- oder Gasheizung und das zweite mit einer Wärmepumpe, miteinander verglichen, ist die Effizienz der Gebäudehülle (linker Pfeil) gleich. Die Gesamtenergieeffizienz wird beim Haus mit der Wärmepumpe jedoch deutlich besser ausfallen, da diese einen Teil der Energie aus der Umgebungswärme beziehen kann.

Wo wird der GEAK eingesetzt und wie gehe ich als interessierter Eigentümer vor?

Der GEAK ist in erster Linie ein Informations- und Beratungsinstrument. Überall dort, wo es darum geht, eine Einschätzung zum energetischen Zustand der Liegenschaft zu erhalten, spielt der GEAK in Form eines vierseitigen Dokuments mit Energieetikette auf dem Deckblatt seine Stärke aus. Mit verhältnismässig geringem Aufwand erhält der Immobilieneigentümer eine energetische Einschätzung seines Gebäudes. 

Wird eine Planungsgrundlage für die energetische Erneuerung benötigt, kann ein GEAK Plus erstellt werden. Dieser besteht aus dem GEAK sowie einem umfassenden Beratungsbericht, in dem bis zu drei Erneuerungsvarianten abgebildet werden. Diese bilden mit ihren einzelnen Massnahmen inkl. Kostenschätzung, der Übersicht zu möglichen Förderbeiträgen sowie mit Angabe des Energie-Einsparpotenzials die ideale Entscheidungsgrundlage für die nächsten Erneuerungsschritte. Zur Beantragung von Fördergeldern von mehr als 10 000 Franken ist die Erstellung eines GEAK Plus Pflicht.

Erstellt wird ein GEAK oder GEAK Plus durch eine GEAK-Expertin oder einen GEAK-Experten. Diese Fachpersonen sind auf der Website des Vereins www.geak.ch zu finden. Bei der Suche helfen auch die kantonalen Energiefachstellen und die HEV-Sektionen weiter.

Herr Staatsrat Schmidt, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

BILD ZVG

Roberto Schmidt ist Jurist und steht als Staatsrat im Kanton Wallis dem Departement für Finanzen und Energie (DFE) vor. Zudem ist Roberto Schmidt im Vorstand der Energiedirektorenkonferenz EnDK, sowie Präsident des Vereins GEAKCECB- CECE – dem Verein, der den Gebäudeenergieausweis der Kantone betreibt.

Verein GEAK-CECB-CECE

Der Verein betreibt den Gebäudeenergieausweis der Kantone im Auftrag der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK). Die zwei Hauptprodukte der GEAK-Familie sind der eigentliche Gebäudeenergieausweis und der ergänzende Beratungsbericht:

Gebäudeenergieausweis (GEAK)

Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) zeigt auf, wie viel Energie ein Gebäude im Normbetrieb benötigt. Dieser Energiebedarf wird in einer Energieetikette in Klassen von A bis G angezeigt. Damit ist eine Beurteilung der energetischen Qualität möglich, die mehr Transparenz für Kauf- und Mietentscheide sowie für einen Heizungsersatz schafft. Zusätzlich zeigt der GEAK auch das energetische Verbesserungspotenzial von Gebäudetechnik und Gebäudehülle auf, ähnlich einem energetischen Grobkonzept.

GEAK Plus (Beratungsbericht)

Mit dem GEAK Plus erhalten Immobilieneigentümer als Ergänzung zum Ist-Zustand ihres Gebäudes Empfehlungen zur Sanierung ihrer Liegenschaft: Der GEAK-Experte liefert einen Beratungsbericht, in dem konkrete Massnahmen aufgelistet werden, wie das Gebäude im Bereich Energie auf Effizienz und erneuerbare Energien getrimmt werden kann. Neben den möglichen Energieeinsparungen werden auch die mit den Massnahmen verbundenen Kosten ausgewiesen.