• Bühne frei für die Nebendarsteller

Bühne frei für die Nebendarsteller

03.06.2020 ANDREA ESCHBACH, Journalistin

Möbel-Trends – Der Couchtisch wird oft unterschätzt. Im Vergleich zum Esstisch oder Sofa ist er eher ein Nebendarsteller. Aber: Erst ein Couchtisch macht das Sofa zum vollwertigen Sitzplatz. Wo sonst liessen sich das Glas Wein, die Kaffeetasse oder ein Buch abstellen? In diesem Jahr hat man die Qual der Wahl – die Auswahl an schönen Couchtischen ist gross.

Ein weisser Couchtisch ist der Allrounder unter den Couchtischen. Er ist immer modern und passt zu nahezu jedem Wohnstil. Das Weiss macht ihn neutral, sodass er problemlos neben einem farbigen Sofa stehen kann. Aber auch mit sanften Erd- und Naturtönen harmoniert ein weisser Couchtisch perfekt. Die Kunst der Falte demonstriert der Beistelltisch «Swan» aus pulverbeschichtetem Aluminium. Der minimalistische Entwurf des Berliner Designers Michael Hilgers für den deutschen Hersteller Müller Möbelwerkstätten steht wahlweise und je nach Situation als schlichter Büchertisch, als praktischer Zeitungsständer, als eleganter Nachttisch, als bequeme Ablage fürs Notebook oder als stylischer Hocker bereit.

Auch der deutsche Hersteller Müller Möbelfabrikation legt Metall in Falten: Der Tisch «Twist» wirkt, als ob er sich in gefaltetes Papier gehüllt hätte. Gleichzeitig demonstriert er ein hohes Mass an handwerklicher Metallverarbeitung. Die Couch- und Beistelltische werden in der Augsburger Manufaktur von Hand gekantet. Dadurch entsteht die markante Optik mit reizvollen Reflexionen.

Vor allem kleine Beistelltische am Sofa sind häufig aus Metall gefertigt und überzeugen mit filigranen Formen. So wie der Beistelltisch «K5», den Thomas Schnur für den deutschen Hersteller Tecta entworfen hat. «Der konstruktive Grundgedanke stellt sich bei dem Tisch K5 sofort ein. Das Stahlrohr durchdringt als Linie den Raum, die beiden gefalteten Flächen geben dem Tisch Stand und halten seine runde Platte», sagt der junge Gestalter. Das konstruktive Möbelstück ist in drei unterschiedlichen Grössen erhältlich. Mit seiner leichten Form kommt er schnell da zum Einsatz, wo er gebraucht wird.

«Swan» von Michael Hilgers Möbelfabrikation K5 von Thomas Schnur für Tecta

«Swan»: multifunktional mit nützlichen Falten. Entworfen von Michael Hilgers für den deutschen Möbelhersteller Müller Möbelwerkstätten. «Twist» des deutschen Herstellers Müller Möbelfabrikation kann auch als Pflanzgefäss oder als kleine Bar dienen. K5: unauffällig und schnell da, wo er gebraucht wird. Entworfen von Thomas Schnur für den deutschen Hersteller Tecta. (v.l.n.r.)

Stille Diener aus Holz oder Glas

Ein Klassiker ist auch der Couchtisch aus Glas. Sein Vorteil: Er macht sich dank des transparenten Materials nahezu unsichtbar und wirkt optisch leicht. Ein besonders schönes Exemplar ist beim deutschen Label Pulpo erhältlich: Das spanische Designstudio MUT entwarf den Beistelltisch «Aspa», ein Highlight in Sachen Lichtspiegelungen und Overlays. Unterschiedlich strukturierte, farbige Glasplatten wurden hier übereinandergelegt und erschaffen so ein spannendes Spiel aus Lichteinfall und Farbintensität. Je nachdem, wie viele Glasplatten arrangiert wurden, kommen farbintensivere Nuancen zum Vorschein.

«Aspa»von MUT für Label Pulpo «Keel» von Lise Vester für Erik Jørgensen

Der Beistelltisch «Aspa»des Designstudios MUT für das deutsche Label Pulpo wirkt leicht und präsentiert ein spannendes Spiel aus Lichteinfall und Farbintensität. «Keel» der Designerin Lise Vester für den Hersteller Erik Jørgensen erinnert an einen Bootskiel. (v.l.n.r.)

Aber auch Holz ist beim Couchtisch äusserst beliebt – vor allem, wenn das Naturmaterial als Massivholz eingesetzt wird. Die dänische Designerin Lise Vester entwarf für den Hersteller Erik Jørgensen einen Eichenholz- Tisch, der an einen Bootskiel erinnert: «Keel» meistert die Balance zwischen leicht und schwer sowie zwischen geraden und organischen Linien. Der französische Hersteller Ligne Roset hat den aus Holz und Keramik gefertigten Couchtisch «Lewa» im Programm. Der Entwurf des Designers Sebastian Herkner ist inspiriert von säulenartigen Basaltorgeln, die bei Magmaströmen entstehen. Die Oberfläche ist in mehrere getrennte Flächen unterteilt, auf denen unterschiedliche Objekte arrangiert werden können. Eine der Flächen ist aus Keramik und hat einen ausreichend hohen Rand, um dort Wasser einzufüllen und Blüten dezent in Form eines kleinen japanischen Zenbeckens anzuordnen. Auf raffinierte Einlegemuster setzt dagegen das Designstudio Pool beim Tisch «Tavla» für das französische Label Petite friture. Die Inspiration für Tavla – das persische Wort für Backgammon – basiert auf der persönlichen Geschichte von Leá Padovani. Die Designerin mit iranischen Wurzeln hat schon immer die grafische Gestaltung von Spieltischen bewundert. In dem Entwurf setzt sich das Design-Duo mit der traditionellen Intarsienarbeit auseinander und lässt – in moderner Umsetzung – mit zwei verschiedenen Farben von Nussholz ein kontrastreiches Muster entstehen.

«Lewa» von Sebastian Herkner für Ligne Roset. «Tavla» vom Designstudio Pool für Petite friture

«Lewa» aus Holz und Keramik von Sebastian Herkner für den französischen Hersteller Ligne Roset. «Tavla» bedeutet auf Persisch «Backgammon». Entworfen für das französische Label Petite friture vom Designstudio Pool. (v.l.n.r.)

Akzente setzen mit Marmor

Wenn es darum geht, neue Stilrichtungen auszuprobieren oder Akzente zu setzen, ist der Couchtisch ebenfalls das ideale Möbelstück. Er lässt sich relativ einfach austauschen. Auch Ungewohntes lässt sich so zu Hause ganz leicht ausprobieren: So sind Tische aus Naturstein ein Trend der letzten Jahre. Ein veritabler Eyecatcher sind die Beistell- und Couchtische des Hamburger Design-Duos Besau- Marguerre für die deutsche Designmarke Favius. Der Entwurf «Sediment» spielt mit der Materialität von Marmor. Die Besonderheit liegt in der aussergewöhnlichen Verarbeitung der Tischplatte aus den Marmorsorten Giallo Reale und Verde Guatemala. Die Oberfläche wird zunächst poliert und dann sandgestrahlt. Raue und polierte Streifen wechseln sich ab und transformieren die Haptik und Farbtönung des Materials auf zwei unterschiedliche Arten. Das Gestell besteht aus lackierter Eiche in Grün oder Gelb: «Wir tüfteln sehr lange, bis wir exakt den richtigen Farbton gefunden haben», sagt Eva Marguerre.

«Sediment» von Studio Besau- Marguerre für Favius

«Sediment» von Studio Besau- Marguerre für Favius: charakterstarker Couchtisch mit Marmorplatte.