• Bei Teilzeitarbeit drohen Vorsorgelücken

Bei Teilzeitarbeit drohen Vorsorgelücken

01.10.2021 SELINA WYSS Leiterin Vorsorgeplanung beim VZ Vermögens-Zentrum

Vorsorge – Wer das Pensum reduziert, ist oft weniger gut für die Zeit nach der Pensionierung abgesichert.

Teilzeitarbeit wird immer beliebter. In den letzten Jahren haben auch mehr Männer dieses Arbeitsmodell für sich entdeckt. Weiterhin sind es aber vor allem Frauen, die in kleineren Pensen arbeiten. Da Teilzeitarbeit ein grosses Risiko für die eigene Vorsorge ist, sind – vorerst – vor allem Frauen von diesem Problem betroffen. Wer weniger verdient, muss etwa mit grossen Lücken in der Pensionskasse rechnen. Wie gravierend diese sein können, zeigt ein Beispiel: Eine 35-jährige Frau reduziert ihr Pensum von 100 auf 40 Prozent. In den Jahren bis zu ihrer Pensionierung stockt sie dann schrittweise wieder auf 80 Prozent auf. Ihr Vorsorgeguthaben schmälert sich wegen der Teilzeitarbeit deutlich: Hätte die Frau bis 64 immer zu 100 Prozent gearbeitet, wären jetzt 422 762 Franken in ihrer Pensionskasse angespart (siehe Tabelle). Mit dem reduzierten Pensum sind es allerdings nur 244 544 Franken – 42 Prozent oder 178 218 Franken fehlen.

Jeder und jede sollte darum genau prüfen, wie gut er bzw. sie nach einer Pensumsreduktion noch finanziell abgesichert ist. Das gilt für alle drei Säulen der Schweizer Altersvorsorge: 

1. Säule: AHV

Teilzeitarbeitenden gelingt es oft nicht, die maximale AHV-Rente (aktuell 2390 Franken im Monat) zu bekommen. Dafür müssten sie im Schnitt ein Jahreseinkommen von mindestens 86 040 Franken erzielen. Häufig erhalten sie nur das Minimum von monatlich 1195 Franken. Wer Kinder hat, dem werden sogenannte Erziehungsgutschriften als fiktives Einkommen zum durchschnittlichen Lohn hinzugerechnet, was die Höhe der Rente positiv beeinflusst. Fehlende Beitragsjahre führen zu Leistungskürzungen. Klären Sie deshalb ab, ob Ihnen Beiträge fehlen. Diese kann man innerhalb von fünf Jahren nachzahlen. Ihren persönlichen Auszug bestellen Sie bei der AHV-Ausgleichskasse oder online unter www.ahv-iv.ch. Für Verheiratete entfällt die Beitragspflicht meistens, sofern der Ehepartner im Sinne der AHV berufstätig ist und Beiträge in Höhe von mindestens 1006 Franken pro Jahr entrichtet.

2. Säule: Pensionskasse

Teilzeitarbeitende sind in der zweiten Säule oft benachteiligt. Durch das geringere Einkommen häufen sie weniger Altersguthaben an, als es Vollzeitarbeitende können. Oder sie sind in der zweiten Säule erst gar nicht abgedeckt, da Arbeitgeber nur Mitarbeitende mit einem Jahreslohn von 21 510 Franken oder mehr versichern müssen. 

Dazu kommt ein weiteres Problem: Oft wenden Pensionskassen auch bei kleineren Pensen den vollen Koordinationsabzug von aktuell 25 095 Franken an. Dieser wird vom Einkommen abgezogen, um den versicherten Lohn zu ermitteln. Das führt zu tieferen Beiträgen sowie zu niedrigeren Renten. Fortschrittliche Pensionskassen passen hingegen den Koordinationsabzug an den Beschäftigungsgrad an. Wenn Sie eine neue Teilzeitstelle suchen, prüfen Sie deshalb, wie «teilzeitfreundlich» die Vorsorgeeinrichtung Ihres potenziellen Arbeitgebers ist.

3. Säule: Private Vorsorge

Die freiwillige Vorsorge ist wichtig, um finanzielle Lücken zu schliessen und dabei Steuern zu sparen. In die Säule 3a kann einzahlen, wer ein AHV-pflichtiges Einkommen erzielt. Teilzeitarbeitende mit Pensionskasse dürfen dieses Jahr 6883 Franken in die Säule 3a einzahlen. Ohne Pensionskasse sind es 20 Prozent des Einkommens, höchstens aber 34 416 Franken. Zahlen Sie jedes Jahr in die Säule 3a ein, auch wenn es nicht der Maximalbetrag ist. «Verpasste» Einzahlungen kann man später nicht mehr nachholen.