• Abenteuer Firmengründung

Abenteuer Firmengründung

29.10.2020 FABIAN LINSSEN, Firmengründungsexperte beim VZ Vermögens- Zentrum in Zürich

Finanzen – Die eigene Idee verwirklichen – damit das zu einer Erfolgsgeschichte wird, ist eine umfassende Vorbereitung notwendig.

Wer eine eigene Firma gründet, steckt meist viel Energie in die Geschäftsidee. Oft werden aber wichtige Fragen zu den Versicherungen und der Vorsorge ausgeklammert oder nur teilweise behandelt. Langfristig kann das zu bösen Überraschungen führen. Folgende vier Fehler lassen sich vermeiden, wenn man mehr Zeit in die Planung investiert und rechtzeitig einen erfahrenen Profi in den Gründungsprozess miteinbezieht:

Fehler 1: Folgen der Rechtsform sind unklar

Viele wissen kaum darüber Bescheid, was die Folgen der gewählten Rechtsform sind. Von der Rechtsform hängen aber viele Faktoren ab, wie Haftung, Steuern und obligatorische Versicherungen.

Tipp: Meistens entscheiden sich Neugründer für eine Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) oder eine Personengesellschaft (Einzelfirma). Neben den unterschiedlichen Anforderungen bei der Haftung, dem Kapitalbedarf, den Steuern und der Buchführungspflicht liegt der grösste Unterschied aus Sicht der Ausgleichskasse darin, dass der Inhaber oder Mitinhaber einer Personengesellschaft grundsätzlich als selbstständig erwerbend gilt. Dabei ist die Ausgestaltung der Personenversicherungen grösstenteils freiwillig. Nur die staatliche Vorsorge mit AHV, IV und EO ist obligatorisch (erste Säule).

Anders mit einer AG oder GmbH: Der Inhaber wird von der Ausgleichskasse als Angestellter betrachtet. Obligatorisch sind also auch alle Versicherungen der beruflichen Vorsorge (zweite Säule). Freiwillig sind dagegen die Krankentaggeld- und UVG-Zusatzversicherung. 

Fehler 2: Unbekannte Risiken und Kosten

Vielen Firmengründern ist nicht klar, welchen Risiken sie mit der neuen Firma ausgesetzt sind: Ein Unfall, eine Krankheit oder ein Cyberangriff? Tatsache ist, dass schon am ersten Tag etwas passieren kann – und der Versicherungsschutz muss sofort greifen.

Tipp: Erstellen Sie eine detaillierte Risikoanalyse. So erkennen Sie die potenziellen Gefahren frühzeitig und können entscheiden, welche Versicherungen für Ihre Firma notwendig sind. Vergleichen Sie anschliessend die Prämien und Leistungen der verschiedenen Versicherungsangebote. Denn die Unterschiede von Versicherer zu Versicherer sind teilweise enorm.

Fehler 3: Nicht optimal vorgesorgt

Als Unternehmer sind Sie verpflichtet, Ihre Angestellten ab einer bestimmten Lohnsumme zu versichern. Grundsätzlich sind alle AHV-pflichtigen Personen mit einem Jahreslohn über 21330 Franken dem Beruflichen Vorsorge Gesetz (BVG) unterstellt. Sind Sie Inhaber einer Kapitalgesellschaft, gelten Sie auch als Angestellter und müssen sich entsprechend versichern.

Tipp: Bei der Wahl der geeigneten Vorsorgelösung sollten Sie die Risiko und Verwaltungskosten vergleichen. Denn die Unterschiede zwischen den Anbietern sind oft gross. Viele Unternehmen schöpfen das Sparpotenzial nicht aus, das in der zweiten Säule steckt. Häufig sind die Kosten für Risikoleistungen und Verwaltungskosten aber unnötig hoch – und gehen zulasten des Firmengewinns. Zudem sollten Sie sich im Detail über die unterschiedlichen Modelle (Vollversicherung oder teilautonome Pensionskasse) informieren sowie deren Vor- und Nachteile kennen.

Fehler 4: Mit der Administration überfordert

Steuern, Jahresabschlüsse, Lohndeklarationen, Abrechnung der Mehrwertsteuer – diese Aufgaben sind sehr aufwendig. Dennoch trauen sich viele zu, diese Arbeiten selber zu erledigen. Oft sind sie damit aber überfordert.

Tipp: Delegieren Sie die treuhänderischen Arbeiten an einen Profi. Die Investition lohnt sich: Sie haben mehr Zeit und ersparen sich Ärger.