Immobilienumfrage 2015

Für das kommende Jahr erwarten Experten konstante Preise für selbstgenutztes Wohneigentum. Für Mehrfamilienhäuser wurden 2015 eine starke Nachfrage sowie steigende Preise beobachtet. Die Experten erwarten, dass dies auch 2016 so bleiben wird. Im Segment der Büro- und Geschäftsliegenschaften sind die Erwartungen nach wie vor trüb und es werden anhaltend sinkende Preise prognostiziert.

Seit den 1980er-Jahren führt der HEV Schweiz jeden Herbst eine Umfrage bei Immobilientreuhändern, Maklern, Analysten und Verwaltern durch. Die Daten stellen eine der längsten verfügbaren Zeitreihen zum Immobilienmarkt dar und bilden somit eine wichtige Grundlage für Vergleiche zur Preisentwicklung. An der diesjährigen Umfrage haben 192 Experten aus allen Regionen der Schweiz teilgenommen und ihre Einschätzung zur vergangenen und zukünftigen Entwicklung des Immobilienmarktes mitgeteilt.

Konstante Preise beim selbstgenutzten Wohneigentum

Die befragten Experten haben sowohl für Einfamilienhäuser wie auch für Eigentumswohnungen eine ähnlich hohe Nachfrage wie im Vorjahr beobachtet. Auch die Preise blieben gemäss ihren Einschätzungen etwa gleich. Für das kommende Jahr werden von mehr als der Hälfte der Befragten konstante Preise in diesem Segment erwartet. Immerhin glauben 37 % jedoch, dass die Preise für Eigentumswohnungen sinken werden.

Anlagedruck bei den Renditeliegenschaften

Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen werden auf dem Markt nach wie vor stark nachgefragt. 58 % der Experten beobachteten eine steigende Nachfrage in den vergangenen zwölf Monaten und 75 % meldeten steigende oder sogar stark steigende Preise für dieses Segment. Bei der letztjährigen Umfrage waren es noch 61 %, die dies berichteten.

Mehr als die Hälfte der Befragten geht auch für 2016 von steigenden Preisen bei den Mehrfamilienhäusern aus. Gleichzeitig erwarten aber nur 18 % eine Ausweitung der Neubautätigkeit, während 53 % davon ausgehen, dass diese konstant bleibt. Sollte dies tatsächlich eintreffen, würde ein Nachfrageüberhang bestehen. Angesichts der tiefen Renditen in anderen Anlagefeldern legen viele Investoren ihr Geld in Immobilien an. Dadurch werden die bezahlten Preise für Renditeobjekte in die Höhe getrieben und die erzielten Renditen sinken. Denn obwohl die Mieten weiterhin leicht steigen, werden die hohen Preise primär aufgrund des Anlagenotstands bezahlt und die Renditeerwartungen so überkompensiert. Dieser Trend lässt sich in den Umfrageergebnissen bereits seit dem Jahr 2000 beobachten, und er hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Je nach Gemeindetyp sind die Erwartungen zudem sehr unterschiedlich. Über 70 % der Befragten erwarten eine hohe Nachfrage in den mittelgrossen Städten und Grosszentren. Für Agglomerationsgemeinden sowie für ländliche Gegenden erwartet die Mehrheit eine eher mittlere Nachfrage. Deutlich geht ausserdem hervor, dass die Nachfrage tendenziell bei Wohnungen mit weniger als vier Zimmern liegt.

Pessimistische Erwartungen für Geschäftsliegenschaften

Wie bereits in den vergangenen Jahren verlief die Entwicklung im Markt für Büro- und Geschäftshäuser weniger positiv. Eine grosse Mehrheit der Experten beschreibt eine rückläufige Nachfrage sowie sinkende Preise für diese Flächen. Dennoch geben 45 % der Befragten an, dass sich das Angebot ausgeweitet habe. Entsprechend erwarten die Experten für das kommende Jahr einen Rückgang der Neubautätigkeit in diesem Bereich. Für 2016 geht eine Mehrheit weiterhin von rückläufigen Preisen aus (76 %). Dabei sind die Erwartungen für Geschäftsflächen an zentralen Lagen in den Grossstädten etwas positiver als für Standorte in Quartieren oder Agglomerationsgemeinden und mittelgrossen Städten.

Baukosten, Baulandpreise und Hypothekarzinsen

Baukosten und Baulandpreise sind zwei Faktoren, die die Nachfrage nach Immobilien erheblich beeinflussen. 70 % der Experten erwarten für ihre Region konstante Baukosten im kommenden Jahr, während 19 % von sinkenden und 11 % von steigenden Kosten ausgehen. Auch die Höhe der Hypothekarzinsen ist für die Nachfrage nach Immobilien entscheidend. Die Hypothekarzinsentwicklung hängt vor allem von den zukünftigen Zinsentscheiden der Schweizerischen Nationalbank ab. Aufgrund des starken Frankens darf aber noch eine Weile mit dem expansiven Kurs der Nationalbank gerechnet werden, und daher dürften die Hypothekarzinsen noch länger auf dem momentanen tiefen Niveau bleiben. Abschliessend lässt sich feststellen, dass die Aussichten für den Immobilienmarkt zwar etwas gedämpft, aber keineswegs schlecht sind.