• Zurück zur Natur

Zurück zur Natur

05.09.2017     ANDREA ESCHBACH, Journalistin

Bodenbeläge – Die neuen Trends für den perfekten Auftritt.

Auf dem Boden tut sich was: Natürlichkeit und Nachhaltigkeit sind bei Bodenbelägen derzeit Trumpf. Und zwar in allen Produktgruppen – von elastischen Bodenbelägen und Teppichen über Holz- und Laminatböden bis hin zu den Verlegetechniken, die zunehmend auf Lösungsmittel verzichten.

Der Schweizer Hersteller Bauwerk Parkett macht es vor: Das Traditionsunternehmen hat schon 2010 mit der konsequenten Überprüfung seiner Produkte begonnen. Denn Parkett ist nicht per se gesund. Holz ist zwar ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff, doch bei der Fertigung von Parkett werden Klebstoffe, Lacke und Öle eingesetzt, die unter Umständen schlecht für die Gesundheit sind. Bei Bauwerk entsprechen die verwendeten Materialien höchsten Ansprüchen. Um dies zu garantieren, lässt Bauwerk die Werkstoffe regelmässig durch unabhängige Institute in verschiedenen Ländern prüfen. 

Markante Holzböden

Parkettböden laden sich nicht statisch auf, fühlen sich mit kalten Füssen warm an und bleiben an heissen Sommertagen dennoch angenehm kühl. «Formpark», ein Entwurf von Studio Wettstein für Bauwerk Parkett, besteht aus je zwei breiten Dielenformaten, die dank ihrer Proportionen von 1 : 3 und 1 : 2 sowohl parallel als auch rechtwinklig zueinander verlegt werden können. Dies ermöglicht unzählige traditionelle und neuartige Muster – vom lebendigen Schiffsboden über das traditionelle Klötzliparkett bis hin zum angesagten Fischgrätmuster. Daneben sieht man auch Hölzer und Holzoptiken, die auffällig gemasert sind oder im Used-Look daherkommen.

Robustes und elegantes Eichenholz bildet die Grundlage für die Parkett- Edition NEA des deutschen Herstellers Parador. Der Parkettboden aus der Kollektion «Floor Fields Edition» aus der Feder des Zürcher Designers Alfredo Häberli punktet dabei mit runden, geometrischen Ausfräsungen in minimaler Tiefe. Reliefstrukturen und klare Konturen setzen Akzente. Je nach Lichteinfall entfaltet das schwarz gebeizte Eichenholzparkett seine Wirkung im Raum. 

Doch es muss nicht immer Echtholz sein. Natürlich gewachsen ist auch Kork. Das Material ist schallund wärmedämmend und ausserdem in diversen Ausgestaltungen erhältlich. Korkböden, wie sie die Schweizer Firma Naturo Kork AG beispielsweise herstellt, kommen in täuschend echter Holz- oder Steinstruktur daher. Solche Böden sind stark belastbar sowie angenehm zu begehen.

Auf handgesenstes Tiroler Almheu schwört dagegen der Hersteller Li & Co aus Müstair. Für die Bodenplatten «Lico Pur» werden verpresste Pflanzenteile auf Kork und eine Trägerplatte aufkaschiert. Anschliessend wird der Boden durch die sogenannte Hot- Coating-Technologie strapazierfähig und wasserdicht gemacht.

Kreatives Recycling

Früher war Linoleum vor allem in Küchen ein beliebter Bodenbelag, nun erlebt es als Naturprodukt ein Comeback. Sinn für kreative Wiederverwertung beweist dabei der niederländische Hersteller Forbo Flooring. Dem Linoleumboden «Marmoleum Cocoa» geben zerkleinerte Schalen von Kakaobohnen einen modernen Look. Durch die Einstreuung des industriellen Abfallprodukts erhält der Boden zudem eine interessante Haptik.

Natürlichkeit ist auch bei Teppichen angesagt. Das deutsche Label Reuber Henning präsentiert mit der Kollektion «As Simple As» monochrome Teppiche aus Wolle und Seide. Neu hinzu kommen die Linien «Max» und «Kasimir » – eine Hommage an den malerischen Konstruktivismus. Fransen aus Baumwolle kontrastieren dabei spielerisch das minimalistische Design. Verschiedene Materialien wie tibetische Wolle und Seide sowie gewebte Linien erzeugen ein spannendes Spiel von Glanz, Mattigkeit und Schatten.

Blickfang Teppich

Geometrische und grafische Muster machen in dieser Saison Boden gut. Für den niederländischen Hersteller Danskina ersannen die Designstars Ronan und Erwan Bouroullec mit «Semis» ein harmonisches Zusammenspiel von Punkten das an Formen des Art déco erinnert. Der dicht getuftete Flor verleiht den Teppichen einen Hauch von Luxus. Die Garne sind in zwei Farben und verschiedenen Florhöhen zu einer Art textilem Relief verarbeitet.

Nicht umsonst hat der deutsche Teppich-Maestro Jan Kath seine neue Kollektion «Artwork» getauft. Hier wurde jedoch nicht mit Pinsel und Farbe, sondern mit Wolle und Seide «gemalt». Was für den Betrachter zufällig erscheint, hat der Designer in seiner Vorlage exakt vorgegeben und wird von den erfahrenen Knüpfern in den Manufakturen in Kathmandu perfekt reproduziert.

Comeback für Perserteppiche

Perserteppiche erleben zurzeit ein Comeback. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein Hamburger mit iranischen Wurzeln. Hossein Rezvani entwirft Schmuckstücke, mit denen er haargenau den Zeitgeist trifft. In seiner «Shiraz»-Kollektion überträgt er den klassischen Perserteppich mit Medaillon durch Stilmittel des Used-Looks in die Moderne, ohne dessen kulturelle Wurzeln aus den Augen zu verlieren.

Wer es unter den Füssen gern bunter und wilder mag, kann seine Wohnung mit dem Teppich «Hayón x Nani» schmücken. Anlässlich des 30-jährigen Firmenjubiläums präsentieren die spanischen Teppichspezialisten von Nanimarquina eine Kollektion von Jaime Hayón. Schildkröten, Lippen, Hände, Fische und Fabelwesen zieren den Entwurf des Madrider Tausendsassas. Die Modelle werden von Hand getuftet, dabei schiesst eine spezielle Garnpistole Wollfäden ein. So können Hayóns Skizzen detailgetreu umgesetzt werden. Das Resultat: ein nahezu surrealistisches Meisterwerk am Boden.