• Weniger Öl, mehr Sonne

Weniger Öl, mehr Sonne

14.06.2018     MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Die Kombination von Ölbrennwertkessel und Solarthermie ist noch wenig verbreitet. In St. Gallen ermöglichte sie eine Heizungssanierung, die den Eigentümern tiefere Kosten und mehr Komfort bringt.

Die zwei freistehenden Mehrfamilienhäuser im Quartier Heiligkreuz-Rotmonten wurden 1975 erbaut und umfassen je sieben Eigentumswohnungen. Für damalige Verhältnisse war der Baustandard ungewöhnlich hoch, und auch die Grundrisse und Nebenräume sind grosszügig gestaltet. Die Bausubstanz inklusive Gebäudehülle ist noch in einem guten Zustand. Jedoch hatte die bestehende Ölheizung das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Der hohe Brennstoffverbrauch war aus finanzieller wie ökologischer Sicht unbefriedigend, zudem lief der Brenner wegen der Warmwasseraufbereitung jeden Tag – selbst im Sommer. Das merkte insbesondere Gottfried Büchler, der mit seiner Frau in der Parterrewohnung über dem Heizraum wohnt: «Unser Schlafzimmer wurde regelrecht durch die Kellerdecke geheizt, denn die Anlage produzierte sehr viel Abwärme, die man nicht verwerten konnte.» Dazu kam ein weiteres Problem: Die Heizzentrale versorgt alle 14 Wohnungen in den zwei Gebäuden. Dies macht verschiedene Umwälzpumpen notwendig, einzelne davon waren zunehmend verschlissen. Um kostspielige Reparaturen der alten Anlage zu vermeiden, wurde die schon länger geplante Heizungssanierung deshalb vorgezogen. Betreut wurde das Projekt durch den Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft, Hanswerner Moser (Inhaber immoserve. ch, St. Gallen), zusammen mit dem Ausschuss der Eigentümergemeinschaft. Dieser besteht aus den Miteigentümern Gottfried Büchler und Adrian Rieter.

Rascher Entscheid

Die bei Neubauten beliebte Kombination aus Erdsonden und Wärmepumpe schied aus. Auf der Parzelle sind keine Bohrungen erlaubt, und die für Erdsonden notwendigen Kosten wären unverhältnismässig gewesen. Zudem benötigt das bestehende Heizsystem hohe Vorlauftemperaturen. Somit waren als Energieträger für die neue Heizung noch Gas und Öl im Rennen. «Weil wir keinen Anschluss an das städtische Gasnetz besitzen, fiel die Wahl letztlich auf eine neue Ölheizung. Wir wollten allerdings die Warmwasseraufbereitung entkoppeln, damit der Dauerbetrieb der Heizung entfällt», sagt Gottfried Büchler. Damit war die zweite Komponente des Systems gesetzt: die Warmwasseraufbereitung mittels Solarthermie. In der Offertrunde reichten gleich zwei Unternehmen eine überzeugende Offerte ein. Deshalb beschlossen Ausschuss und Verwalter, die Arbeiten aufzuteilen. Mit der Installation des Brennwertkessels wurde die Pfister Heizungen AG in St. Gallen betraut, für die Solarmodule wählte man die Eigenmann AG in Wittenbach.

Warmwasser von der Sonne

Auf dem Gebäude mit der Heizzentrale wurden zehn Indach-Module des Typs Elco Solatron mit einer Gesamtfläche von 22,5 Quadratmetern montiert. «Der Einbau verlief reibungslos. Wir benötigten keine spezielle Unterkonstruktion, sondern mussten nur einzelne Dachlatten ersetzen», berichtet Fabio Chiummariello, Bereichsleiter Heizung bei der Eigenmann AG. Nach der Montage wurde das Dach wieder eingedeckt. Die Rohre, die zur Heizzentrale führen, wurden vom Spengler sauber eingefasst und sind damit nicht sichtbar. Dort wurden für die Warmwasseraufbereitung zwei neue Elco-Boiler des Typs «Vistron F1000-A» installiert. Der erste wird von der Solarthermieanlage geladen, der zweite von der neuen Heizung. «Die Steuerung der Anlage reagiert auf das Wetter», erläutert Chiummariello, «sobald die Sonne scheint, wird das Wasser im ersten Boiler erwärmt. Wenn dieser ausreichend Warmwasser produziert hat, schichten wir es mit einer Pumpe in den zweiten Boiler um.» Bei Bewölkung, Regen oder zu grosser Kälte nutzt man hingegen das Warmwasser aus dem zweiten, dem «Heizungsboiler».

Der alte Heizkessel wurde mit einem Ölbrennwertkessel «Straton XL 150» von Elco ersetzt. Dank der kompakten Abmessungen konnte das neue Aggregat durch die bestehende Tür in die Heizzentrale eingebracht werden. Sein Wirkungsgrad beträgt rund 98 Prozent, die alte Anlage brachte es nur auf 85 Prozent. «Bei den alten Kesseln ging die Abwärme der Abgase verloren, mit den Brennwertkesseln kann man sie hingegen nutzen», sagt Bruno Hug, Mitinhaber der Pfister Heizungen AG. Deshalb liegen die Abgastemperaturen nur noch bei 40 bis 60 Grad Celsius. Ein Teil der Abgase kondensiert im Heizkessel, wird mit einem Granulat neutralisiert und kann anschliessend in die normale Kanalisation eingeleitet werden. Wegen der tiefen Temperaturen steigen allerdings die Abgase im Kamin langsamer auf als bei der alten Heizung, was den Abgasabzug hemmt. Deshalb wurde, wie in solchen Fällen mit Ölbrennwertkesseln üblich, im bestehenden Kamin ein neues Kunststoffrohr eingezogen. Damit konnten unter anderem der Querschnitt verkleinert und der einwandfreie Abzug der Abgase sichergestellt werden.

Merkbare Einsparungen

«Die Kombination aus Brennwertkessel und Solarthermie ist eine valable Option», sagt Cosimo Ardito, zuständiger Verkaufsberater bei der Elcotherm AG. Eine Anlage, die möglichst viel Solarwärme ernten solle, werde tendenziell etwas teuer. Nutze man die Solarthermie hingegen als zusätzliche Wärmequelle wie in diesem Fall, falle die Amortisation leichter. Speziell sei jedoch weniger die Anlage als vielmehr die Ausgangslage: «Wir beheizen hier gleich zwei Mehrfamilienhäuser mit einer Anlage, und alle Wohneinheiten sind Stockwerkeigentum. Da muss die Zuverlässigkeit top sein, das wollen wir auch einhalten.» Neben einwandfreier Komponenten spiele die Amortisation eine grosse Rolle. «Die Kostenreduktion durch eine Heizungssanierung hängt von vielen Punkten ab», sagt Ardito. Wichtig sind zum Beispiel die bauliche Ausgangslage, der gewählte Hezungstyp und die gewünschten Raumtemperaturen. 

Die Finanzierung des Sanierungsprojekts stellte kein Problem dar. Der Erneuerungsfonds war dank jahrelanger Einzahlungen gut geäufnet, zudem leisteten alle Miteigentümer in den drei Jahren vor dem Umbau leicht höhere Beiträge, als im Reglement vorgesehen. Die ebenso aufwendige wie sorgfältige Vorbereitung des Geschäfts zahlte sich aus: «An der Eigentümerversammlung gab es nur wenige Fragen und ein einstimmiges Ja», sagt Gottfried Büchler. Weil die Sanierung erst letztes Jahr abgeschlossen wurde, lassen sich die Einsparungen der Stockwerkeigentümergemeinschaft noch nicht auf den Franken genau beziffern. Während der letzten Heizperiode war der neue Heizkessel nämlich 12 Monate verfügbar, die Solarthermie-Module hingegen nur sieben Monate. Adrian Rieter hat trotzdem eine erste Rechnung gemacht: «Im Vergleich zum durchschnittlichen Ölverbrauch pro Heizgradtag der Jahre 2009 bis 2015 betrug die Reduktion rund 5000 Liter Heizöl, was einer Einsparung von 15,85 Prozent entspricht.»

Baubeteiligte

Bauherrschaft: Stockwerkeigentümergemeinschaft (14 Parteien)

Planung und Ausführung Solarthermie: Eigenman AG, Wittenbach

Planung und Ausführung Heizzentrale: Pfister Heizungen AG, St. Gallen

Heizkessel: Elco Straton XL 150

Solarthermie-Module für Warmwasser: Elco Solatron S 2.5-1

Boiler: 2 x Elco Vistron F1000-A