• Von der Zwiebel zum Blumenteppich

Von der Zwiebel zum Blumenteppich

27.10.2017     JUDITH SUPPER Autorin «Schweizer Garten»

Sie, liebe Leser, haben beim Online-Voting im Oktober abgestimmt und sich ganz knapp für das Gartenthema «Blumenzwiebeln pflanzen» entschieden. Et voilà – erfahren Sie hier mehr über das Setzen von Blumenzwiebeln und wie sich Ihr Garten im nächsten Frühling in ein Blumenparadies verwandelt.

Sie wünschen sich für den nächsten Frühling einen Teppich voller Tulpen, Narzissen, Hyazinthen oder Krokusse in Ihrem Garten? Zwiebelpflanzen fallen besonders auf, wenn sie in Gruppen beieinander stehen. Für ein naturnahes Bild gibt es einen einfachen Trick: Eine Hand voll Zwiebeln in die Luft werfen und dort einpflanzen, wo sie gerade landen. Ist wenig Platz vorhanden, kann man auch Zwiebel an Zwiebel pflanzen. Als Faustregel für die Pflanztiefe gilt mindestens die doppelte Zwiebeltiefe. Bei Frühlingsblühern, die von der Narzissenfliege heimgesucht werden – das sind neben Narzissen auch Tulpen, Schneeglöckchen oder Märzenbecher –, ist eine noch etwas grössere Pflanztiefe empfehlenswert. Auch wenn der Boden schon feucht ist, sollte nach dem Pflanzen reichlich gegossen werden, um das Anwachsen zu fördern. Dünger brauchen die Zwiebelpflanzen beim Setzen hingegen nicht. Die Düngergabe mit einem stickstoffarmen Dünger erfolgt erst später, nach der Blütezeit. Am Gehölzsaum hilft es ausserdem, wenn man als Düngemassnahme das Herbstlaub liegen lässt.

Narzissen sind die besseren Tulpen

Die Produktion von Blumenzwiebeln ist leider alles andere als nachhaltig und gilt als der umweltschädlichste Landwirtschaftszweig überhaupt. Das Angebot an Bioware ist zwar noch etwas dürftig, doch man sollte sich für Bioprodukte entscheiden, wenn man die Wahl hat – die gängigsten Frühlingsblüher sind im Handel erhältlich. Ausserdem ist es ratsam, auf Blumenzwiebeln zu setzen, die Jahr für Jahr wieder blühen. Dazu gehören Krokusse, Narzissen oder Schneeglöckchen. Tulpen hingegen sind oft sehr kurzlebig. Eine löbliche Ausnahme bildet die weissblühende Purissima: Sie blüht zeitig und gedeiht auch im Schatten und an eher feuchten Stellen gut. Während andere Tulpen nach zwei, drei Jahren verschwinden, vermehrt sich die Purissima durch Tochterzwiebeln, so dass sich mit der Zeit ansehnliche Bestände entwickeln. Narzissen gelten bei vielen Gartenkennern als die «besseren Tulpen»: Sie blühen früher, duften und sind vor allem anpassungsfähiger. Ausserdem kommen Narzissen meist zuverlässig wieder, darunter die wunderschönen Sorten Thalia, Pueblo und Sailboat.

Gebündelte Energie

Nach beendeter Blüte transportieren Zwiebelpflanzen alles, was an Nährstoffen noch in den Blättern und Stängeln ist, in die Speicherorgane zurück. Daher dürfen die oberirdischen Teile erst abgeschnitten werden, wenn sie komplett braun sind. Vorsicht also beim Rasenmähen! Eine Ausnahme bilden die Tulpen: Hier sind die Blütenstände abzuschneiden, sobald das letzte Blütenblatt abgefallen ist. Von der Pflege her sind Zwiebelpflanzen nicht sehr anspruchsvoll. Die meisten bevorzugen einen humosen, durchlässigen Boden. Lehmige Erde lässt sich mit etwas Sand und frischer, lockerer Blumenerde verbessern.

Giftige Gesellen

Da, wo die Zwiebeln die Nährstoffe über längere Zeit speichern, ist der Hunger der Frassfeinde besonders gross. Es ist somit kein Wunder, dass die Zwiebeln von vielen früh blühenden Gartenpflanzen, insbesondere von Maiglöckchen, Winterling, Tulpe und Schneeglöckchen, extrem giftig sind – auch für den Menschen. Durch diese Massnahme schützen sich die Pflanzen davor, von hungrigen Nagerzähnen angeknabbert zu werden. Wir ziehen den Hut vor ihrer Raffinesse, denn damit bescheren sie uns Jahr für Jahr ein freudiges Frühlingserwachen.

Der Tipp der Gartenbloggerin

In diesen Tagen noch schnappe ich mir das Setzholz, eine kleine Gartenschaufel und meine Schneeglöckchenzwiebeln, die vor Wintereinbruch unter die Erde wollen. Letztes Jahr habe ich in einer Zeitschrift gesehen, wie man ein Herz aus Schneeglöckchen in den Rasen setzt. Das sah toll aus, und ich habe mich gewundert, weshalb mir diese Idee nicht selbst gekommen ist. Aber anstatt mich lange zu ärgern, schreite ich jetzt lieber zur Tat. Nun stehe ich da, mit 84 Schneeglöckchen und einem vom Laub befreiten Rasen. Im Ratgeber wurde das Herz mit Laub vorgeformt, doch mir ist das zu aufwendig, und so lege ich die Zwiebeln einfach in Herzform aus. Aussen setze ich die Sorte Woronowii und im Inneren Elwesii, die etwas früher zu blühen beginnen sollte. Jetzt bin ich gespannt, ob mein Schneeglöckchen-Herz im nächsten Frühling so aussehen wird, wie ich es mir ausmale. Die Natur hält sich ja leider nicht immer an unsere Kopfkino- Vorlagen, geschweige denn an Bilder aus Gartenratgebern. Der nächste Frühling wird es mir verraten.

Alexandra Zöbeli

ZEITSCHRIFT «SCHWEIZER GARTEN»

Seit bald 90 Jahren überzeugt das meistgelesene Gartenmagazin der Schweiz mit spannenden Inhalten, redaktioneller Qualität und einer hochwertigen Aufmachung. Die Leser, die zu 85 Prozent ein Eigenheim mit Garten besitzen, schätzen die saisongerechten Praxishilfen und die Inspiration für ihre eigene Gartengestaltung. Mit seiner Themenvielfalt rund um den Bio-, Gemüse-, Obst- und Ziergarten spricht der «Schweizer Garten» ein Publikum mit «grünem Daumen» an. Dabei liegt der Schwerpunkt auf typischen Themen für die Schweiz.

Erhältlich als Probeabo (3 Ausgaben) oder mit einer interessanten Prämie als Jahresabo (12 Ausgaben). www.schweizergarten.ch 

Als HEV-Mitglied erhalten Sie die Zeitschrift «Schweizer Garten» 30 Prozent günstiger im Jahresabo.  Weitere Informationen