• Umtopfen wie ein Profi

Umtopfen wie ein Profi

13.04.2018     TOBIAS FRANZKE, Silvedes AG, Brütten

Garten & Terrasse – Umgetopft wird am besten im Frühjahr. Worauf muss man beim Wechsel auf ein neues Gefäss achten?

Auf den ersten Blick mag das Umtopfen von Pflanzen banal erscheinen. Doch aufgepasst! Erst durch fachlich korrektes Umtopfen sorgen Sie für ein langfristig gesundes Gedeihen Ihrer grünen Lieblinge.

Der richtige Zeitpunkt

Am besten entwickeln sich Pflanzen, wenn in der wüchsigen Jahreszeit umgetopft wird. Vor allem im zweiten Quartal ist das Wachstum in vollem Gang – ein idealer Zeitpunkt also, um auf ein neues Gefäss zu wechseln. Am wenigsten eignet sich das vierte Quartal, da in der düsteren Jahreszeit sowohl Lichtmenge als auch -intensität beständig abnehmen. Sofern keine professionelle Infrastruktur wie beispielsweise ein lichtdurchflutetes Gewächshaus zur Verfügung steht, riskiert man durch das Umtopfen im lichtarmen Jahresabschnitt schwerwiegende Probleme.

Gefässauswahl

Pflanzgefässe müssen ohne Abstriche dauerhaft aussenbereichstauglich sein. Die Prädikate «frostresistent » und «winterfest» sind nicht geschützt und prangen daher auf so gut wie jedem Pflanztopf. Nur werden diese Versprechungen noch lange nicht immer erfüllt. Im langen Rennen bleiben nur etwa eine Handvoll Gefässmaterialien, die sich in unseren Breiten als beständig erwiesen haben. Die Palette reicht von der echten Terracotta d’Impruneta über hochwertige Plasticotta-Imitate, Eternitgefässe, hierzulande fabrizierte Eichenkübel, sachgerecht ausgestattete Metallgefässe und mit viel Knowhow produzierte Töpfe aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Bei neuartigen Verbundstoffen und allzu vollmundigen Versprechungen im Billigsegment ist Vorsicht geboten. Muss das Gefäss wenig später bereits wieder ersetzt werden, wird aus der vermeintlichen Einsparung ein kostspieliger Fehlentscheid.

Unabhängig von der Materialisierung gilt es, Staunässe verlässlich zu verhindern. Hierzu sind reichlich und grosszügig dimensionierte Ablauflöcher unverzichtbar. Das neue Gefäss sollte zudem deutlich mehr Platz bieten als das alte, damit nicht schon bald wieder umgetopft werden muss. Weist der neue Topf etwa das anderthalbfache Volumen des alten auf, ist man auf gutem Weg.

Das richtige Substrat

Der Erde kommt grösste Bedeutung zu – das Substrat ist absolut matchentscheidend. Für ein dauerhaft prächtiges Gedeihen darf sich das Substrat nicht abbauen, und es muss das überschüssige Wasser auch nach Jahren noch zuverlässig abführen. Langzeit-Erde verfügt dank mineralischer Komponenten über eine langfristig stabile Struktur und sorgt für gute Belüftung des Wurzelballens. In den Topf sollte kein Kompost zugegeben werden, da sich Bodenlebewesen, die im Garten eine wichtige Rolle spielen, gefangen in einem Gefäss zu Schädlingen für die Pflanze entwickeln und das Wachstum behindern können. 

Nährstoffversorgung

Pflanzen im Topf sind vom natürlichen Nährstoffkreislauf weitestgehend ausgeschlossen, weshalb sie regelmässig gedüngt werden müssen. Am einfachsten erfolgt die Düngung durch einen Profi-Langzeit-Dünger, der nur einmal pro Jahr verabreicht wird und dank ausgeklügelter Temperatursteuerung die Nährstoffe dann abgibt, wenn die Pflanze sie zum Wachsen benötigt. Direkt nach dem Umtopfen kann mit dem Düngen etwas zugewartet werden, da die Suche nach Wasser und «Futter» eine zentrale Motivation für das Gewächs darstellt, kräftig in die neue Erde einzuwachsen.

Positionierung im Gefäss

Einseitig, schief, zu hoch, zu tief – beim Umtopfen ist Präzision gefragt. Neben der ästhetischen Komponente kann eine falsche Positionierung die Pflanze nachhaltig schädigen. Ist der Wurzelballen zu hoch gesetzt, leidet die Optik, und auch das Giessen wird unnötig erschwert. Liegt der Wurzelballen zu tief, und wird dadurch der Stamm der Pflanze eingegraben, kann dies zu Fäulnis und sogar zum Verlust der Pflanze führen. Am besten lockert der Gärtner den Wurzelballen nach dem Austopfen und misst dessen Höhe. Ins neue Gefäss füllt er nun so viel Substrat ein, dass die Oberkante des Ballens ganz wenig unterhalb des Gefässrandes zu liegen kommt. Als Nächstes tritt der Gärtner zurück, um die Pflanze von zwei Seiten vertikal auszurichten. Anschliessend wird geprüft, ob der Stamm genau in der Mitte des Gefässes liegt, und falls nötig, wird korrigiert. 

Verdichten und Einschwemmen

Rund um den bestehenden Wurzelballen füllt der Gärtner die Erde nun locker ein. Danach wird mit sehr viel Wasser eingeschwemmt, beispielsweise mit einem Gartenschlauch oder einer Giesskanne ohne Brausekopf. Das frisch eingefüllte Substrat wird dabei nicht mit den Händen oder – wie bisweilen zu beobachten – gar mit Hölzern oder sonstigen Hilfsmitteln angepresst und verdichtet, sondern nur durch kräftiges Einschwemmen. Einzig damit wird das Substrat optimal verteilt und schonend verdichtet. Bei grösseren Pflanzen bewegt der Gärtner während des mehrmaligen Giessens den Stamm hin und her. Die Pflanze erhält dadurch einen guten Stand, und allfällige «Lufttaschen» im Wurzelbereich verschwinden. Zwischendurch wird die mittlerweile abgesunkene Erde wieder aufgefüllt, bis zum Schluss der alte Wurzelballen ganz leicht überdeckt ist und ein kleiner Giessrand verbleibt. 

Werden all diese Punkte beim Umtopfen beachtet, gelingt der Wech- sel auf ein neues Gefäss mit Erfolg. Stimmen zudem die Standortfaktoren mit den Ansprüchen der Pflanze überein, fühlt sie sich in ihrem neuen Zuhause wohl und dankt dies mit gesundem Wachstum und langfristig prächtigem Gedeihen.