• Seniorengerechte Küche – ganz schön praktisch

Seniorengerechte Küche – ganz schön praktisch

13.10.2017     SANDRA AEBERHARD Faktor Journalisten, Zürich

Auch im Alter möchten viele Menschen möglichst lange und selbstständig in ihrer vertrauten Wohnumgebung bleiben. Eine entsprechend ausgestattete Küche hilft. Ist diese intelligent geplant, sind die Mehrkosten gering.

Jeder fünfte Bewohner der Schweiz ist 65 oder älter, und die durchschnittliche Lebenserwartung steigt laufend an. Das zunehmende Alter ist für viele Menschen allerdings mit körperlichen Einschränkungen verbunden. Um Senioren das Wohnen in ihrem vertrauten Umfeld bis ins hohe Alter zu ermöglichen, gibt es immer mehr Hilfsmittel, die das Leben zu Hause sicher und bequem machen sollen. 

Kochen ist wichtig

Das Kochen ist bei der «Generation Silver» eine der wichtigsten Aktivitäten. Die demografische Entwicklung hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach ergonomisch geplanten Küchen stark zugenommen hat. Damit auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität ohne fremde Hilfe zurechtkommen, muss bei der Planung der Fokus auf zwei Aspekte gelegt werden: Bequemlichkeit und Sicherheit. «Zu hohe Schränke, nicht passende Arbeitshöhe und fehlende Sitzmöglichkeiten machen das Kochen unbequem», weiss Heikki Heer, Architekt und Inhaber der Firma Heer Systeme AG, die auf verstellbare Küchenbeschläge spezialisiert ist und Möbel- sowie Küchenhersteller beliefert. Um die richtige Arbeitshöhe im Stehen zu eruieren, winkelt man den Ellenbogen um 90 Grad an. Idealerweise liegt die Arbeitshöhe 10 bis 15 Zentimeter unterhalb des Unterarmes. Stehen zwei Personen mit unterschiedlicher Körpergrösse regelmässig am Herd, lohnt sich allenfalls der Einbau von Küchenmöbeln, die in der Höhe verstellbar sind.

Unfälle im Haushalt passieren unabhängig vom Alter, nehmen jedoch bei älteren Menschen deutlich zu. Ein potenzielles Risiko sind hohe Schränke. Um Stürzen vorzubeugen, sollte die Küche so gestaltet sein, dass man nicht auf Stühle oder Leitern steigen muss, um etwas zu erreichen. Oberschränke platziert man also auf einer Höhe, auf der die verstauten Nahrungsmittel oder Küchenutensilien im Stehen bequem erreicht werden können. Auch gibt es die Möglichkeit, die Schränke mit einer Elektronik auszustatten, dank der sie per Knopfdruck heruntergefahren werden können. Setzt man auf diese Lösung, bedarf es allerdings einer Rückwand, die stabil genug ist, um den Hebelkräften standzuhalten. Als hilfreich erweist sich auch, Küchengeräte wie Backofen, Kühlschrank oder Spülmaschine auf einer Höhe anzubringen, auf der sie erreicht werden können, ohne dass man sich bücken muss. 

Kurze Arbeitswege 

Um unnötige Wege zu vermeiden, gilt es, bereits bei der Planung darauf zu achten, dass sich die Arbeitsabläufe beim Kochen möglichst effizient ausführen lassen. Idealerweise sind die am häufigsten verwendeten Utensilien und Zutaten in Griffnähe oder mit einer halben Drehung nach links oder rechts erreichbar. Praktisch ist auch eine Sitzgelegenheit neben der Arbeitsfläche, so dass etwa das Gemüserüsten sitzend ausgeführt werden kann. Haltegriffe müssen gut zu greifen sein und man darf nicht mit der Kleidung daran hängen bleiben. 

Gutes Licht 

Die Beleuchtung ist ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf die Sicherheit. Gute Lichtverhältnisse in der Küche machen beispielsweise Wasser auf dem Boden sichtbar und helfen, Verletzungen durch Stürze zu vermeiden. Im Alter brauchen auch gesund Menschen deutlich mehr Licht, da die Sehleistung mit den Jahren abnimmt. Auch reagieren die Augen empfindlicher auf Blendungen. Optimales Licht besteht in der Küche aus einer diffusen und blendfreien Grundbeleuchtung, die an den Arbeitsflächen punktuell durch ein gerichtetes Licht verstärkt wird.

Keine Abstriche beim Design 

Die Freude am Kochen ist eng mit einer schön gestalteten Küche verbunden – das ist auch im Alter nicht anders. Eine seniorengerechte Küche muss nicht als solche erkennbar sein. «Als älterer Mensch sollte man spitalähnliches Design nicht akzeptieren, sondern auf eine schöne und gut gestaltete Küche bestehen», findet Heer. Mit den heute verfügbaren Hilfsmitteln sei es einfach, Küchen und andere Inneneinrichtungen so zu bauen, dass sie gleichzeitig chic und für alle tauglich sind.

Auch die Mehrkosten bleiben im überschaubaren Rahmen. Ein Backofen mit seitlich zu öffnenden Türen kostet lediglich minim mehr als ein konventioneller. Teurer sind hingegen höhenverstellbare und unterfahrbare Arbeitsflächen. Solche Optionen sind ab gut 2000 Franken erhältlich, die Leistungen eines Küchenbauers inbegriffen. «Intelligent geplant und gebaut, muss eine Küche mit ergonomischen und höhenverstellbaren Features nicht viel teurer sein als eine konventionelle Durchschnittsküche», sagt Heer.

Ältere Menschen, die ihre Küche erneuern wollen, lassen sich am besten von einem Küchenbauer beraten, der sich auskennt im Bau seniorengerechter Küchen. Das Alter soll der Freude am Kochen und Geniessen keinesfalls im Wege stehen. 

WEITERE INFOS

Informationen, Inspirationen und entsprechende Adressen finden Interessierte beim Verband Küche Schweiz unter: www.küche-schweiz.ch