• Schwitzen statt gärtnern

Schwitzen statt gärtnern

05.09.2017     Yvonne Lemmer, HEV Schweiz

Die kühleren Jahreszeiten Herbst und Winter stehen bevor. Die Stunden, die wir im Garten verbringen, werden deshalb weniger. Aussensaunas ändern das – sie locken uns auch an kalten Tagen nach draussen in die Wärme.

Heiss, kalt, ausruhen. Und nochmals von vorn: heiss, kalt, ausruhen. Am besten drei Mal hintereinander. So sieht Saunieren aus. Und es tut gut – nicht nur dem Körper, auch der Psyche. Was passiert genau im Körper, wenn wir in der Sauna schwitzen? 

Herz- und Atemfrequenz steigen

«Zum einen erwärmt sich die Hautoberfläche, zum anderen steigt die Körperinnentemperatur – ähnlich wie bei Fieber», sagt Dr. med. Regina Schelble, Sportärztin in der Sportclinic Zürich. Der Körper reagiere mit einer Aktivierung von Abwehrzellen und einer Blutgefässerweiterung auf die Wärme. «Herzund Atemfrequenz nehmen zu und die Muskulatur entspannt sich», erklärt die Sportärztin weiter.

In der finnischen Sauna wird bei Temperaturen zwischen 80 und 100 Grad Celsius und einer tiefen Luftfeuchtigkeit von ca. 10 Prozent geschwitzt. Nur der gelegentliche Aufguss erhöht die Luftfeuchtigkeit für eine kurze Zeit und lässt den Saunabesucher noch stärker schwitzen. Durch das Schwitzen wird gemäss Schelble die Flüssigkeit im Körper mobilisiert. In der Körperflüssigkeit enthaltene Abfallstoffe schwitzt man dadurch aus. «Zunächst wird die Flüssigkeit dem Blut entzogen, bei weiterem Schwitzen dann der Muskulatur und dem Fett- und Bindegewebe », sagt die Sportärztin.  

Eine mildere Form der Sauna ist das Sanarium, in dem es «lediglich» um die 50 bis 60 Grad heiss wird. Die Luftfeuchtigkeit im Sanarium ist höher als in der klassischen Sauna – sie liegt bei etwa 55 Prozent. Wem die finnische Sauna für den Kreislauf zu anstrengend ist, entspannt sich im Sanarium besser. Beide «Schwitz-Varianten » trainieren das Herz- / Kreislauf- System und die Atmung. «Die heisse Luft beeinflusst die Atemwege positiv », erklärt Sportärztin Schelble. Warum ist das so? Durch die Wärme werde die Durchblutung der Schleimhäute angekurbelt. Zudem würden die Schleimhäute befeuchtet und dadurch könne das Sekret in den Atemwegen besser abtransportiert werden.  

Materialwahl für Aussensauna

Im Handel gibt es diverse Sauna- Modelle in unterschiedlichen Grössen und Preisklassen: von der Saunakabine für Keller oder Badezimmer hin zur Mini-Sauna, die in jedes Zimmer passt und auf Knopfdruck vergrösserund verkleinerbar ist. Oder man wählt bewusst ein Modell für den Aussenbereich: ein einladendes Saunafass zum Beispiel, das neben dem Ort zum Saunieren auch ein Blickfang im eigenen Grün ist, oder ein geräumiges Saunahaus, das man in einer Ecke des Gartens platziert. Damit solche Aussensaunas die frostigen Winter- und die sonnigen Sommermonate überstehen, muss ihr Material robust sein. Wichtig ist deshalb die richtige Materialwahl. Gemäss Tony Küng, Inhaber der Küng Sauna & Spa AG, eignen sich die Holzarten Kiefer, Arve, Erle und Espe, wobei Espe ein bisschen feuchtigkeitsempfindlicher als die anderen genannten Hölzer ist. Auch Chrom-Nickel-Stahl, Naturstein oder andere wetterfeste Materialien kommen für das Sauna-Äussere infrage.

Holz oder elektrisch?

Vor dem Saunakauf muss man zuerst entscheiden, welche Wärmequelle für die 90 Grad Celsius sorgen soll. Meist fällt die Wahl auf einen Elektro- oder einen Holzofen. Welche Vor- und Nachteile haben diese beiden Saunaöfen? «Durch den Holzofen hat der Saunagänger ein rustikales Saunaerlebnis», sagt Tony Küng. Der Nachteil einer Holzheizung liege allerdings darin, dass der Pflegeaufwand grösser sei als bei einem Elektroofen. Wer es schnell und unkompliziert mag und auf das rustikale Erlebnis verzichten kann, wählt einen Elektroofen. «Damit heizt man die Sauna in kurzer Zeit ein», sagt Küng, «zudem ist der Elektroofen eine saubere Variante – man muss sich die Finger nicht wie beim Feuern mit Holz schmutzig machen.» Zu beachten ist jedoch – und dies gilt insbesondere für Aussensaunas, die man weit vom Haus entfernt einplant –, dass es immer eine Stromleitung braucht. Und: Eine Aussensauna hat einen etwas höheren Stromverbrauch als eine Sauna für den Innenbereich.

Abkühlung muss sein

Saunieren im eigenen Garten erinnert ein bisschen an das Saunabaden, wie es die Finnen zelebrieren – draussen im Holzhäuschen, vielleicht sogar direkt am See. Die Luft ist eisig kalt, der Boden schneebedeckt, man schwitzt gemeinsam mit Freunden, Arbeitskollegen oder Familienmitgliedern bei 90 Grad in der Sauna – und kühlt sich danach im Eisloch ab. Im Eisloch? Ein solches fehlt in hiesigen Gärten natürlich. Für Abkühlung nach einem Saunagang sorgen dafür die kalte Dusche innerhalb des Sauna-Häuschens, die Open-Air-Dusche und das Tauchbecken. Oder man verzichtet einfach auf die Abkühlung, die sowieso immer viel Überwindung kostet ... Das kommt laut Sportärztin Schelble nicht infrage: «Das Abkühlen bzw. die Kaltwasseranwendung ist ein wichtiger Bestandteil des Saunierens. » Erst durch das Abkühlen entstehe ein Heiss- / Kaltreiz. «Durch die Hitze haben sich die Gefässe erweitert. Der Kältereiz sorgt dafür, dass sich die Gefässe wieder verengen – dadurch werden sie trainiert», sagt die Sportärztin. Das kalte Wasser wirkt abhärtend, kreislauf- und stoffwechselanregend sowie vegetativ stabilisierend.

Vorschriften beachten

Eine Sauna ist schnell gekauft. Bevor das Saunieren draussen im eigenen Garten aber losgehen kann, muss man prüfen, ob für die Aussensauna eine Baubewilligung eingeholt werden muss. Die Vorschriften, wie hoch ein Saunahaus sein darf und welche Grenzabstände zum Nachbarsgrundstück einzuhalten sind, sind kantonal geregelt. Ausserdem ist bei einer Gartensauna mit Holzofen aufgrund der erhöhten Brandgefahr unter Umständen und je nach Kanton eine Bewilligung von der Feuerpolizei erforderlich. Am besten informiert man sich beim Bauamt der Wohngemeinde über die jeweiligen Vorgaben. Deshalb gilt: vor dem Schwitzen zuerst schwatzen. Und zwar mit dem Bauinspektorat der Gemeinde und mit den Nachbarn. Letztere sollte man nämlich auch in seine Pläne einbinden. Man möchte schliesslich nicht riskieren, dass das Projekt Aussensauna statt in der gewünschten Entspannung in einem nervenaufreibenden Nachbarsstreit endet.

A wie Anheizzeit und Aufguss

Anheizzeit: So nennt man die Zeit, die nötig ist, um mittels des eingeschalteten Saunaofens die für den ersten Badegang in der Saunakabine gewünschte Lufttemperatur zu erreichen. Im Normalfall rechnet man hierfür mit 30 bis 45 Minuten.

Aufguss: Aus einem Kübel wird mit einer Kelle eine grössere Menge Wasser – dem oft duftende ätherische Öle beigefügt sind – über die heissen Steine auf dem Saunaofen gegossen. Eine Dampfwolke vernebelt den Raum und erfüllt ihn zugleich mit dem Duft. Die schlagartig erhöhte Luftfeuchtigkeit in der Sauna führt zu einem deutlich erhöhten Hitzeempfinden. Eine weitere Hitzesteigerung entsteht durch Verwirbeln der feuchten Luft mit einem Handtuch. Der Aufguss stellt einen zusätzlichen Hitzereiz dar – die Schweissdrüsen arbeiten auf Hochtouren.

Quelle: Klafs Wellness-ABC, www.klafs.ch 

Aufgepasst!

  • Menschen, die an einer Herzkreislauf- oder Lungenerkrankung oder an Hautproblemen leiden, sollten vor dem ersten Saunabesuch ihren Hausarzt aufsuchen.
  • Verzichten Sie bei einem akuten grippalen Infekt aufs Saunieren.
  • Untrainierte Saunagänger mit labilem Kreislauf sollten das Abkühlen mit kaltem Wasser langsam angehen. Gewöhnen Sie Ihren Körper schrittweise an das Saunieren und an das Abkühlen danach.
  • Saunieren hat viele positive Effekte, zum Abnehmen ist es jedoch nicht geeignet.