• Schutz durch Schloss und Riegel

Schutz durch Schloss und Riegel

30.06.2016     BEN KRON, Journalist BR, Zürich

Sicherheit – Es gibt zahlreiche bauliche und technische Massnahmen, mit denen man sein Eigenheim gegen Einbrecher schützen kann. Zwar ist die absolute Sicherheit nicht möglich, doch generell gilt: Jedes Hindernis trägt dazu bei, unerwünschte «Besucher» abzuhalten.

Rein statistisch wird die Schweiz immer sicherer. So gehen der polizeilichen Statistik des Bundes zufolge die Straftaten insgesamt zurück, und vor allem die Einbrüche haben markant abgenommen: Wurden 2014 noch über 50 000 Einbrüche gemeldet, waren es letztes Jahr über 9000 weniger, was einem Rückgang von 19 Prozent entspricht. «Das sind vor allem auch über 9000 Personen oder Familien, denen viel materieller Schaden und psychischer Stress erspart geblieben sind», unterstreicht das Bundesamt für Statistik in einer Medienmitteilung.

Nicht nur materieller Schaden

Tatsächlich bedeutet ein Einbruch weit mehr als nur den Verlust von Wertgegenständen: Das Gefühl der Sicherheit und des Zuhauseseins kann wegen eines solchen illegalen Eindringlings dauerhaft beeinträchtigt bleiben. «Wir haben keine Angst vor Einbrechern, wenn wir zu Hause sind», schildert eine Betroffene. «Aber wir gehen abends einfach nicht mehr gerne aus, vor allem nach dem Eindunkeln.» Diese Furcht ist verständlich, denn trotz sinkender Deliktzahlen sind es gemäss Kriminalstatistik immer noch 112 Einbrüche, die bei uns pro Tag stattfinden. Anders gesagt: Jede sechste Straftat in der Schweiz ist ein Einbruch.

Es lohnt sich deshalb, sowohl materiell als auch psychologisch, in die Sicherheit der eigenen vier Wände zu investieren. Und neben Alarmanlagen, Wachmännern und Schockbeleuchtungen bleibt die mechanische Widerstandsfähigkeit unverzichtbar, wenn es um effizienten Einbruchschutz geht. Zwar existiert der 100-prozentige Schutz leider nicht. Doch gilt die Regel: Je schwieriger das Eindringen in eine Wohnung oder ein Haus, desto eher lässt der Einbrecher davon ab. «Ein Einbruch soll möglichst schnell vonstatten gehen», erläutert der Sicherheitsexperte Bruno Spycher. «Jedes Hindernis, das Zeit kostet, erhöht für den Einbrecher das Risiko, entdeckt zu werden. Und damit die Chance für den Hausbesitzer, dass er von seinem Tun ablässt.»

Schwachpunkte erkennen und schützen

Statistisch gesehen erfolgt fast die Hälfte aller Einbrüche über die Terrasse oder den Balkon, sowohl bei Ein- als auch bei Mehrfamilienhäusern. Ein Drittel der Einbrecher kommt durchs Fenster in den Wohnbereich. Nur jeder zehnte Einbrecher in Mehrfamilienhäusern dringt hingegen durch die Wohnungstür ein. Bei Einfamilienhäusern liegt diese Zahl mit gut 20 Prozent deutlich höher. Doch der Einbruchschutz kann schon im Vorgarten beginnen: Jeder Zaun bildet eine erste psychologische Barriere, die ein Eindringling übersteigen muss, womit er sich exponiert. «So banal es klingt: Das Tor zum Grundstück sollte stets geschlossen sein», so der Fachmann Spycher. Das gehe manchmal vergessen. Zugleich ist darauf zu achten, Bäume oder Hecken so zu platzieren und zu schneiden, dass sie keinen Sichtschutz darstellen, hinter dem man sich an einer Tür oder einem Fenster zu schaffen machen kann. Auf keinen Fall sollte natürlich eine unfreiwillige Einstieghilfe für einen höher gelegenen Balkon geschaffen werden. Ein simpler Abfallcontainer kann dem Einbrecher zum Beispiel als kleine Leiter dienen.

Knackpunkt Türe

Am Haus oder der Wohnung selbst beginnen die Vorrichtungen zum Schutz vor Einbruch und Diebstahl mit der Wahl eines stabilen Türmodells samt Rahmen und Schloss. Diese sollten zusammen möglichst wenig Angriffspunkte bieten. Wie erwähnt ist bei der Haustüre die Schutzfunktion noch wichtiger als bei der Wohnungstür im Inneren von Mehrfamilienhäusern. Zusätzlichen Schutz für die Tür bietet ein Zweitschloss, das im Rahmen massiv befestigt ist. Sperrbügel, Riegelkonstruktionen und Verstärkungen des Türbandes bei den Scharnieren sind weitere mögliche Einbauten.

Oft vernachlässigt werden beim Thema Türen die Nebeneingänge, die sinnvollerweise dasselbe Sicherheitslevel aufweisen sollten. Also auch die Tür zum Heizungskeller oder zur Waschküche nicht vergessen, falls diese eine Verbindung zum Wohntrakt besitzen. Bruno Spycher erwähnt hierbei auch die Garagentore. Vor allem bei älteren Toren und solchen, bei denen eine Personentür integriert ist, hätten Diebe kaum Probleme, um auf diesem Weg an ihre Beute zu kommen.

Beliebter Weg: das Fenster als Eingang

Schwerer zu sichern sind natürlich die Fenster, das Haupteinfallstor für Einbrecher. Wobei diese wenn immer möglich keine Scheiben einschlagen. Der so verursachte Lärm ist verräterisch und oft zu riskant. Deshalb gilt auch hier, dem unerwünschten Eindringling sein Vorhaben so schwer wie möglich zu machen. Das beginnt mit einer Massnahme, die schon für wenige Franken umzusetzen ist: abschliessbare Fenstergriffe. Oft können Einbrecher durch schräg gestellte Fenster oder Katzentüren einen Griff erreichen und das Fenster öffnen, was ein lautloses Eindringen innert weniger Sekunden bedeutet. Ein abgeschlossener Griff schliesst diese Lücke und zwingt den Einbrecher, mehr Werkzeuge einzusetzen und damit Lärm zu machen.

Die Fachleute unterscheiden sechs verschiedene Widerstandsklassen von Fenstern. RC2 (für «Resistance Class») bezeichnet dabei das Standard-Fensterglas, an welchem sich Gelegenheitstäter mit einfacheren Werkzeugen wie Brecheisen und Schraubenzieher zu schaffen machen. Fenster dieser Klasse müssen eine Widerstandsdauer von drei Minuten erreichen. Für den gehobenen Wohnbereich werden Bauteile von RC3 empfohlen. Hier rechnet man mit einer routinierteren Täterschaft, die zusätzliches Werkzeug verwendet. Das RC3- Fenster leistet fünf Minuten Widerstand. Nur für Banken, Juweliere oder sensible Militäranlagen wird die höchste Widerstandklasse 6 eingesetzt. Obwohl man hier mit Profieinbrechern rechnet, die grosse Elektrowerkzeuge zum Einsatz bringen, halten die Hochsicherheitsfenster dem Angriff 20 Minuten lang stand.

Auch Balkon- und Terrassentüren sollten mindestens die Widerstandsklasse 2 aufweisen. So ist sichergestellt, dass die Gesamtkonstruktion mit Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag Einbrechern das Eindringen so schwer wie möglich macht. Kleinere Fenster zum Kellergeschoss oder zu Toiletten können mit Metallgittern gesichert werden, die ins Mauerwerk eingelassen sind.

Einen zentralen Einbruchschutz, vor allem bei Abwesenheit, können Fenster- und Rollläden bieten. Auch hier sollten Modelle eingebaut werden, die mindestens RC2 aufweisen. Solche Läden weisen eine solide Konstruktion auf, die neben Führungsschienen und Rollpanzer auch eine Hochschiebesicherung beinhalten sollte. Diese verhindert oder erschwert das Hochdrücken des Rollladens von aussen. Fensterläden sollten unbedingt einen Sicherheitsverschluss besitzen. Bei Bedarf können sie
auch mit einem simplen Umhängeschloss gesichert werden.

Sicherheitskonzept methodisch erarbeiten

Türen, Fenster und gerne vergessene «Nebenschauplätze» wie die Waschküche sind also die neuralgischen Punkte der Wohnung oder des Hauses, die es gegen Einbrecher zu schützen gilt. Wer diese Punkte methodisch durchgeht – allenfalls beraten von einem Sicherheitsexperten – kann oft mit vertretbarem organisatorischem und finanziellem Aufwand das Risiko senken. Mehr ist nicht möglich. Polizeikorps, Versicherungen oder auch Hersteller bieten die Dienste solcher Experten an (siehe Infobox). Diese können eruieren, wie hohe Kosten für wie viel Schutz man aufwenden will und welche Installationen wenig effektiv oder gar unnötig sind. Generell aber gilt: Das Gefühl der Sicherheit in den eigenen vier Wänden sollte kein Luxus sein.

BERATUNG

Wer Informationen benötigt, welche baulichen und technischen Massnahmen zur Erhöhung des Einbruchschutzes möglich sind, kann diese von diversen Quellen beziehen. Infobroschüren können zum Beispiel bei der eigenen Hausratversicherung oder auf der Website der meisten kantonalen Polizeidirektionen bezogen werden. Die kantonalen Polizeikorps stehen der Bevölkerung auch mit Sicherheitsberatern zur Seite, die neben baulich-technischen und elektronischen Ratschlägen auch Verhaltenstipps geben können.
Viele nützliche Ratschläge enthält die kostenlose Broschüre «Einbruch – nicht bei mir!» der Schweizerischen Kriminalprävention. www.skppsc.ch