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Sanitärprodukte etikettieren

29.03.2018     MORRIS BREUNIG, dipl. Architekt FH, Faktor Journalisten, Zürich

Energieetiketten informieren Verbraucher über die Energieeffizienz von Produkten. Seit 2010 ist diese auch für Sanitärprodukte verfügbar. Eine vereinfachte Klassierung erleichtert die Auswahl.

Die Energieetikette für Sanitärprodukte ist ein freiwilliges Label zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Duschbrausen, Armaturen und Wasserspareinsätzen. Derzeit sind nahezu 3000 Sanitärprodukte in der Schweiz mit dem Label versehen, das von Klasse A (grün = geringer Verbrauch) bis G (rot = hoher Verbrauch) reicht. Abhängig von der Bauart verbrauchen beispielsweise Duschbrausen in der Klasse A unter 6 Liter Wasser pro Minute, in der Klasse G hingegen mehr als 21 Liter Wasser pro Minute. 

Ziel der Energieetikette

Somit trägt die Energieetikette zu einer Zunahme von wassersparenden Produkten bei und erleichtert Verkaufsstellen die Informationsvermittlung an Kunden. Verbraucher erkennen wassersparende Produkte dadurch auf Anhieb. Und die Nachfrage steigt, sagt Adriano Rapuano, Produktmanager bei Geberit: «Dieser Trend ist klar spürbar. Kunden informieren sich über die Energieeffizienzklassen und bevorzugen Produkte, die mit der Energieetikette ausgezeichnet sind.»

Möglichst europaweit einheitlich

Der Schweizerische Verband für Energieeffiziente Sanitärprodukte (SVES) betreut die Energieetikette und forciert durch seine Mitglieder einen verstärkten Einsatz. Zusammen mit der schweizerischen Variante existieren derzeit drei Energieetiketten in Europa. Für Energieeinsparungen strebt die EU eine einheitliche, europaweite Energieetikette für Sanitärprodukte an. SVES unterstützt dieses Bestreben und sieht darin auch einen wichtigen Effekt für die im europäischen Markt tätigen Schweizer Hersteller.

Der Weg zur Energieetikette

Alle Produzenten und Vertreiber von Sanitärprodukten können einen Antrag auf Nutzung der Energieetikette für Sanitärprodukte stellen. Martin Kernen, Geschäftsführer SVES, erklärt das Prozedere: «Wer diese in der Schweiz nutzen will, muss die Kooperationserklärung unterzeichnen. Das Unternehmen lässt seine Produkte auf eigene Verantwortung prüfen und trägt diese zusammen mit den notwendigen Angaben zur Kennzeichnung in das Online-Formular ein.» Die Energieklasse wird umgehend berechnet und dem Hersteller angezeigt. Nach der Bestätigung durch den Verband kann das Unternehmen die Energieetikette gemäss Reglement für Verkaufszwecke nutzen.

Auch von Planern bis hin zu Vertriebsleuten werde die Energieetikette positiv aufgenommen, sagt Rapuano: «Denn auch bei Sanitärplanern, Grosshändlern, Grossmärkten usw. hat die Energieetikette viel Aufmerksamkeit bei der Auswahl energieeffizienter Produkte generiert.»

Für Minergie-Zertifizierung anrechenbar

Hersteller folgen zudem den Kundenwünschen, glaubt Martin Kernen: «Dass die Energieetikette für Sanitärprodukte auch bei der Minergie-Zertifizierung angerechnet werden kann, hebt die Nachfrage.» Und Adriano Rapuano bestätigt: «Der Energiebedarf für die Warmwasserversorgung ist in der Minergie-Kennzahl enthalten: Die Berechnung der Minergie-Teilkennzahl für Warmwasser beruht auf den Nutzwärmebedarfswerten der Norm SIA 380 / 1. Entsprechen mindestens zwei Drittel der «warmen» Zapfstellen der Effizienzklasse A, darf der Nutzwärmebedarfswert um 10 Prozent reduziert werden.»

Qualitätssicherung notwendig

Laut einer 2017 veröffentlichten Studie von Clasp, Ecos, EEB und Topten verbrauchen Haushaltsgeräte oft mehr Strom als auf der Energieetikette ausgewiesen wird. Verantwortlich sind häufig untaugliche Messungen. So wurde beispielsweise der Stromverbrauch von Kühlschränken bisher ohne Inhalt erfasst. Trotz 50 verschiedener Programme wurden Geschirrspüler in der sparsamsten Variante getestet, weshalb der eigentliche Verbrauch um rund 73 Prozent höher sei. Damit dies bei den Armaturen nicht geschieht, erfolgt die Klassifizierung hauptsächlich auf dem Volumenstrom bei voll geöffneter Armatur. Der Benutzer kann deshalb nur gleich viel oder weniger Warmwasser verbrauchen als angegeben.

Periodische Qualitätssicherungen bei Sanitärprodukten stellen die Qualifikationsanforderungen sicher, sagt Kernen: «In einem zertifizierten Labor erfolgte 2016 eine umfangreiche Kontrolle an 100 Sanitärprodukten. Das Resultat zeigte, dass – ausgehend von den gemessenen Werten – 87 Prozent der getesteten Produkte richtig oder schlechter (9 Prozent davon) gekennzeichnet wurden. Von den 13 Prozent der Produkte mit positiverer Kennzeichnung betrug die Differenz mehrheitlich nur eine Klasse.»

Vereinfachte Klassierung

Nach Neuregelung der EU-Kommission werden zukünftig generell nur noch die Klassen A bis G bei der Energieetikette genutzt. So sollen bisherige Verständnisprobleme von Verbrauchern bei Klassen wie A+++, A++ und A+ für Fernsehgeräte verhindert werden. Die Umstellung auf die verschiedenen Bereiche der Haushaltsgeräte verläuft etappenweise, und auch die Schweiz folgt diesem Beschluss.

Zertifizierte Sanitärprodukte

Aktuell haben 16 nationale und internationale Hersteller oder Distributoren eine Kooperationserklärung unterschrieben. Produkte von über 25 Marken sind bisher mit Energieetikette gekennzeichnet. Ende 2017 befanden sich 2915 Produkte in der Datenbank. Eine Übersicht liefert die Website des Schweizerischen Verbands für energieeffiziente Sanitärprodukte (SVES): www.etiquetteenergie-sanitaire.ch