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Roboterhilfe

10.03.2017     Yvonne Lemmer, HEV Schweiz

Es ist eine schöne Vorstellung: Man kommt von der Arbeit nach Hause und die Wohnung ist sauber geputzt. So ganz von alleine geht es aber nicht, ausser man stellt eine Reinigungskraft an. Oder es hilft ein Roboter mit.

Die Hausarbeit ist eine leidige Sache, der sich niemand entziehen kann. Die Onlineplattform immowelt.ch fragte im vergangenen Jahr 500 Schweizer in einer repräsentativen Studie «Wohnen und Leben 2016», welche Hausarbeiten sie am wenigsten gern ausüben. Die Resultate zeigten klar: Fenster putzen, Bügeln und Toilette reinigen gehören zu den unpopulärsten. Ist ein Roboter die Lösung des Übels?

Fensterreinigung

Zu den neueren Innovationen auf dem Haushaltsgerätemarkt gehören Fensterputzroboter. Über ein Kabel sind sie am Strom angeschlossen. Sie haben zudem einen Notfallakku, der übernimmt, wenn es zu einem Stromausfall kommt. Eine Sicherungsleine verhindert Schäden am Gerät, sollte dieses unerwartet abstürzen. Der Putzvorgang läuft wie folgt ab: Man drückt den Roboter auf die Scheibe, das Gerät saugt sich mit Unterdruck fest und bewegt sich über rutschfeste Kunststoff- oder Gummiketten fort. Unten am Gerät sind Mikrofaserpads oder -tücher angebracht. Und das Resultat?

Der Kassensturz testete 2016 unterschiedliche Fensterreinigungsmethoden. Die zwei geprüften Putzroboter lieferten im Gegensatz zu anderen Fensterreinigungsgeräten ein schwächeres, jedoch immer noch genügendes Resultat. Anja Fuchs-Barbana, Dozentin für Facility Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), war als Jurymitglied beim Test dabei. Welche Probleme tauchten bei der Reinigung durch Fensterputzroboter auf? «Einige Roboter reinigen die Oberflächen nur mittels trockenem Abreiben. Bei dieser Technik werden nur lose Verschmutzungen abgewischt, die auf der Oberfläche aufliegen. Nicht abgewischt werden jedoch haftende Verschmutzungen. Deshalb ist das Reinigungsresultat nicht bei allen Robotern gut ausgefallen», sagt Anja Fuchs-Barbana. Ein weiteres Problem sieht sie in der Zuverlässigkeit der Gerätesteuerung. Die Reinigungsroboter erreichten nicht alle Bereiche gleich gut, problematisch sind Randbereiche und Eckzonen.

Eine Verkürzung der Reinigungsintervalle könnte die Lösung für Fensterputzroboter sein. In vielen Haushalten dauert es gut ein Jahr, bis die Fenster das nächste Mal geputzt werden. In dieser Zeit entstehen durch Regen und Mauerwerk auf der Glasoberfläche haftende Verschmutzungen aus Mineralstoffablagerungen oder organische Verschmutzungen durch Fliegen- und Vogelkot. «Ein besseres Resultat weisen Reinigungsroboter auf, die mit einer flüssigen Reinigungslösung arbeiten », sagt Anja Fuchs-Barbana, «wenn das Reinigungsintervall der Fenster verkürzt wird und die Fensterreinigung einmal pro Monat erfolgt, wird sich weniger haftende Verschmutzung ablagern und das Reinigungsresultat fällt besser aus.» Online-Testberichte über Fensterputzroboter erwähnen laute Betriebsgeräusche, ein mühsames Anbringen der Sicherungsleine und die lange Dauer
des Putzvorgangs als Nachteile.

Blanker Boden

Neben den Fenstern bietet der Boden viel Fläche für Schmutzablagerungen: Staub, Haare und Essensreste zum Beispiel. Diesen nimmt sich der Staubsauger, oder eben der Staubsauger-Roboter, an. Er ist in der Schweiz kein Unbekannter mehr: Gemäss einer 2016 von iRobotics GmbH durchgeführten Studie unter 502 Deutsch- und Westschweizern sagten 96 Prozent der Befragten, dass sie diese Art von Staubsaugern bereits kennen. 30 Prozent sind sogar schon vertraut mit dieser Roboterhilfe. Neuerdings gibt es Modelle, die den Boden nicht nur saugen, sondern auch feucht aufnehmen. Die einen Wischroboter arbeiten mit einem Tank bestehend aus zwei getrennten Behältern für das saubere und das schmutzige Wasser. Andere Roboter nehmen den Boden mit Reinigungstüchern auf. Beim iRobot Braava Jet befestigt man ein Reinigungstuch unter dem Gerät: Feucht-, Nass- und Trockenwischen ist möglich. Ein Sprühstrahl mit Flüssigkeit und ein vibrierender Reinigungskopf sorgen zusammen mit dem Reinigungstuch dafür, dass der Boden von haftender Verschmutzung befreit wird.

Wäsche trocknen und falten

Es hört sich verrückt an, könnte aber in wenigen Jahren Realität in Schweizer Haushalten sein: Eine Maschine übernimmt neben dem Waschen und Trocknen auch das Falten der Kleider. Wie bitte? Panasonic hat an der Elektronikmesse IFA 2016 in Berlin das All-in-one- Gerät «Laundroid» vorgestellt. Es wäscht, trocknet und faltet. Momentan existiert erst ein Prototyp der Wäschestation. Für den Privathaushalt wird der Wäscheroboter nicht vor 2020 erhältlich sein. Schon früher auf den Markt sollen hingegen Faltroboter kommen – zum Beispiel «FoldiMate». Wie arbeitet das Gerät? Man befestigt die Kleider von Hand an den Clips, dann zieht FoldiMate die Kleidungsstücke ins Gerät hinein, glättet sie mit Dampf und faltet sie. Der ganze Vorgang dauert maximal 45 Sekunden pro Kleidungsstück. Hemden, Hosen, Kleider und Handtücher soll der Roboter schaffen – grosse Leintücher, Socken oder Unterwäsche hingegen nicht.

Auch eine Frage der Einstellung

Putzmuffel dürfen also aufatmen. Neben den bereits erhältlichen Robotern kommen laufend weitere auf den Markt, die das Saubermachen erleichtern. Ob sich die Anschaffung eines Roboters lohnt? Diese Frage bleibt im Raum stehen. Denn putzt man von Hand, ist die Reinigung oft schneller ausgeführt, als wenn ein Roboter reinigt. Auch entscheidet man dabei selbst, wie das Putzresultat aussehen soll. Dafür kostet die eigenhändige Reinigung Zeit, die anders besser genutzt werden könnte. Und sie setzt Körpereinsatz voraus – diesen kann einem der Roboter abnehmen.

WEITERE ROBOTER-TYPEN

Wer einmal anfängt zu recherchieren, stösst auf weitere Roboter, die im und ums Haus behilflich sein können. Hier einige Beispiele – darunter auch kuriose:

Grillroboter: Anstatt am Rost klebende Fleischreste und Fett durch mühsames Kratzen und Bürsten selbst zu entfernen, lässt man den Roboter putzen. Er fährt über den Rost, seine Bürsten rotieren dabei und machen den Rost wieder sauber.

Poolroboter: Er entfernt den Schmutz auf dem Poolboden, gewisse Modelle reinigen zudem die Wände und die Wasserlinie.

Rasenmähroboter: Er dreht selbstständig seine Runden im Garten und sorgt für einen frisch gemähten Rasen.

Aquarium-Putzroboter: Er verspricht eine vollautomatische Reinigung der Aquarienscheiben.

Roboter für Katzenklo: Für Katzenbesitzer interessant – Litter-Robot ist ein sich selbst reinigendes Katzenklo.