• Renovationsfenster anstelle eines kompletten Ersatzes

Renovationsfenster anstelle eines kompletten Ersatzes

27.04.2017     OTHMAR HUMM, Faktor Journalisten, Zürich

Viele Hersteller bieten Renovationsfenster an, bei denen der neue Rahmen auf dem alten verschraubt wird. Diese Art von Fenster hat einen enormen Vorteil, aber auch einige Nachteile.

Anbieter von Renovationsfenstern lassen interessierte Hauseigentümer erahnen, was sie bei einem Fensterersatz erwartet – sofern sie kein Renovationsfenster auswählen. Im Video eines Herstellers wird das Haus zu einer Baustelle mit viel Schutt und Staub. Nur der Maurer rettet die Situation noch, was allerdings Mehrkosten verursacht. Das Filmdrama ist zweifelsohne überzeichnet, kommuniziert aber im Kern eine Realität: Die völlige Demontage eines alten Fensterrahmens aus dem Mauerwerk kann ziemlich aufwendig sein.

Mit Wechselrahmen einfacher

Der wichtigste Vorteil des Renovationsfensters – einige Hersteller nennen es «Wechselrahmenfenster» – zeigt sich im geringen Aufwand. Der Fenstermonteur schleift den alten Rahmen bis an die Mauerlaibung ab und verschraubt den neuen Fensterrahmen auf dem alten. Ganz ohne Staub und Holzspäne geht auch das nicht, aber dennoch viel schneller als bei einem kompletten Fenstererstatz und ohne Maurer. Ein guter Monteur braucht für ein Fenster nicht mehr als eine Stunde. Das könnte mit ein Grund sein, wieso bei einem grossen Hersteller heute rund die Hälfte aller Kundenaufträge Renovationsfenster sind. Noch beliebter sind die Reno-Produkte indessen bei den Herstellern selbst. Denn dadurch lassen sich die teuren Montagestunden mehr als halbieren. Diese drücken auf die Margen in einem hart bedrängten Markt.

Die Schweiz im Zweiklassensystem

«Das ist für Mieter», heisst es unter Fachleuten – im Eigenheim käme nur der Komplettersatz des Fensters infrage. Die Kommentare ähneln jenen zum Material der Fensterrahmen vor 20 Jahren: Holz-Metall für die Eigentumswohnung und das Einfamilienhaus, Kunststoff für Mietwohnungen. Dies hat sich aber mittlerweile relativiert. Tatsächlich ist das Renovationsfenster deutlich kostengünstiger als die konventionelle Alternative. Anschläger – so lautet die ältere Bezeichnung für Fenstermonteure – warnen zudem, sie wüssten nicht, was unter dem alten Rahmen stecke. Für den Hauseigentümer tönt der vage Satz bedrohlich, denn die Qualität der Aussenwand kennt auch er nicht im Detail. Dies abzuklären, könnte sich vor einem Entscheid zwischen Renovationsfenstern und einem kompletten Ersatz lohnen.

Verlust von Tageslicht

Von der Konstruktion her ist das Renovationsfenster eine Aufdoppelung, auch wenn möglichst viel vom alten Rahmen abgehobelt wird. Das führt zu einer Verminderung des Glasanteiles im Vergleich zur traditionellen Bauweise. Der Verlust von fünf bis zehn Prozent an transparenter Fläche wiegt bei Bauten mit kleinen Fensterformaten noch schwerer.

Fazit: Der Entscheid «Renovationsfenster ja oder nein?» ist auch und vor allem von den baulichen Verhältnissen abhängig. Falls der Altrahmen in gutem Zustand ist, auf einer robusten Aussenwand aufliegt und dort zuverlässig verankert ist, und wenn genügend Tageslicht in den Räumen verfügbar ist, bildet das Renovationsfenster eine valable Alternative. Dann ist es wichtig, dass der Besteller die üblichen sieben Qualitätsmerkmale einfordert. Zur Erinnerung: Wärmeschutz, Schallschutz und Sicherheit nach Bedarf; Feuchteschutz: zwei Dichtungen; Schlagregendichtheit: mindestens Klasse 9A; Luftdurchlässigkeit: mindestens Klasse 4; Widerstand gegen Windlast: mindestens Klasse B3.

Wie ist ein Renovationsfenster aufgebaut?

Renovationsfenster mit Holz-Metall- Rahmen, vertikal geschnitten durch die unteren Rahmenteile. Im unteren Teil der Zeichnung sind links die alte äussere Fensterbank über dem Mauerwerk, darüber die neue Metallabdeckung sichtbar. Unten in der Mitte sieht man den alten abgehobelten Blendrahmen im quadratischem Profil, an dem der neue Blendrahmen L-förmig (zweiseitig) andockt. Oberhalb des neuen Blendrahmens liegt der neue Flügelrahmen mit der 3-fach-Verglasung. Links davon, also aussenseitig, sind die Abdeckungen aus Metall. Ein Qualitätszeichen: Zwischen den neuen Blend- und Flügelrahmen sind zwei Dichtungen eingefügt. Zwischen diesen Dichtungen liegt der Falzraum, in dem sich warme Luft aus dem Innenraum sammelt und bei sinkenden Aussentemperaturen kondensiert. Die innere Dichtung verhindert, dass warme Luft in diesen Falzraum nachströmt.