• Pflanzen einwintern leicht gemacht

Pflanzen einwintern leicht gemacht

28.09.2017     BERT STANKOWSKI, Winterharte Gartenpflanzen, Ernst Meier AG

Garten – Viele Pflanzen in unseren Gärten oder auf der Terrasse stammen aus fernen Ländern. Dort ist das Klima speziell im Winter milder als bei uns. Gerade Topfpflanzen leiden in der hiesigen Kälte – und nicht selten führt diese zu Teil- oder Totalausfällen.

Im Herbst ist es wieder an der Zeit, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unsere Balkon- und Gartenpflanzen sicher durch den bevorstehenden Winter bringen. Denn Kälteschäden möchten wir unseren Pflanzen so gut es geht ersparen. Schäden durch Kälte zeigen sich meist an Ästen und Blättern der Pflanzen, jedoch sind diese auf Schädigungen im Wurzelbereich zurückzuführen. Gerade Topfpflanzen haben einen schwierigen Stand. Während bei im Boden wachsenden Pflanzen die Wurzeln seitlich und von unten geschützt sind, ist das Leben und Gedeihen für eine Pflanze im Topf ein Sonderfall. Der Frost dringt schnell und ungehindert durch das Gefäss in den Erdballen und bis in das Herz der Pflanze ein.

Welchen Nutzen hat das Einwintern?

Wenn es um Ihre Pflanzen geht, ist jede Schutzmassnahme sinnvoll. Oft machen schon Temperaturunterschiede von einem bis zwei Grad Celsius etwas aus und helfen den Pflanzen, die «Extremsituation Winter » zu überstehen. Für den Schutz des Kronen- und Astbereichs reicht meist ein winddichtes, aber luftdurchlässiges Vlies oder ein Jutegewebe aus. Die wichtigste Funktion solcher Vliese ist nicht das Wärmen der Pflanze, sondern das Abhalten kalter Winde wie der Bise in der Nordschweiz. Biswind ist kalt und trocken. Er trägt die Luftfeuchtigkeit, welche die Pflanzen transpirieren, sofort weg. Als Folge davon dringt der Frost in die Pflanzenzellen ein und zerstört sie. 

Den Erdballen kann man mit Luftpolsterfolie – auch Noppenfolie genannt – schützen. Man legt davon ein bis zwei Lagen um den Topf. Dies ist besonders für kleine Gefässe ratsam. Bei Massen ab 60 cm Durchmesser ist das Einpacken der Töpfe nicht mehr nötig, da bereits ein ausreichender Schutz durch die Grösse des Erdballens gegeben ist. Keramik- und Tongefässe können bei starken Frösten an ihrer Standfläche Schaden nehmen. Da die Standfläche immer feucht ist, frieren die Töpfe am Boden fest und der Frost lässt das poröse Material zerbröckeln. Abhilfe leisten da Füsschen, die unter die Gefässe geschoben werden und dadurch eine Luftzirkulation und ein Abtrocknen gewährleisten. So frieren die Töpfe auch nicht mehr fest.

Mittelmeerpflanzen

Viele lang blühenden Zierpflanzen stammen aus der Mittelmeerregion. Dazu gehören Oleander, Lantanen, Oliven, Bananen und Palmen. Diese Pflanzen ertragen gar keinen Frost – oder nur kurzzeitig ein paar wenige Minusgrade. Sie gelten als nicht winterhart und benötigen ein nicht zu kaltes und nicht zu warmes klimatisiertes Winterquartier. Die verschiedenen Mittelmeergewächse unterscheiden sich in ihrem Temperaturempfinden. So lassen sich beispielsweise Palmen je nach Region gut eingepackt draussen überwintern. An besonders geschützten Seelagen überstehen auch Oliven, Esslorbeer, Faserbananen und Feigenbäume den Winter im Freien, vor allem dann, wenn sie in den Boden ausgepflanzt wurden. Andere «Südländer » wie Lantanen, Zitruspflanzen, Schmucklilien und ougainvilleen sind äusserst kälteempfindlich und halten keinen Minusgrade stand. Sie müssen im Winter von Temperaturen von fünf bis sieben Grad Celsius umgeben sein. Oleander hingegen können in sehr kühlen, auch dunkleren Räumen und Treppenhäusern den Winter überdauern. Idealerweise fragen Sie beim Kauf der Pflanzen gleich im Fachhandel nach den idealen Überwinterungsbedingungen. Spezialisierte Gärtnereien bieten zudem einen Überwinterungsservice inklusive dem Abholen und Ausliefern der Pflanzen an. 

Späte Fröste im Frühling

Was hat uns der Frühling 2017 gelehrt? Kurz nach Mitte April hatten wir in der Nordschweiz und in weiten Teilen Mitteleuropas einen Spätfrost mit Temperaturen von minus drei bis minus fünf Grad. Dieser Kälte gingen Tagestemperaturen von über 15 Grad voraus. Viele Pflanzen begannen dank der warmen Witterung zu treiben und bildeten Blüten und Blätter. Der plötzliche Witterungsumschwung, dem auch noch Schnee folgte, machte den Jungtrieben arg zu schaffen. Das zarte Grün erfror, Blütenanlagen wurden zerstört und bei feinrindigen Gehölzen starb sogar die Rinde ab. 

Der Fruchtertrag wurde in vielen Gegenden fast auf null reduziert. Die Pflanzen mussten viel Energie und Zeit für einen Neuaustrieb aufwenden, und erst im Juni hatten sich die meisten Pflanzen wieder vom späten Frost erholt. Für einige bedeutete der Stress im April sogar das Aus und sie gingen ein. Solche Spätfröste sind eher selten. Glücklicherweise warnen uns die Wetterdienste vor solchen Wetterextremen, so dass wir entsprechende Vorkehrungen treffen können. Pflanzen in grösseren Gefässen lassen sich durch das Einpacken mit Vlies bis zu gewissen Minustemperaturen in ausreichendem Masse schützen. Kleinere Gefässe und Pflanzen sollte man von ihrem üblichen Standort an einen geschützten Platz verschieben. Ausserdem ist es weise, wenn man Mittelmeerpflanzen bei solchen späten Kälteperioden nochmals ins Winterquartier zurücknimmt. Unser Tipp: Das Risiko von Spätfrostschäden wird erhöht, wenn die Pflanzen zu lange eingepackt bleiben und im Frühjahr bei den ersten milden Temperaturen unter dem Winterschutz zu stark angetrieben werden. Daher sollten Sie die Pflanzen ab März auspacken oder den Winterschutz zumindest gut lüften.

Muss man alles einpacken?

Die Antwort lautet: Nein, sicher nicht. Wie im Beitrag erwähnt, sind Gefässe ab 60 cm Durchmesser schon rein durch ihre Grösse genügend gut gegen Fröste geschützt. Auch die meisten Nadelgehölze wie Föhren, Zwergfichten und Wacholder sind gegen tiefe Temperaturen gefeit. Aus ihren Heimatgebieten wie den Gebirgen der Alpenländer oder den windumbrausten Heidegebieten Nordeuropas sind sie sich extreme Temperaturen gewohnt, so dass wir sie bei uns bedenkenlos im Freien stehen lassen können. Auch die meisten der in unseren Gärten wachsenden Sträucher wie Forsythien, Weigelien und Flieder kommen gut ohne spezielle Massnahmen durch den Winter. 

In den letzten Jahren wurde sogar etwas zu viel eingepackt. Wichtiger als das Einpacken ist ein anderer Aspekt, den man unbedingt berücksichtigen muss: die Wintertrockenheit. Der Erdballen sollte feucht, nicht nass, in eine Frostperiode gehen. Das heisst, dass man vor allem die immergrünen Gehölze vor Frosteintritt nochmals gut wässert. Immergrüne verdunsten auch bei eisiger Kälte viel Feuchtigkeit über die Blätter. Finden die Wurzeln dann kein Wasser im Erdballen, so «gefriertrocknet» die Pflanze und stirbt ab. Zudem sollte für Immergrüne im Winter ein Standort im Schatten gewählt werden. Gräser bindet man über den Winter zusammen und schneidet sie im März bodeneben ab. Durch das Zusammenbinden verhindert man das Eindringen von übermässig viel Wasser ins Herz der Pflanze, was zu Fäulnis führt. Eine Ausnahme bildet das Pampasgras, dessen Wurzelballen seitlich mit einer dicken Laubschicht geschützt werden müssen.

Experten-Tipp

Ziehen Sie die Luftpolsterfolie 15 bis 20 cm über den Topfrand hoch. Füllen Sie diesen «Überstand» mit trockenem Buchenlaub, das Sie bei einem Spaziergang im Wald zusammentragen. Die Bodenoberfläche wird damit wie durch eine Matratze gegen Kälte geschützt. Damit diese losen Blätter nicht von einem Wintersturm weggefegt werden, sollten Sie sie mit ein paar Tannenästen bedecken.

WEITERE INFOS

Die Gärtnerinnen und Gärtner vom Garten-Center Meier in Dürnten stehen Ihnen für Fragen zur Überwinterung gerne zur Seite. www.meier-ag.ch