• Passt mein Haus in unsere Umwelt?

Passt mein Haus in unsere Umwelt?

28.09.2017     OTHMAR HUMM, Faktor Journalisten, Zürich

Energie und Umwelt – Wie mache ich mein Haus umweltfreundlicher? Gibt es pragmatische Lösungen? Sind fossile Energien noch einsetzbar im umweltfreundlichen Haus?

Gemäss den energiepolitischen Zielen der Kantone sollten Neubauten den Wärmebedarf möglichst vollständig durch hauseigene Anlagen decken, weitgehend auch den Strombedarf. Für bestehende Häuser ist dies nur mit kaum vertretbarem Aufwand möglich. Dem tragen die Kantone Rechnung, indem sie den Hauseigentümern «Investitionssicherheit» und «Tragbarkeit» von Vorhaben zusichern (Abbildung 1). Das verschafft Eigentümern etwas Spielraum.

Pragmatische Lösungen

«Ein Haus lässt sich auch in kleinen Schritten umweltverträglicher machen», meint Joe Luthiger vom Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS). Voraussetzung ist allerdings, dass die einzelnen Massnahmen einen umweltschonenden Beitrag liefern (Abbildung 2). Wer den Estrich in einen Fitnessraum umnutzt, betreibt keine «Siedlungsverdichtung ». Für Umbau und Geräte werden Ressourcen verbraucht, ohne dass zusätzlicher Wohnraum entstehen und der Komfort in den bestehenden Räumen erhöht würde. Bei häufig empfohlenen Massnahmen wie einer besseren Wärmedämmung oder dem Einsatz von erneuerbaren Energien zum Heizen hingegen kann Energie eingespart und der Komfort nach der Erneuerung erhöht werden. Für Joe Luthiger ist es wichtig, dass Eigentümerschaften ihr Haus als Gesamtsystem begreifen. Dazu gehören auch der Energieaufwand von Sanierungsvorhaben, die Geräte im Haushalt und im Heimbüro sowie die Alltagsmobilität. Diese Breite in der Bewertung ist für Eigentümer auch eine Chance, weil dadurch unsere Häuser eine Vielzahl von Stellschrauben bieten. 

An Gelegenheiten fehlt es nicht

Tatsächlich stehen umweltrelevante Entscheidungen weit häufiger an als vermutet. Der Ersatz der Waschmaschine ermöglicht die Anschaffung eines besonders sparsamen Gerätes (www.topten.ch). Neue Fenster sind dreifach verglast und entsprechen der Fensterkategorie A (www.szff.ch). 

Der Spengler montiert eine Dachrinne aus feuerverzinktem Stahlblech statt aus Kupfer, weil der Abrieb und damit die Umweltbelastung deutlich geringer ist. Unkrautvertilger, Holzschutz- und Farbanstriche – die Liste lässt sich fast endlos weiterführen. Bei teureren Anschaffungen und Bauvorhaben lohnt sich aber ein systematisches Vorgehen, fallweise auch eine Beratung durch Fachleute. Daraus ergibt sich beispielsweise der Ratschlag, grössere elektrische Geräte mit der Photovoltaikanlage zu vernetzen, wenn nicht heute, dann in einigen Jahren.

Nachhaltig heisst nicht viel

Ein Bauvorhaben oder den Kauf eines Gerätes nach dem Kriterium der Umweltverträglichkeit zu bewerten, ist nicht immer einfach. Denn viele Angebote werden in der Werbung mit «nachhaltig» und «umweltfreundlich» angepriesen. Bei kleineren Projekten genügt wohl ein gesunder, möglichst kritischer Menschenverstand, bei grösseren Vorhaben kann die Orientierung an unabhängigen Bewertungssystemen hilfreich sein. Dazu zählen sicher Minergie-Eco (www.minergie.ch), der erwähnte Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz und der Bauteilkatalog (www.bauteilkatalog.ch). Die Energieetikette ist mittlerweile für zwölf Bauteil- und Gerätekategorien verfügbar (www.bfe.admin.ch/energieetikette/). Wer seinen ökologischen Fussabdruck berechnen will, findet unter www.wwf.ch/footprint  Unterstützung. Eine vollständige Ökobilanz ersetzen diese Standards und Labels zwar nicht, sie liefern aber zuverlässige Entscheidungsgrundlagen. 

Fossile Energien?

Gas- und Ölheizungen werden wie Elektroboiler und Elektroheizungen von den kantonalen Behörden als wenig zukunftstauglich bewertet. Deren Neuinstallation ist entweder verboten oder mit Auflagen behaftet. Aufgrund der energiepolitischen Ziele des Bundes und der Kantone ist langfristig mit weitergehenden Einschränkungen zu rechnen. Hausbesitzern, die mit fossilen Energien heizen, steht eine Vielzahl von umweltschonenden Massnahmen offen. Zum Beispiel das Brauchwarmwasser über eine kompakte Solaranlage oder über einen Wärmepumpenboiler zu erwärmen, bessere Fenster einzubauen oder die Kellerdecke zu dämmen. An Optionen mangelt es nicht, das umweltfreundliche Haus ist machbar!